Wenn die Schüler im Mafinga Lutheran Vocational Training Centre ihre 2 bis 3- jährige Ausbildung abschliessen, muss das natuerlich auch gebuehrend gefeiert werden. Eltern, Lehrer, Schueler und Pastoren finden sich in der Schule ein, um einen Samstag den Jugendlichen zu gratulieren und sie in die Zukunft zu entlassen. Wenn die Schueler im Mafinga Lutheran Vocational Training Centre ihre 2 bis 3- jaehrige Ausbildung abschliessen, muss das natuerlich auch gebuehrend gefeiert werden. Eltern, Lehrer, Schueler und Pastoren finden sich in der Schule ein, um einen Samstag den Jugendlichen zu gratulieren und sie in die Zukunft zu entlassen. Da im Rahmen der Feier auch eine Ausstellung ueber die in der Schule hergestellten Produkte, unter anderem aus dem erneuerbare Energien Sektor, stattfindet, haben wir aus Dar es Salaam die Chance genutzt, um bei dem Anlass die Tanzania Solar Energy Association (TASEA) vorzustellen. Nebenbei ist die Fahrt aufs Land zu den dortigen Voluntaeren Nils und Lena auch eine willkommene Abwechslung zur 3- Millionen Stadt, deren Geraeuschpegel selbst in der Nacht nicht sinken will. Nach einer etwa 8- stündigen Fahrt mit faszinierender Aussicht (die Strasse fuehrt durch einen Nationalpark mit Elefanten, Giraffen und Zebras), kommen wir in dem kleinen Dorf Mafinga suedwestlich von Dar es Salaam an. Nur noch eine halbe Stunde ueber Felder und Waldlandschaft wandern, bis dann auch schon das Schulgelaende erreicht ist. Am naechsten Morgen wird fleissig vorbereitet und dekoriert. Ein grosses Partyzelt wurde zu diesem Zweck auf einem kleinen Platz an der Schule aufgestellt und mit Musikanlage, Lichterketten und Baenken ausgestattet; die Luftschlangen werden durch buntes Klopapier ersetzt. An Kreativitaet mangelt es nicht...
Waehrend Nils noch schnell Trompete fuer das 4-Mann Orchester uebt, helfen wir den Ausstellungsraum zu einem solchen umzuraeumen. Schon nach nur fast 2 Stunden Verspaetung wird die Veranstaltung durch den Einmarsch aller mit der Schule zusammenhaengenden Menschen eingeleitet. Als erster Programmpunkt steht der Gottesdienst auf dem Plan. Neben gemeinsamem Singen, Tanzvorstellungen und Beten werden auch ordentlich Reden geschwungen, die noch nach dem Gottesdienst froehlich weitergefuehrt werden. Besonders auffaellig sind die dabei behandelten Themen, die teilweise doch sehr von dem Inhalt einer zu einem solchen Anlass gehaltenen Rede in Deutschland abweichen. Soweit ich diese auf Kiswahili verstehen konnte, wurde mehrmals die Krankheit AIDS angesprochen und den Schuelern von sexuellen Aktivitaeten vor der Ehe abgeraten- waehrend der Schulzeit wuerde das aufgrund eines Verbotes von Liebesbeziehungen (die Schueler sind im Durchschnitt um die 20) ja eh niemandem in den Sinn kommen. Wenn man doch infiziert wird - so wird nuechtern festgestellt-, wird man frueher oder spaeter leiden und sterben und alles verlieren, was man bis dahin erreicht hat. Auch der weitere Werdegang der Absolventen wird thematisiert. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit wirken die Reden wie ein Motivationstraining, das Durchhaltevermoegen und Glauben an sich selbst vermitteln soll, bis endlich ein Job gefunden wird. Faulheit und Luegen werden als groesste Laster bei der Jobsuche angeprangert und die Schueler werden dazu aufgerufen, ihre Bildung zu nutzen. Es entsteht der Eindruck, dass Arbeitslosigkeit nur durch einen selbst bedingt ist, obwohl die Rahmenbedingungen durch eine geringe Anzahl von verfuegbaren Jobs nicht gerade viel Platz fuer eigene Profilierung bieten. Aber diese Aussicht sollte man frisch gebackenen Absolventen vielleicht nicht als erstes mit auf den Weg geben. Zusätzlich wird den Schuelern fuer die Finanzierung von weiteren Studien (fuer die meisten Tansanier ein teures Unterfangen) noch die Moeglichkeit eines Kredites von der Regierung geboten. Unser tansanischer FOEJler schuettelt daraufhin nur verbittert den Kopf und erzaehlt mir, dass es sehr schwer ist, da ran zu kommen. Schliesslich wird die ungewisse Zukunft beiseite geschoben und die Gegenwart gefeiert: die Schueler fuehren Taenze auf, bedanken sich bei Lehrern und Eltern und schlagen gleichzeitig noch anzugehende Verbesserungen an der Schule vor. Unter Jubel und Getraellere erhaelt jeder einzelne sein Zeugnis, eine Segnung und wird anschliessen von Verwandten und Bekannten mit Blumenketten und Geschenken ueberhaeuft. Am Ende sehen alle aus wie menschliche Weihnachtbaeume und die Geschenke glitzern so einladend, dass ich grummelig an meine nach anderthalb Monaten immer noch nicht eingetroffenen Geburtstagspakete denken muss. Anschliessend und unter grossem Hunger kommt unser Einsatz im Austellungsraum. Eine Welle von Besuchern laesst sich Solar-Photovoltaik, Energiesparoefen, Biogas und TASEA erklaeren und unser Kiswahili wird ganz schoen auf die Probe gestellt. Bis jetzt mussten wir unsere Arbeit ausfuehrlich nur auf Englisch erklaeren, nun sind uns Haende und Fuesse recht behilflich- dahinter stecken ja auch handfeste Ueberzeugungen. So schnell wie die Besucherflut gekommen ist, ebbt sie auch wieder ab. Das riesige Angebot von dem Festessen Pilau lockt alle Besucher in einen grossen Klassenraum und es wird gemeinsam geschlemmt. Auch wir geniessen das nach langem Sitzen und Konzentrieren erhaeltliche Essen und sind selbst mit vollen Baeuchen ganz schoen geschafft. Deshalb lassen wir den Tag in gemuetlicher kleiner Runde im Haus von Nils und Lena abklingen und tauschen Erfahrungen und Plaene aus. Die beiden widmen sich jetzt vor allem dem Bau einer Windanlage und dem Anbau von Jatropha, aus dessen Samen sich Oel und damit auch Biodiesel herstellen laesst. Und so gehts fuer Fred und mich am naechsten Tag wieder zurueck zu der mit Palmen gespickten Stadt, in der aufgrund des unsicheren Stromnetzes erneuerbare Energien auch immer interessanter werden. Ohne Strom muessten wir schliesslich auf die allnaechtliche Barmusik in unserem Viertel verzichten..
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