weltwärts Schulabschluss und Elefanten
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Unser tansanischer WG-Mitbewohner Godwin hatte uns zu seiner „graduation“, also seiner Schulentlassungsfeier, eingeladen, die am Samstag, den 3. November am Vocational Training Centre in Mafinga stattfand. Mafinga ist eine kleine Stadt, die im Süden Tansanias liegt, von Dar es Salaam ungefähr 7 Stunden entfernt. Und ein ganz wichtiger Punkt, den es über Mafinga zu sagen gibt: Da es höher gelegen ist, gibt es dort so gut wie keine Moskitos! Juhu!
Wir drei freuten uns darauf, mal ein bisschen mehr von Tansania zu sehen als nur unsere „Heimatstadt“ Dar es Salaam. Zumal wir sehr gespannt auf unsere erste Fahrt in einem tansanischen Reisebus waren, dessen Route uns zudem auch noch teilweise durch den Ruaha Nationalpark führt. Würden wir wohl Elefanten sehen…?
Wir wollten schon donnerstags anreisen, um noch ein bisschen Zeit mit den dortigen FÖJlern Felix und Oliver verbringen zu können. Um halb sechs morgens, es war noch dunkel, standen wir an der Daladala-Haltestelle. Wir waren die einzigen Fahrgaeste. Am Busbahnhof Ubungo herrschte schon eifriger Betrieb; es schien unmöglich, in diesem Gewimmel unseren Bus zu finden. Wir fragten uns durch, bis ein Fahrer uns nach einem Blick auf unsere Tickets in seinen Bus hineinwinkte. Der Name der Busgesellschaft war ein komplett anderer als erwartet - unser Bus sei am vorigen Abend kaputtgegangen, wurde uns gesagt. Deshalb fuhren wir auch nicht wie gebucht um halb sieben los, sondern erst um halb neun.
Als wir während der Fahrt aus dem Fenster schauten, sahen wir zum ersten Mal Lehmhütten. In Dar sind die meisten Häuser aus Stein oder Beton, die Dächer bestehen aus Wellblech. Jetzt, auf dem Weg nach Mafinga, fuhren wir durch Dörfer mit Grasdächern, und auch durch solche, in denen die Häuser aus selbstgebrannten Backsteinen bestehen, rot wie die Erde unter dem verbrannten Gras. Zwei Stunden am Stück hatten unsere Handys keinen Empfang. Und Wilde Tiere sahen wir leider auch nicht.
Als wir endlich ankamen, wurde es schon langsam dunkel. Felix und Oliver holten uns ab und dann zogen wir uns erstmal etwas über, weil es doch ganz schön kalt ist in Mafinga. Zusammen wanderten wir eine halbe Stunde durch grasbewachsene Hügel bis zur Schule. Die letzten zweihundert Meter säumten Eukalyptusbäume den Weg, wir zerrieben Blätter zwischen den Fingern und genossen den Geruch nach Hustenbonbons. Es sah ein bisschen aus wie Schweden.
Da wir sonnenverwöhnten Küstenbewohner weiterhin froren, machten Felix und Oliver den Kamin (!!!) für uns an und zeigten uns die Betten, in denen wir schlafen würden. Moskitonetze brauchten wir hier nicht.
Am Freitag mussten wir früh aufstehen und uns in der Kirche der Schulgemeinde vorstellen. Anschließend aßen wir noch ein paar selbstgebackene Vollkorn-Mandazi (Frühstückskrapfen, die normalerweise mit normalem Mehl zubereitet werden – aber mit Vollkornmehl sind sie noch besser!), bevor wir in die Stadt einkaufen gingen. Zur Abwechselung gab es keine Taxifahrer, die uns „Mzungu“ hinterherriefen, und die Lebensmittel auf dem Markt waren nur halb so teuer wie in Dar.
Abends machten wir Glühwein nach einem Rezept aus Lisas südafrikanischer Frauenzeitschrift, saßen vorm Kamin und redeten über die Weihnachtsplätzchen, die Oli und Felix bald für alle FÖJlerInnen backen werden – ihr Haus ist das einzige mit Backofen. Im Regionalradio lief Herbert Grönemeyer, „Zeit das sich was dreht“, als Hintergrundmusik zu den Sportnachrichten.tn_schulhof.jpg
Am nächsten Morgen um neun begann die Graduation, der eigentliche Grund unserer Anwesenheit. Zunächst warteten wir, die fünf Wazungu, ca. eine Stunde auf die restlichen Leute. Als sich endlich alle auf die im Innenhof der Schule aufgestellten Bänke gesetzt hatten, gab es einen Aufruhr, und alle gingen wieder weg, auf die andere Seite des Hauses. Dort stellten wir uns dann in zwei langen Reihen auf, erst die Graduates, dann die Gäste und zum Schluss der Schulchor. Schließlich setzte sich die Prozession singend in Gang, zog einmal um das Haus herum zurück in den Innenhof. Wir konnten uns wieder setzen, und der Gottesdienst fing an. Zumindest Lisas Suaheli reichte, um zu registrieren, dass die zehn Gebote vorgelesen wurden. Zum Abschluss des Gottesdienstes segnete der Schulpfarrer jeden Absolventen und jede Absolventin persönlich.
Dann hielten noch eine Menge Leute Reden; der Schulleiter, die Lehrer, ein Vertreter der örtlichen Polizei. (Letzterer ermahnte die Jugendlichen mit fünf unterschiedlichen Formulierungen, auf keinen Fall zu kiffen.). Der Schulchor sang, eine Besuchergruppe sang, drei Jungs rappten und ein Schüler, der auch „der Schlangenmensch“ genannt wurde, gab eine Vorführung. Langsam schmerzten unsere Rücken ganz schön. Schließlich wurden aber die AbsolventInnen in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen, um ihr Abschlusszeugnis in Empfang zu nehmen. Sobald sie dem Schulleiter die Hand geschüttelt hatten, wurden sie von allen anwesenden Verwandten und Bekannten bestürmt, die ihnen Geschenke in die Hand drückten, Lametta-ähnliche Ketten um den Hals hängten und viele, viele Fotos machten. Wir, Femke und Lisa, hatten Godwin eine ganz besonders kitschige Kette gekauft, die aber zwischen dem Dutzend anderen an seinem Halsleider kaum auffiel.tn_graduates.jpg
In einer zweiten Aufruf-Runde wurden besondere Auszeichnungen verliehen. Godwin bekam zwei, eine für „good leadership“ und eine als bester Basketballspieler. Dann folgten wieder Reden. Und irgendwann, nach SECHSEINHALB Stunden, war die Feier zu Ende. Wir alle konnten essen gehen. Als Erstes, da wir ja auch die Gäste der Schule waren, aßen wir gemeinsam mit den Lehrern und anderen Gästen. Aber wir aßen alle nur ganz wenig, weil wir danach nämlich von Godwins Familie eingeladen worden waren, natürlich auch zum Essen. Nach unserem ersten Essen fuhren wir also auf der Ladefläche eines Jeeps zu Godwins Familie und dort durften wir uns wieder an dem leckeren Essen bedienen und Soda trinken.
Während wir auf dem Sofa saßen und aßen, fingen einige der Familienmitglieder an, Reden zu halten. Sie dankten Godwin dafür, dass er die Schule so gut abgeschlossen hat, und dankten Gott dafür, ihm dabei geholfen zu haben. Nachdem einige Reden gehalten worden waren, stand Godwin auf und bedankte sich seinerseits bei allen Verwandten für ihre Unterstützung und sogar bei uns dafür, dass wir zu seiner Graduation gekommen waren.
Am nächsten Tag ging es leider schon wieder zurück nach Dar es Salaam. Und diesmal hatten wir Glück – auf der Rückfahrt sahen wir Zebras, Elefanten und Giraffen…
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 18. Mai 2009 um 15:26 Uhr
 

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