weltwärts Das Aids-Spiel
Das Aids-Spiel Drucken

Im Hof spielen ein paar Mädchen "Mchezo wa ukimwi" - das Aids-Spiel. Bei diesem Kartenspiel wird eine Karte zum Aids-Virus bestimmt. Wer den Virus hat, muss ihn an einen Mitspieler weitergeben, ist geheilt und darf weiterspielen. In der Realität ist das leider nicht so. Circa ein Drittel der Bewohner Dar es Salaams sind mit dem tödlichen Virus infiziert. Deshalb geht meine Freundin Rachel zum Aids-Test.

Der ist im Angaza-Centre in Dar es Salaam kostenlos. Das Wartezimmer ist immer voll mit Menschen jeden Alters. "Meine Freundinnen, mit denen ich den Test machen wollte, sind beide 18 und haben einen Freund. Ich habe noch keinen Freund.", erzählt die 16-jährige Rachel.

"Wir sind freiwillig hingegangen, weil wir über unsere Gesundheit Bescheid wissen wollten. Aber schließlich habe nur ich den Test gemacht. Meine Freundinnen hatten Angst. Ich habe ihnen gesagt, sie sollen noch einmal hingehen - jede mit ihrem Freund. Aber ich weiß nicht, ob sie sich das trauen."

Rachels Test war negativ und stolz trägt sie ihr T-Shirt, auf dem steht: "Ich war im Angaza-Centre. Und du?" Neugierig geworden fahre auch ich zum Testen in die Stadt - vorbei an der großen Salama-Condoms-("Sicher"-Kondome)-Plakatwand und mehreren NGOs, die Jugendliche ueber HIV aufklaeren. Bevor mir Blut abgenommen wird, erzählt mir die Krankenschwester, wie ich mich vor Aids schützen kann und was ich im Fall einer Infektion tun soll.

Während wir auf das Ergebnis warten, unterhalte ich mich mit einer etwa 40-jährigen Frau. Sie ist Mutter von 3 Kindern; das Älteste ist wie ich 20. Ob sie Angst vor dem Ergebnis habe? "Sehr." Als ich, nachdem jeder sein Ergebnis bekommen hat, am Ausgang mein T-Shirt abhole, geht sie zurück ins Wartezimmer. Auf ihrem Gesicht ist ein leerer Ausdruck.

Ich sehe ihr fassungslos nach. Später erinnere ich mich, dass die Krankenschwester sagte, die Aids-behandelnden Medikamente würden von der Regierung kostenlos bereitgestellt. Ich hoffe es.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. März 2008 um 16:56 Uhr
 

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