Solarenergie in der nordtansanischen Massaisteppe Gerade einmal vier Wochen bin ich in Tansania, und doch habe ich schon sehr verschiedene Teile des Landes gesehen und sehr verschiedene Tansanier kennen gelernt. An dieser Stelle möchte ich von meiner ersten Dienstreise berichten, die geradewegs ins Nichts führte - und davor kurz das Projekt vorstellen, an dem ich arbeite. Also zuerst zum Projekt: Ich arbeite an einem von der GTZ ins Leben gerufenem, aber unabhängigem Projekt namens PRET (Promotion of Renewable Energies in Tanzania). An PRET sind ausser einem deutschen Langzeitbetreuer noch mehrere tansanische NGOs, so zum Beispiel TASEA, wo ich angestellt bin, beteiligt. Die Aktivität des Projekts fokusiert sich vor allem auf die Förderung von Solarenergie / Photovoltaik und die Förderung der hier sehr beliebten Energiesparöfen für das Kochen mit Holz oder Holzkohle. In Bezug auf Solarenergie ist es die Strategie das Projektes, die in den Städten vorhandenen Händler von (qualitativ überzeugenden) Solar Home Systems und potentielle Kunden in ländlichen Gebieten zusammenzubringen. Dazu führt PRET Marktstudien und Informationsveranstaltungen durch und unterstützt Spargenossenschaften und andere Gruppen von Leuten, die an Solar interessiert sind, es sich aber nicht leisten können, mit Know-How über Finanzierungsmechanismen und selten auch mit Krediten (an Institutionen). Wenn möglich arbeitet PRET mit lokal vorhanden NGOs zusammen, die dann zu "Service Providern" werden.
Meine Aufgaben im Projekt haben sich nach zwei Wochen noch nicht vollkommen herauskristallisiert; klar ist, dass Tobias, meinem Mit-Freiwilligen, und mir koordinative Aufgaben zufallen, da wir die einzigen Vollzeitangestellten des Projets sind; des Weiteren werden wir selbst Umfragen durchführen, installierte Systeme überprüfen und Informationsmaterialien entwerfen.
Letzte Woche fand nun eine Reise in einige unsere Zielgebiete statt, die ich begleiten durfte. Ein Lokalpolitiker des Simanjiro-Distrikts, mitten in den gänzlich abgeschnittenen Massai-Steppen, hatte uns kontaktiert, mit einer Liste von Leuten, die an Solar interessiert seien. Es wurde ein Team zusammengestellt, bestehend aus zwei Consultants, dem Projektfahrer Japhet (der auch mein Gastvater ist) und uns beiden Freiwilligen, welches die Lage überprüfen sollte. Begleitet wurden wir von einem Team des Solarhändlers SWIFT Holdings. Nach acht Stunden Fahrt oder nicht ganz 200 km (!) waren wir also mitten im Nichts - in Orkesumet, der künstlichen Hauptstadt des Distrikts, umgeben von Busch, ohne Strom, fliessendem Wasser, Einkaufs- und Kommunikationsmöglichkeiten... Nachdem wir uns am ersten Tag von allen bedeutenden und unbedeutenden Lokalpolitikern Go-Ahead geholt hatten (eine Prozedur, die sich hinzog - die meisten waren äusserst skeptisch, dass sich jemand Solar würde leisten können, mit oder ohne Finanzierungsmechanismen) und dann einer Gruppe von Interessenten Solar vorgestellt hatten, wurde es am zweiten Tag richtig interessant, es ging für einen Teil des Teams auf einen Massai-Viehmarkt, einem Ort, an dem sich äusserst traditionell lebende Menschen versammeln. Nachdem ich aus dem Auto gestiegen war, wurde ich sofort von einer Gruppe Massai umringt - schüchtern und stolz zugleich blickten sie mich an, keiner sagte ein Wort, wir, aus gänzlich verschiedenen Welten kommend, musterten uns für mehrere Minuten. Schliesslich fielen die Begrüssungsworte, und ein zögerliches Gespräch begann (hinderlich war, dass meine Swahilikenntnisse noch am Wachsen, und meine Kimassaikenntnisse nicht vorhanden sind). Mein Ziel war es, zu erfahren, was die Leute über Solar wissen, und ob sie es sich leisten könnten. Natürlich darf man - überall in Afrika, aber bei ungebildeten Menschen stärker als sonst - nicht einfach kommen und Fragen stellen. Doch weil die Leute wissen wollten, wieso ich gekommen war, fiel es leicht, das Gespräch auf Solar zu lenken. "Was ist das?" Manche wussten: Es gibt Licht in der Dunkelheit. Andere waren überrascht zu hören dass man sich Strom (das kennen sie) mit ein paar schwarzen Platten selbst erzeugen kann. "Kennt ihr das?" Manche hatten schon einmal ein SHS gesehen. Aber nur Reiche Leute haben das. "Wollt ihr das?" Ja klar. Vorsichtig kam ich auf den Preis zu sprechen - das kleinste System von SWIFT kostet TSh 215.000, ca. 130 -, und eine Solarlampe mit Panel (die den Massai sehr gefiel) kostet TSh 145.000. "Findet ihr, das ist viel?" Manche gingen weg. Andere meinten: "Nein, das könnten wir uns leisten, kommt nächsten Freitag wieder, dann haben wir das Geld?. Wieder andere zückten einen Geldbündel - hätten wir einen Vorrat an Solarlampen gehabt, wir wären ihn losgeworden. Ich traute meinen Ohren und Augen kaum. Wieso haben diese total einfach lebenden Viehhirten und Bauern so viel Geld - Ich fand eine Erklärung: Eine Familie von 30-40 Massai besitzt 1000-2000 Kühe, oder ein paar Maisfeder und 10-50 Kühe; ausserdem ist gerade Erntezeit. Die Menschen haben aber keine Möglichkeit, ihr Geld sinnvoll auszugeben, und es gibt auch keine Banken - so sammelt es sich eben an, wenn es nicht versoffen wird.
Das zweite Team hatte in den Dörfern, die es an diesem Tag besucht hatte, eine noch viel höhere (und auch konkretere) Nachfrage angetroffen, sowohl von Leuten, die sich sofort ein System hätten leisten können, als auch von Leuten, die an Finanzierungsmechanismen interessiert waren. Unsere Experten waren genau so überrascht wie wir, und um das Vorhandensein von Kapital nach der Erntezeit auszunutzen, legten wir einen Sofort-Plan zurecht: Heute, eine Woche danach, begann ein Training für Jugendliche in der Region, die zu Fundis (Handwerkern) ausgebildet werden; ab übermorgen lernen sie praktisch, indem sie (unter Überwachung eines Elektrikers) verkaufte Solarsystem in 6 Dörfern installieren. Nachdem jedes Dorf einmal besucht wurde, komme ich wieder dazu, befrage die Käufer, was für Erfahrungen sie in dieser einen Woche gemach haben und gehe meine Checkliste durch, während die Fundis in jedem Dorf eine zweite Runde drehen. Es geht also bald wieder ins Nichts, diesmal alleine und mit Verantwortung.
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