Einen knappen Monat lang ist es mir gelungen, vor dem unausweichlichen Schicksal aller afrikareisenden EuropäerInnen wegzulaufen, doch letztendlich hat es auch mich eingeholt: Ich bin krank. Ich liege in meinem Bett in unserer WG in Dar es Salaam, über mir das Moskitonetz, neben mir an der Wand das Bild, das ich bei unserem Vorbereitungsseminar in Glücksburg gemalt habe. Das Bild zeigt meine Motivation für dieses FÖJ in Tansania; alle meine Hoffnungen, Ziele, Erwartungen und Ängste, in Wasserfarben festgehalten für die Ewigkeit. Zwischen bunten Frage- und Ausrufezeichen ein bleistiftgekritzeltes Etwas, das einen Moskito darstellen soll; ein Symbol für alle schlimmen Krankheiten, von denen ich wusste, dass ich sie in Tansania bekommen könnte: Malaria, HIV, Hepatitis C, Würmer,…Ich fühle mich irgendwie veräppelt. Der Malariatest, den ich heute Morgen im Krankenhaus gemacht habe, fiel wie erwartet negativ aus. Eine HIV-Infektion kann ich ausschließen, und auch für Hepatitis oder Würmer gibt es keine Anzeichen. Ich vertrage das Essen gut, trinke nur sauberes Wasser, hatte bis jetzt noch nicht mal einen schlimmen Sonnenbrand. Was mir dann fehlt? Ich bin erkältet. Dar es Salaam hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 27 Grad. Gerade ist September, später Winter also, ich benutze meinen Ventilator noch nicht, decke mich nachts sogar mit einem Bettlaken zu. Trotzdem hab ich nicht dran gedacht, eine Jacke mitzunehmen, als ich letztes Wochenende mit ein paar Freunden zum ersten Mal weggegangen bin. Die „Corner Bar“, in der ich den ersten Konyagi des Abends trank (Billigschnaps mit ca. 35% Alkohol und unbekannten Zutaten, ähnlich einem billigen Wodka-Gin-Gemisch), platziert die Gäste draußen, wie fast jedes Lokal hier. Und der Club, in den wir später weiter zogen, übertrieb es ein bisschen mit der Klimaanlagennutzung. (Wenn man schon zu den wenigen gehört, die Strom haben, muss man ihn schließlich auch verwerten.) Als wir schließlich nach Hause wollten, standen keine Taxis mehr vor der Tür; zum Glück hat uns ein Pickup auf der Ladefläche bis zum nächsten Taxistand mitgenommen. In dem Moment war der Fahrtwind toll. Und am Sonntagmorgen hatte ich keine Stimme mehr. Wegen Müdigkeit und Schwindel musste ich dann montags schon mittags den Rathausempfang verlassen, den ich im Namen von TASEA besucht hatte. Seitdem liege ich im Bett, höre Musik, schaue meine neue Harry-Potter-DVD (aber das Thema DVDs in Tansania hebe ich mir für einen anderen Newsletter auf), lutsche Halsbonbons und putze mir ständig die Nase. „Geh lieber mal ins Krankenhaus, vielleicht ist es ja was Ernstes“, hat Hannah mir geraten, die gerade aus Sansibar zu Besuch ist – um in Dar zum Arzt zu gehen. „Manchmal kündigt sich Malaria durch solche Erkältungssymptome an.“ Also machte ich mich auf den Weg zum „Maria Stopes Hospital“ eine Straße weiter. Die Empfangsdame nahm meine Personalien auf und schickte mich zum Bezahlen der Registrierungsgebühr an einen Schalter. Die Frau dahinter nahm meine 3.000 Shillingi (2 Euro) in Empfang und verwies mich an Zimmer 6; auf dem Weg dahin holte mich die Empfangsdame ein und führte mich zu Zimmer 3. Nach etwa einer halben Stunde waren die Wartestühle um mich herum leer, ich trat ein. Der Arzt konnte zum Glück gut Englisch, befragte mich nach meinen Symptomen, notierte ein paar Sachen in meine Akte und schickte mich zum Bezahlschalter zurück; anschließend sollte ich zum Malariatest. Dort wartete ich wieder ein bisschen, wurde hereingerufen, in den Finger gepiekst, herausgeführt und wartete wieder, bis eine Schwester mir den Ergebniszettel in die Hand drückte. Mit dem ging ich zurück zu Zimmer 3, wo mittlerweile eine Ärztin saß, die, als sie das negative Testergebnis sah, mir die gleichen Fragen stellte wie der Arzt am Anfang. Schließlich erklärte sie: „Ich werde das als eine Infektion der oberen Atemwege behandeln. “ Mit dem letzten Zettel des Tages schickte sie mich wieder bezahlen, dann nebenan die bezahlte Medizin abholen. Zu Hause identifizierte ich diese als Hustensaft, Antibiotikum und Mittel gegen allergisches Asthma. Von dem Hustensaft nehme ich nur dreimal täglich zwei Löffel, wie es in der Packungsbeilage steht, und nicht, wie die Ärztin mir verschrieben hat, dreimal zehn. Das Antiallergikum beschränke ich auf eine statt zwei Tabletten täglich (die empfohlene Menge laut Packung ist eine, maximal erlaubt zwei), und das Antibiotikum (von dem ich drei Tabletten nehmen soll, 1.500 mg täglich) lasse ich erst mal ganz weg. Trotzdem ist das immer noch mehr, als ich jemals zuvor in meinem Leben gegen eine Erkältung unternommen habe. Aber ich bin hier ja auch in Tansania, dem Land der gefährlichen Krankheiten. |