Nein, ich war nicht immer glücklich. Es gab sie. Die Momente, in denen ich mich zurück gewünscht habe. Nach Europa, Deutschland, Schweinfurt, in mein Zimmer, zu meinen Freunden, meiner Familie. Die Morgende, an denen der Tag so lang und schwer schien, dass ich am liebsten gar nicht aus dem Haus gehen wollte. Ich sehnte mich nach dem einfachen Leben zu Hause, wo jeder meiner Sprache spricht, mir keiner wegen meiner Hautfarbe Aufmerksamkeit schenkt und mir niemand eine Sonderrolle zuweist. Wo ich eine bin unter vielen, und trotzdem geborgen im vertrauten Umfeld.
Ich begann mich zu fragen, wer ich eigentlich bin. Selbst nach einigen Monaten war alles noch so neu, aufregend und verwirrend, dass ich Angst hatte mich selbst zu verlieren.
"Was", dachte ich, "ist überhaupt meine eigene Identität?" Was ist das, das mich zu Lena macht? Bin ich nur eine Summe von Gewohnheiten und kulturellen Einflüssen ohne persönlichen Kern? Heute und nach langem Nachdenken glaube ich, dass die Seele eines jeden Menschen unsichtbar ist. Sichtbar für uns wird sie durch Freunde, Familie, gemeinsame Erlebnisse. Das passiert meist in der eigenen Kultur.
Aber natürlich habe ich auch in Tansania Freunde gefunden. An die und an meine Freunde in Deutschland erinnerte ich mich und mir fiel wieder ein, wer ich bin und was mich zu Lena macht. Und was ist das? Tja, das kann ich so einfach nicht erklären. Wer man ist, muss jeder für sich selbst herausfinden. |