weltwärts Kleines Chaos in Matadi
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Und warum diese Praesentation trotzdem erfolgreich war

Neulich fuhren Eva, meine Teampartnerin, unser Fundi (= Handwerker oder Fachmann; hier: Solarelektriker) Frank und ich nach Matadi, ein Dorf westlich des Kilimanjaros, um den Einwohnern das Funktionieren von Solar Home Systems zu erklären und für das kleine Solarunternehmen, bei dem wir arbeiten, zu werben.

Nach Absprache mit dem Dorfvorsitzenden durften wir unsere Präsentation innerhalb einer regulär stattfindenden Dorfversammlung abhalten. Aufgeregt, da unser tansanischer Chef, der bei den bisherigen Vorstellungen den Hauptteil der Erklärungen übernommen hatte, diesmal nicht dabei war, kamen wir in Matadi an.

matadi_1.jpgWir bauten vor den neugierigen bis prüfenden Augen der schon anwesenden Dörfler unser Demonstrationsbord mit Solar-Panel, Lampe, Laderegler und Batterie auf und hatten nach einer kurzen Begrüßung des Vorsitzenden die Ehre den Anfang zu machen.Unsere Einleitung und die Erläuterung der einzelnen Bestandteile des Solarsystems liefen recht gut. Mitten in der Ausführung über die grenzenlosen Vorteile von Solarenergie flüsterte mir jedoch der Vorsitzende entschuldigend ins Ohr, die offiziellen Gäste der Regierung des Districts und einer NGO seien jetzt gekommen, wir sollten uns einen Moment gedulden und später fortfahren.

Im Laufe der folgenden Reden der (Nicht-)Regierungsvertreter wurde klar wie wichtig diese für das Dorf waren, da sie ihm einen Scheck über dreißig Millionen Shillingi (etwas 19 000 Euro) für den Bau einer Grundschule überreichten. Nachdem die Gäste sich verabschiedet hatten wurden wir gebeten unsere Vorstellung fortzusetzen. Eva und ich hatten, ganz wild auf Arbeit, die meisten Erklärungen unter uns aufgeteilt und den Anwesenden zu ihrer Erheiterung in einem wohl doch verständlichen, aber lange nicht perfektem Kiswahili unterbreitet. Unser Fundi Frank hatte die Aufgabe eine kurze Zusammenfassung unser Ausführungen zu machen und Fragen der Dörfler zu beantworten. Da seine Zusammenfassung jedoch zu einer recht ausschweifenden Wiederholung unserer Worte geriet, wurde er, noch bevor er Fragen überhaupt gestellt wurden, erneut vom Vorsitzenden unterbrochen, um das Treffen offiziell zu beenden.

matadi_2.jpgAls danach dann noch Platz für Fragen war, begingen Eva und ich den Fehler an einzelne Personen, die es eilig hatten, schon die Broschüren auszuteilen, die wir schon länger in den Händen hielten und die wegen ihrer auffällig gelben Farbe Aufmerksamkeit geweckt hatten. Als die anderen Leute das sahen, gab es kein Halten mehr und ungeachtet der Erläuterungen Franks, welche im nachfolgenden Gedränge etwas untergingen, kamen alle zu uns um noch eins der begehrten Papiere zu ergattern. Ein kleines Chaos also und eine durchaus verbesserungsfähige Performance. Trotzdem waren wir mit dem Ergebnis dieser Präsentation, da nach der offiziellen Beendigung durch Frank noch viele Leute zu uns kamen, uns persönlich weitere Fragen stellten, ihr Interesse an Solarenergie ausdrückten und uns versicherten, bald zu kommen und ein System zu erwerben. Da wir danach auch noch eine Soda von einem Interessierten ausgegeben bekamen, fuhren wir glücklich nach Hause und leben mit Sonnenenergie und Coca Cola bis an unser Lebensende… oder wenigstens bis zum Ende unseres FÖJs.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. März 2008 um 17:16 Uhr
 

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