Rückkehrer Rückkehrerwindrad Reparatur
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Arbeit am Rotor des WindradesAuf die Frage, ob wir bei der Reparatur des Windrades von artefact helfen könnten gab es für uns nur eine Antwort, schließlich war artefact uns noch in guter Erinnerung. artefact ist der Ort, an dem für uns alles begann. Hier hatten wir unser fast dreiwöchiges Vorbereitungsseminar, bei dem wir schon viele wichtige Dinge für unser Jahr in Tansania, aber auch für unser Leben, gelernt haben. Artefact, das Zentrum Erneuerbarer Energien in Glücksburg erwies sich dabei als guter Seminarort, denn so konnten wir uns schon gut mit den Techniken, die uns das nächste Jahr begleiten sollten vertraut machen und profitierten von einer angenehmen Seminaratmosphäre. Damals, im Juli 2010 nahm es mit dem besagten Windrad seinen Anfang. Denn genau zu der Zeit des Seminars machte sich eine Gruppe um die Ehemaligen Oli, Nils und Hendrik an die Arbeit bei artefact ein Windrad nach dem Vorbild aus Mafinga aufzustellen. Für uns war das natürlich der optimale Zeitpunkt, schließlich stand zu diesem Zeitpunkt für Raphael und mich die Unterstützung der Produktion genau dieses Windrades in Mafinga auf dem Plan und wir hatten noch keinerlei Erfahrung mit den Windrädern. Auch wenn wir durch das Seminar gebunden waren und nicht viel mithelfen konnten gewannen wir schon ein erstes Bild von der Arbeit, die uns in Mafinga am MLVTC erwarten sollte und durften miterleben, wie das Windrad mit einem Durchmesser von 1,8m aufgestellt wurde.

In der Zwischenzeit ereignete sich jedoch leider der Unfall, der dazu führte, dass eine Reparatur des Windrades notwendig wurde. Als das Windrad Anfang des Jahres nach Wartungsarbeiten wiederaufgestellt werden sollte knickte nach Fehlbelastung das Turmrohr auf halber Höhe und das Windrad fiel herunter. Die Folgen waren glücklicherweise nicht so groß wie man vermuten könnte. Lediglich einer der drei Flügel brach. Trotzdem war der Schaden zu groß um ihn direkt zu beheben. Wir drei waren zu der Zeit noch in Tansania und haben fleißig Erfahrungen mit genau diesem Windradmodell gesammelt, sodass wir uns nun endlich am Wochenende um den 19./20. November in Glücksburg getroffen haben um das Windrad wieder zum Laufen zu bekommen.

In aller Frühe kamen wir also am Samstagmorgen nach teilweise über 12 Stunden Fahrt im Zug zusammen. Wir sind Jonas (Kyela), Raphael und Bastian (beide Mafinga) aus dem Jahrgang 2010/2011, der eben genau an diesem Ort seinen Anfang nahm. So fühlte es sich dann auch vertraut an nach über einem Jahr früh morgens erst am Bahnhof von Flensburg zu stehen um dann den ersten Bus nach Glücksburg zu erwischen. Den Kontakt mit Werner, dem Leiter von artefact, nahm Jonas auf, der durch sein Studium in Flensburg praktisch in direkter Nachbarschaft wohnt. Erst mal galt es eine kurze Bestandsaufnahme zu machen. Was genau gab es zu tun, was wird eventuell noch gebraucht, wo liegt was und ein Frühstück wollte auch noch zu sich genommen werden, bevor es dann losgehen sollte. Zum Glück erhielten wir noch Unterstützung von der Ortsgruppe Ingenieure ohne Grenzen, ohne die der Zeitplan wohl sehr eng geworden wäre. Die Aufgaben wurden aufgeteilt. Das Team der Ingenieure kümmerte sich um den beschädigten Turm. Hier wurde das verbogene Teil des Rohrs entfernt und ein neues Rohrstück fachgerecht eingeschweißt, sodass es gar nicht mehr auffällt, dass das geflickte Rohr gar nicht „ein“ Rohr ist. In der Zwischenzeit kümmerten wir Ehemaligen uns um das Windrad selber. Bastian machte sich an die Arbeit einen neuen Flügel zu bauen, während Raphael und Jonas den gesamten Generator auseinander nahmen und pflegten, denn es stellte sich heraus, dass der Generator in seiner kurzen Lebenszeit schon gelitten hatte und große Teile des Epoxidharzes einfach fehlten. Das ging so weit, dass zum Teil sogar die wichtigen Magneten und Spulen freilagen. Gerade zwei der sechs Spulen machten uns Sorgen. Ob beide noch funktionieren können wir bis heute leider nicht sagen. Durchs Kurzschließen des Generators konnten wir aber zumindest ermitteln, dass der Generator funktioniert. Ob er aber noch die volle Leistung bringt, oder ob eine der beiden Spulen beschädigt ist ließ sich so aber nicht ermitteln und zeigt sich erst, wenn das Windrad sich wieder dreht. Alle Stellen wurden aber ordentlich mit Epoxydharz verarztet. Damit dann alles zeitgerecht fertig wurde gab es auch noch eine Extraeinheit mit dem Föhn, betrieben mit Solarstrom versteht sich (siehe Foto).

Gegen Sonntagmittag hatten die Ingenieure und wir unsere Aufgaben auch soweit abgeschlossen, dass wir uns gemeinsam daran machten erst einmal den Turm wieder an seine angestammte Position zu bringen. Nachdem das Wirrwarr mit den Abspannseilen erst einmal erledigt war und der 12m hohe Turm wieder halbwegs gerade stand ging es auch noch einmal wieder runter, um nun abschließend auch das Windrad mit dem Turm hochzuziehen. Den gesamten Tag war es schon nebelig, was die Arbeiten draußen recht unangenehm gestaltete und nach der kurzen Nacht waren wir auch schon ein wenig erschöpft, was noch einmal für eine Schrecksekunde sorgen sollte. Es drohte bald dunkel zu werden und so mussten wir uns dann auch ein wenig beeilen. Leider hatten wir keine Seilwinde, wie wir es gewohnt waren, sondern mussten den Turm von Hand hochziehen. Was ohne Windrad noch recht einfach war erwies sich mit dem recht hohen Gewicht am Ende des langen Rohrs doch als ganz schönen Kraftakt, der uns im ersten Anlauf dazu zwang den Turm von halber Höhe noch einmal wieder herunterzulassen, da uns an der entscheidenden Stelle die Kräfte verließen. Alle ließen den Turm so schnell wieder herunterkommen, dass schon wieder die Gefahr bestand, dass das Windrad auf den Boden fallen könnte. Es blieb glücklicherweise alles an Ort und Stelle und im zweiten Anlauf nahmen noch einmal alle ihre Kraft zusammen und mit vereinten Kräften stand dann das Windrad, wie es stehen sollte und wir waren froh, dass wir unsere Aufgabe geschafft hatten. Im Dunklen wurden dann noch die Kabel angeschlossen. Der Wind war uns leider nicht so gnädig, sodass wir den finalen Test noch nicht ausführen konnten, aber zumindest ist das Windrad jetzt wieder da wo es hingehört und kann als Anschauungsobjekt bei der Bildungsarbeit zu erneuerbaren Energien und ihrer Rolle in Tansania beitragen.

Alles in Allem war es dann auch eine sehr gelungene Aktion. Die Kooperation mit den Ingenieuren ohne Grenzen war wirklich super und ohne ihre Hilfe wäre das Pensum wohlmöglich nicht einmal zu schaffen gewesen. Auch dass wir dadurch die Zeit hatten den Generator noch einmal genauer zu bearbeiten war sehr dienlich für die Langlebigkeit der Turbine, die doch schon stark angegriffen war. Schön für uns drei war es natürlich auch uns einmal wieder zu treffen und während der Arbeit gab es natürlich auch genug Möglichkeiten uns untereinander auszutauschen über die Zeit in Tansania, die Zeit danach und was wir noch so vor haben. Die nächste Idee für unsere Arbeit als Rückkehrer ist ein Windradprojekt an einer Kölner Schule. Wir hoffen, dass die Zusammenarbeit mit der ehemaligen Schule von Raphael zustande kommt und wir bald wieder darüber berichten können.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Dezember 2011 um 10:47 Uhr
 

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