Noch in Deutschland war die Vorstellung an die Eingewöhnung an die tansanische Kultur recht problematisch, verbirgt sich doch ein Monsterteil des Eisberges unter Wasser. Doch Dank intensiver Vorbereitung und zahlreichen Warm-ups verlief die Anpassung relativ fließend, der Kulturschock blieb bis heute aus. Dachte ich, während ich mir meine Turnschuhe zuschnürte und aufs Spielfeld lief. Fußball ist Nationalsport in Tansania und als begeisterte Spielerin freute ich mich auf die Fortsetzung meines Hobbys während des ökologischen Jahres. Der Schock kam beim ersten Spiel in der unbekannten Universitätsmannschaft mit nur Fred und mir als Neulingen.
Anstoß, Fragezeichen. Wo ist die weiße Kugel, die jeder so begehrt, denn jetzt schon wieder? Mir ist, als wenn jemand auf Vorspulen gedrückt hätte, ich den Absprung aber leider verpasst habe. Oder der Ball ist einfach in einem der zahlreichen Löcher verschwunden, die man auf teilweise knöchelhohem Rasen so leicht übersieht. Das Spiel läuft ohne uns, wir sind in unserer Verwirrung gezwungen zu beobachten, um zu reagieren. Auch außerhalb des Fußballs ist das unsere Taktik und die Eindrücke wollen gar nicht aufhören, einzuwirken. Die ungewohnten Umgangsformen katapultieren uns zunächst an den Spielfeldrand.
Aus meiner Perspektive sind Positionen Fremdwörter und meine bekannten Laufwege wertlos. Zur Sicherheit wird lieber noch mal ein Rückpass gespielt, sonst könnte der Ball noch die Mittellinie überschreiten. Auch eine Art, Abseits zu umgehen. Ab durch die Mitte gegen drei Verteidiger ist kein Grund den Ball abzugeben sondern eine Herausforderung für den Ballbesitzenden. Der ich jetzt auch mal werden will.
Also kämpf ich mich ins Spiel, erst einmal um den Ball selber zu ergattern, und ihn später sogar zugepasst zu bekommen. Auch bin ich auf dem Platz von „mzungu“(=Weißer), zu „wanamke“ (=Frau) aufgestiegen- das ist ja fast schon wie in Deutschland… Während sich ein Zusammenspiel entwickelt, beide Seiten ihre Stärken zeigen und Tore fallen, kommen so langsam erste Erkenntnisse. Es werden möglichst viele Spieler auf dem überfüllten Platz in das Spiel miteinbezogen und ins Tor wird, meist unglaublich gekonnt, gedribbelt- denn Tore sind ein netter Nebeneffekt, aber die Schönheit der Spielweise ist bedeutend wichtiger. So wurde uns auch die tansanische Kultur vorgestellt, mit sozialen Beziehungen im Mittelpunkt und Ambitionen anschließend. Als der Himmel sich schon rosa färbt und der Schlusspfiff ertönt, bleiben uns viele Dinge immer noch rätselhaft, andere sind faszinierend. Und wir werden herzlich Willkommen zum nächsten Spiel geheißen- man lernt ja nie aus.
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