Da unser Chef in Deutschland ist, haben Tobi und ich nicht ganz so viel zu tun und lernen kochen. Der Trick ist es, möglichst viel Fett im Essen zu verstecken. Das hat sich die tansanische Regierung so ausgedacht, damit sie auch ja keine Renten zahlen muss (wer nicht an Malaria stirbt, der stirbt an Bluthochdruck – das ist kein Witz). Hier also ein paar Rezepte: Disclaimer: Dieses Kochbuch bedient sich der Ironie. Es wird deswegen pauschalisiert und auch an nicht überprüfbaren Beschuldigungen an die Obrigkeit nicht gespart. Der Leser möge diese Masslosigkeiten nicht der DTP, sondern allein dem Autor zur Last legen. Es heisst allerdings, dieser habe sich nach Tansania abgesetzt. Die Rezepte funktionieren alle wirklich, allerdings wird keine Haftung für Schäden, vor allem durch Fett verursachte Schäden wie Verbrennungen oder Figurschäden übernommen. ChapatiChapati sind gebratene Blätterteigfladen / eierlose Pfannkuchen, die man vor allem zum Tee, aber auch als Beilage zu Hauptmahlzeiten isst. Man nehme 1 kg Weizenmehl, 200ml abgekochtes Pflanzenöl, etwas Salz + Zucker (1 EL jeweils). Mehl, Salz, Zucker und 1/3 des Öls werden vermischt, woraufhin unter Zugabe von warmen Wasser ein Teig geruehrt wird (mit den Händen, nicht mit dem Rührgerät). Solange Wasser hinzugeben, bis der Teig eine klebrig-feucht-fettige Konsistenz erreicht hat. Schliesslich werden kleine Ballen geformt, ca. 5cm Durchmesser; als Grössenmass kann man Teig durch die Faust drücken. Diese Ballen werden dann zu ungefähr 20cm Durchmesser ausgerollt und mit Öl bestrichen. Der entstandene Fladen wird von beiden Seiten zusammengerollt: Die entstandene Schnecke wird an beiden Enden gepackt und in die Länge gezogen. An beiden Enden festhalten, und mehrmals auf eine feste Unterlage schleudern. Dann zu einer Art Schneckennudel zusammenwickeln und mit dem Ende schliessen: Nun erneut ausrollen, diesmal auf ca. 30cm Durchmesser. Der entsehedende Fladen sollte ca. 3-5mm dick sein. Dieser Fladen wird dann in eine heisse Pfanne gelegt; nachdem er getrocknet (aber noch nicht dunkel) ist, wird er gewendet und auf der bereits angebratenen Seite mit Öl bestrichen. Sobald auch die andere Seite trocken ist, wird er erneut gewendet und mit Öl bestrichen. Fertig ist das Chapati, wenn es auf beiden Seiten einmal kurz ohne und etwas länger mit Öl gebraten wurde, so dass es eine schöne hellbraune Farbe hat. Es sollte kein Fett mehr sichtbar sein, darum heisst es ja Fett „verstecken“. Einwickeln in Zeitungspapier enttarnt den leckeren Figurkiller. Gut ist, wer es schafft, mehrere Chapati auf einmal in einer Pfanne zu braten; ein ausgefeiltes Wendesystem lässt tansanische Expertinnen bis zu 5 Chapati auf einem Stoss braten. Chapati schmecken ausgezeichnet mit Bohnen: Bohnen à la kitanzaniaAuch dieses Rezept enthält Einflüsse der tansanischen Regierung. Natürlich geht es wieder darum, möglichst viel Fett im Essen zu verstecken; des weiteren ist die Regierung aber daran interessiert, die Frauen möglichst lange in der Küche zu fesseln. Sonst könnten diese ja anfangen zu denken, und dann könnte es für einige Herren unangenehm werden. Also isst Mann Bohnen, und das Weib ist ab 3 Uhr folgendermassen beschäftigt: Bohnen (1 Sado – traditionelles Mengenmass mit freundlicher Unterstützung von Sadolin – Colour your world – reicht für eine Woche) werden gekocht, bis weich. (Kann mit Dreisteinfeuer und selbst mit Energiesparofen durchaus dauern.) Öl bis zu einer Höhe von 0.5 – 1cm in kleinen Topf füllen und Zwiebeln sowie geriebene Möhren darin frittieren, bis die Zwiebeln braun geworden sind. Die Bohnen, etwas Wasser und evtl. etwas grünen Paprika hinzugeben Würzen (Mit Sansibar als Gewürzinsel vor der Haustür ist der Fantasie keine Grenze gesetzt. Doch leider limitiert der Geldbeutel, und 95% der Bohnen, die ich bisher hier gegessen habe, waren nur mit Salz gewürzt.)[br] [br][br] Sambusa In dieser ihrer kunstvollsten Manifestation offenbart die tansanische Küche auf drastischte Weise erneut ihre beiden Grundmotive: Zeitintensität (damit die Frauen nicht denken) und Liebe zum Fett (damit keine Renten gezahlt werden müssen). Sambusa sind kleine Fleischtaschen, die von gesetzten Herren in Bars zum 9-Uhr-Tee gegessen werden, während sich Frau und Kinder um 6 mit Uji (Maismehl-Wasser-Sosse) zufrieden geben mussten. Wer viel Zeit hat, kann sich an folgendem Rezept versuchen: Zutaten: 1 kg Fleisch (Rind) reicht für gut 50 Sambusa. 6 Karotten 4 Pepperonischoten 600g Zwiebeln 500g Mehl Gewürze 1. Das Fleisch vom Metzger mit den Karotten und den Pepperoni durch den Fleischwolf drehen lassen 2. Mit Salz und evtl. Pfeffer und Curry ohne Wasser kochen, bis durch. 3. Zwiebeln so klein wie möglich hacken, mit etwas Salz aber ohne Wasser kochen, bis noch knackig, aber nicht mehr roh. 4. Fleisch und Zwiebeln vermischen 5. Mehl, Salz und warmes Wasser zu einem Teig von elastischer, aber leicht klebriger Konsistenz formen. 6. Ballen von ca. 3cm Durchmesser formen 7. Zu runden Fladen ausrollen, auf ca. 3-5mm Dicke 8. Auf einer Seite mit Öl bestreichen; 4 solche Fladen übereinander legen 9. Solch ein Stapel erneut zu einem runden Fladen ausrollen, auf zu einer Super-Fladen von 30 oder mehr cm Durchmesser 10. Diesen Super-Fladen auf ein heisses Blech legen, leicht anbraten; wenden, die oberste Schicht abziehen, wenden usw. Die vier ursprünglichen Fladen sollten jetzt sehr, sehr dünn sein. 11. Jeder dieser vier Fläden wird zu einem Viertelkreis gefaltet, wieder aufgefaltet, und entlang der Flaltlinien geschnitten, so dass Viertelfläden entstehen. 12. Einen Lehm aus Wasser und Mehl herstellen 13. Die Viertelfläden zu Taschen falten und mit dem Lehm zukleben: 14. Mit dem Fleisch fuellen 15. Schliessen und mit dem Lehm zukleben 16. In einem Wok, oder jedenfalls so etwas ähnlichem, Öl erhitzen 17. Die Sambusa frittieren. Zu guter Letzt aber, liebe Freunde der tansansichen Küche, bieten wir Ihnen die Auflösung auf die oft gestellte Frage: Was ist eigentlich UGALIUGALI ist kurz für United Girls Africa Liberation. Von feministischen Geheimdiensten gegen den Willen der Regierung fest im Ernährungsprogramm verankert, hilft UGALI beim empowerment des starken Geschlechts. In 15 Minuten ist er gekocht, völlig fettfrei, und der Kochprozess geht mit erheblichem Muskeltraining einher: 1. Wasser mit etwas Maismehl zum Kochen bringen 2. Weiteres Maismehl hinzugeben, rühren, rühren, rühren – immer von innen nach aussen. 3. Wenn ein sehr fester Brei entstanden ist, diesen ein wenig dampfen lassen. 4. Ugali wird geschnitten und mit der Hand gegessen, zusammen mit Bohnen, Fleisch, Gemüse, Fisch... Alice Schwarzer und ihre Schwestern im Kampfe dürfte es freuen zu hören, dass UGALI, nicht etwas Chapati oder Sambusa, Hauptnahrungsmittel der Tansanier ist. Das war es auch schon wieder von mir, denn aber morgen beschäftigen sich Tobi und ich wieder nicht mit der Soft- sondern mit der Hardware des Kochens: Lässt sich der Rocket-Laurena-Stove noch effizienter gestalten? Gibt es in Mwanza Potential für Biogas? Wieso taugen Solarkocher nichts? Und: welchen Effekt hat eigentlich Solarenergie auf die Arbeitslast der Frauen? Doch sollte unser Projekt PRET wieder einmal pausieren, haben wir auch wieder Zeit für Themen wie: Festtagsküche: Wieso ist das Swahili-Wort für Bierbauch so verdammt eng mit dem Wort für Spaghetti / Nudelbrei verwandt (kitambi, tambi)? Küchenmöbel: Der Stuhl, mit dem man Kokosnüsse ausschaben kann Stammesküche: 100 den Massai bekannte Arten, Milch nicht abzukochen oder Fleisch so gut wie roh zu essen. Bis dahin viel Spass und guten Appetit! |