Ersatzdienstleistende leben und arbeiten im Dorf Kizimakazi mkunguni Völkerverständigung, Verbreitung der Nutzung von Sonnenenergie durch die Dorfschulen und neue Arbeitsplätze für Jugendliche in Tansania, das waren die Ziele des neuen Projektes. Die Deutsch Tansanische Partnerschaft e.V. aus Hamburg schickt alljährlich zwei ADiAler (Anderer Dienst im Ausland § 14 ZDG) nach Kizimkazi mkunguni, einem islamischen Dorf an der Südspitze Sansibars. Sie arbeiten zusammen mit den SchülerInnen der Secondaryschool, bauen, verleihen und verkaufen Solarlampen.
Nach dem Aufbau der Werkstatt, dem ersten Kursdurchgang 2000/01 und dem Aufbau der ersten Lampen-Verleihstation folgte eine schnelle Ausweitung des Projektes. 14 Dörfer beteiligen sich über ihre Schulen an der Nutzung von Solarlampen, eine neu entwickelte solare Mini-Akkuladestation ist im Test, ein Workshop „Wie baue ich ein SolarHomeSystem“ und ein kisuahelisprachiger Reader über Solartechnik, die Gründung von ZASEA (Zanzibar Solar Energy Association) und immer wieder neu an die Bedürfnisse angepasste Entwicklungen weiten die Erfahrungen mit der Solartechnik vor Ort aus. So fing alles an. Im Sommer 1999 kamen Johannes Kammer und Lars Behrendt zu mir und fragten, ob man bei der Deutsch Tansanischen Partnerschaft e.V. auch als „Zivi im Ausland“ Dienst machen könne. Diese Frage traf auf ein dringendes Bedürfnis, dass ich seit meinem 6monatigen Dar es Salaam-Aufenthalt 1994/1995 mit mir herumtrug: endlich damit zu beginnen, junge Leute in Tansania darin auszubilden, die täglich und überall verfügbare Sonne als Stromquelle zu nutzen.
Wir entwarfen das Projekt gemeinsam, reichten es beim Bundesamt für Zivildienst ein und erhielten am 21. Juni 2000 die Zulassung als Trägerverein für den Anderen Dienst im Ausland (ADiA) oder auch „Zivi im Ausland“. Wir hatten die Zwischenzeit genutzt, um Spenden zu sammeln und Drittmittel einzuwerben, denn der ADiA erhält keinerlei finanzielle Unterstützung durch das Bundesamt für Zivildienst. Im November 2000 startete ich dann mit JOHANNES und LARS das Solarlampen-Pilotprojekt in Kizimkazi mkunguni. 13 Monate Arbeit in Tansania lagen vor ihnen.
Die ersten selbstgebauten Lampen sind fertig Zuvor erlernten wir in Dresden den Zusammenbau der SOLUX I-Solarlampe bei der PRAEZIS-Werkzeugbau GmbH und den Modulbau bei der Solarwatt GmbH während eines 10-tägigen Praktikums. Am Anfang der Tansaniazeit stand erst einmal ein vierwöchiger Intensiv-Kisuaheli-Sprachkurs im Taasisi-Institut in Zanzibartown, denn ohne die Landessprache gibt es im Dorf keine Verständigung. Den Bau des Werkstattraumes und des Zivihauses, in dem sie zusammen mit Kongo und Fahmi wohnten, führten wir gemeinsam mit Lehrern, Handwerkern aus dem Dorf und Schülern durch. Im Februar 2001 startete die Arbeit in der Werkstatt. Die erste Auswahl der Schüler/innen für den Lampenbau erfolgte durch einen "Löttest" aus der Abschlussklasse Form II (Alter 17-21 Jahre). Fünf Mädchen und drei Jungen starteten in zwei Kursen. Der Lampenbau beginnt.Am 18. März 2001 wurde die Werkstatt offiziell in Anwesenheit des Ministers, der Verwaltung und der Politik eingeweiht. Die Schüler/innen stellten ihre Arbeit bereits selbst vor. Als 20 Lampen gebaut waren, konnte die erste Verleihstation in der Schule eingerichtet werden. Zwei 40 Watt/Module wurden auf dem Dach der Schule installiert. Innerhalb einer Woche waren alle Lampen ausgeliehen. Die Lampen werden morgens gebracht, tagsüber aufgeladen und abends wieder abgeholt oder auch von SchülerInnen ausgetragen. Die Einnahmen aus dem Lampenverleih gehen an die Schule und helfen, die kümmerlichen Lehrmittel zu verbessern oder auch Geld für zusätzliche Lampen anzusparen. Johannes, Lars und die erste SchülerInnengruppe wurden Ende März vom der Television Zanzibar TVZ interviewt. Zwei halbstündige Kurzfilme, in denen sie die Lampe in der Landessprache Kisuaheli vorstellten, zeigten Wirkung. Es kamen immer mehr Besucher in die Werkstatt. Insbesondere andere Schulen zeigten großes Interesse für das Projekt, da Licht zum Lesen/ Schreiben eine große Neuigkeit und Verbesserung ist und neue Lebensbedingungen schafft. Wir begannen damit, Schulen die Möglichkeit zu eröffnen, einen Antrag auf eine Solarlampenverleihstation stellen, sammelten in Hamburg Spenden, um dann die nächste Kiste mit Teilen für 100 Lampen plus Stationsmodule einkaufen zu können. Gut 8000 Euro sind nötig für eine Kiste mit Lampenteilen für 100 Lampen/Module/Versand. Workshopreader Solartechnik auf KisuaheliDie aus dem Englischen übersetzten Solartechniktexte, die von der Geschichte bis zur Anwendung der Solartechnik reichen, entstand inzwischen ein 65seitiger Workshopreader mit Bildern. Er soll die Grundlage für ein erstes Buch über Solartechnik in der Landessprache Kisuaheli für Ostafrika werden. Anpassen und WeiterentwickelnDurch die ständige Anwesenheit der Zivis vor Ort ist es möglich, das Projekt ständig an die örtlichen Bedürfnisse und Entwicklungen anzupassen. Die jungen Leute beobachten den Ablauf, diskutieren alle Vorkommnisse vor Ort und geben ihre Vorschläge weiter nach Hamburg. So entstehen auch neue Kleinprojekte wie z.B. das Projekt solare MiniAkku-Ladestation. Noch gibt es keine kleinen Akkus in Tansania. Die unzähligen kleinen Radios und Lampen werden ausschließlich mit Wegwerfbatterien betrieben. Und die versuchsweise mitgebrachten Fertigprodukte der solaren Ladestationen aus Deutschland versagten unter dem tropischen Klima ihren Dienst durch Erhitzen und schnelles Auslaufen der Akkus kläglich.
Seit Februar 2003 werden in Kizimkazi und in der Universtiät Dar es Salaam kleine solare Batterieladestationen getestet: 10 Prototypen zum Laden von AA (Alkaline und NiMH) und A-Akkus, entwickelt von der Ingenieurfirma SET Wedel/ Schleswig-Holstein und dem Kleinmodulhersteller Lemo Solar aus Baden Württemberg. Die ersten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung dieses Projektes durch die Universität Dar es Salaam werden im April 2004 vorliegen. Professionalisierung und Kommerzialisierung Die erste Phase ist geschafft. Durch die Einbeziehung der SchülerInnen wurde die Schwelle für das Zutrauen in die neue Technik herabgesetzt. Die Solarlampen sind Gebrauchsgut geworden. Der Nutzen der Lampen spricht für sich selbst und wird über die Schulen inselweit erfahren. Im Januar 2004 beginnen wir mit dem Aufbau einer zweiten Werkstatt in Zusammenarbeit mit der NGO TaTEDO in Dar es Salaam, weil unsere Lampe auch dort inzwischen sehr nachgefragt ist.
Seit dem 2. Dezember 2003 ist der Ingenieur und Senior Experte Rolf Martin, der die SOLUXlampe entwickelte in Kizimkazi, um vor Ort noch einmal sehr genau beobachten zu können, wo sich Fehler eingeschlichen haben. Gleichzeitig sollen die Mitarbeiter der NGO TaTEDO aus Dar es Salaam eingearbeitet werden. Unser nächstes Ziel heißt Übernahme des Projektes in einheimische Regie. Langsam soll auch die Solarlampen-Werkstatt in Kizimkazi aus der Schule herauswachsen und selbständig in Schulnähe arbeiten. Es ist vorgesehen, die Werkstatt eigenständig mit in dem auf dem Schulgelände geplanten Zentrum der 12 Möglichkeiten (Kumi na mbili Center) unterzubringen. Die Planungen für das neue Zentrum haben inzwischen begonnen. Mikrokredit-WorkshopIm Februar 2004 wird es einen Wochenendworkshop in der Haile Selassie School in Zanzibar Town zum Thema Mikrokredite geben. Mr. Shila von der NGO SUDERETA (Sustainable Development and Renewable Energies in Tanzania) aus Arusha kommt, um die InteressentInnen aus den Dörfern zu unterrichten. Die Menschen haben keine Übung darin, Geld zu sparen, um sich etwas zu kaufen. Zu viele Dinge sind notwendig und das Geld reicht immer kaum zum Nötigsten. Die Organisation in Mikrokredit-Gruppen hat sich in anderen Ländern als erfolgreiche Methode herausgestellt, um Investitionen durch die Vergabe kleiner Kredite und ihre Rückzahlung aus kleinen Einnahmen zu ermöglichen. Lerneinheit Solartechnik für SchulenUm in einem technikfernen Land wie Tansania und technikfreien tansanischen Dörfern Verständnis für eine neue Technik wecken zu können, haben wir nach wie vor die Schulen als Wissensvermittler im Blick. Ein Physiklehrer der Haile Selassie School in Zanzibar Town begann damit, für die SchülerInnen nachvollziehbare Einheiten „Solarenergie“ für den Unterricht zu erproben. Da er selbst noch nie zuvor von der neuen Technik gehört hatte, war der Workshop im März 2003 die erste Grundlage für eigenes Verstehen. Das ADiA Projekt wird beendetIm Juli 2004 wurde das ADiA Projekt beendet, da das Ziel die Solartechnik auf Sansibar bekannt und erfahrbar zu machen erreicht wurde. Das Projekt ist in tansanische Hände überführt worden. Der Lehrer Ramadan wurde als Werkstattlehrer ausgebildet und führt alle anfallenden Reparaturarbeiten, zusammen mit den angelernten Schülern in eigener Regie durch. Bei einer Rundreise Anfang Oktober 2005 arbeiteten alle 14 Stationen gut. Die Solarlampen gehören inzwischen zum festen Bestandteil des täglichen Lebens in den Dörfern. BerichteAbschlussbericht von Johannes Kammer (PDF) Projektbeschreibung (PDF) |