Rhythmische Trommelklänge, bunte Gewänder in exotischen Mustern und Hüftschwünge die sich gewaschen haben- willkommen in Stonetown, Sansibars Hauptstadt im Februar. Jährlich findet hier ein afrikanisches Musikfestival mit vielen Kiswahili Akteuren statt, das lokale Musik verbreiten und internationale Netzwerke aufbauen soll. Und natürlich dem Publikum eine Vorstellung zu bieten, die bis unter die Haut geht. Dieses hat sich folglich auch zahlreich versammelt. „Zanzibar, during festival week, is the only place to be“ heisst es in der Festivalbroschüre. Besonders meine weißen Bekannten aus Dar es Salaam haben es sich zu Herzen genommen und sind schnurstracks mit der Fähre rübergeschunkelt. Angekommen sind wir nur noch wie Grashälme auf einer Wiese, Stonetown scheint zur Hälfte von Weißen bewohnt zu sein. Stonetowns Flair geht dabei aber keineswegs verloren. Eine relativ kleine Stadt mit verwunschenen Gassen, verzierten Holztüren und vielen kulturellen Sehenswürdigkeiten verbindet arabische, afrikanische und europäische Einflüsse auf einem Fleck. Der grösste Teil der muslimischen Gesellschaft, abgesehen von den Tourijägern, hält sich zu dieser Zeit eher im Hintergrund. Die Konzerte finden hauptsächlich im alten Fort und der davor liegenden Wiese an der Küste statt. So sehen wir als erste Vorführung eine Trommelgruppe, die mit um die Hüften gebundenen Kangas eine Geschichte rhythmisch nacherzählt. Bei mir hinterlässt der Auftritt hauptsächlich Verwirrung, da zuerst Pflanzensetzlinge gelegt werden, um die herum ein Kind spielt. Dieses wird imaginär von einer Schlange aus Seilen gebissen, die daraufhin zusammen mit der Pflanze neben ihr ordentlich geprügelt wird. Zum Schluss wird noch ein Feuer auf dem frisch gepflanzten Grünzeug entfacht, das nach kurzer Zeit mit bloßen Händen ausgeklopft wird. Begleitend rufen die Musiker immer wieder Kampfschreie aus. Während die Gruppe mit ihren riesigen Trommeln auf dem Kopf weiterzieht, ist mir die Bedeutung immer noch nicht klar. Vielleicht verbringe ich zu viel Zeit in der Stadt, denke ich mir. Abends wird das Festival offiziell eingeleitet. Die Hauptattraktion ist dabei Bi Kidude, eine international bekannte sansibarische Taarab Sängerin. Ihr Leben wurde verfilmt und dieser den Gästen präsentiert. Auf die Bühne kommt eine kleine, sehr alte Frau mit einem Kanga als Kopftuch und einem als Rock umgewickelt- typisch für sansibarische Frauen. Erst als sie anfängt zu reden zeigt sich die Kraft von dieser zarten Person. Mit rauchiger Stimme lässt die über hundert Jährige ein paar Witze fallen und es scheint, als ob niemand ihr etwas anhaben könnte. Der Film bestätigt dieses Bild und zeigt uns eine Frau, die Massen bewegt hat und trotzdem noch ein sehr einfaches Leben auf dem Dorf führt- abgesehen von ihrem Bier und Zigarettenkonsum.. Ein Duett von einer Schwedin und einem Senegalesen regte zum ersten Mal zum Tanzen an, wozu aber leider kein Platz war. Die Menge wurde vom Senegalesen locker mit einem „Jambo“ begrüßt, die vereinfachte Version von der konjugationsabhängigen Begrüßung (hier wäre Hamjambo die richtige gewesen), die komischerweise den meisten Besuchern vermittelt wird. Das senegalesische Instrument war mir unbekannt und wirkte wie ein Kessel brodelnder heller Töne, schier unerschöpflich. Die Melodie hell und fröhlich, bunt wie ein bedruckter Kanga und unterlegt von der strukturierenden Geige der Schwedin. Unser Höhepunkt kam jedoch Sonntag abend, nachdem Samstag die Open Air Konzerte buchstäblich ins Wasser fielen. Zusätzlich zu der ohnehin geplanten „Bongo Explosion“, d.h. einer Auswahl an Artists des Kiswahili Hip Hops >Bongo Flava< kamen noch die geplatzen Bongo Flava Auftritte des Vorabends hinzu. Diese Musikrichtung hören die meisten Jugendlichen und auch in den Radiosendern werden die Lieder hoch und runter gespielt, wobei die Melodien zwar nach international gängigem Muster konstruiert werden aber die Kiswahili Texte den besonderen Reiz ausmachen. Das Publikum war eine breite Mischung aus einheimischen und ausländischen Interessierten. Zuerst saß die ganze Gemeinde auf dem Rasenplatz vor der Bühne, gemütlich dem musikalischen Treiben folgend. Selbst als Matonya die Bühne betrat, der eines der bekanntesten Lieder gesungen hat, blieb es erst noch ein Sitzkonzert. Ein harter Kern tanzte sich an der Seite schon mal warm, darunter natürlich wir mit einer Horde von tanzwütigen Kindern an den Armen. Darauf folgte MB Dogg, der sich die Sitzgemeinde nicht mehr gefallen ließ und endlich richtige Konzertstimmung aufkommen ließ. Dann hieß es endlich hüpfen, singen, tanzen, lachen- für alle anderen, denn unsere Nachtfähre wartete auf unsere Anwesenheit. Arbeit ging natürlich vor.. In Stonetown wurde die ganze Nacht noch gefeiert. Einen gelungenen Auftritt soll auch der amerikanische Solarexperte für Ostafrika, Mark Hankins gehabt haben. Der mir bekannte seriöse Geschäftsmann soll die Menge mit seinen Kiswahili- Englisch gemischten Liedern noch mal bis zum Äußersten gebracht haben. Jetzt muss nur noch der Solarmarkt folgen. Im Großen und Ganzen war das Festival sehr lokal orientiert und auch durchgehend auf Kiswahili moderiert oder wenigstens übersetzt. Für der Sprache nicht Mächtigen war es etwas härter zu folgen, aber dafür wirkten die Auftritte noch exotischer und mystischer. |