Seit September letzten Jahres bin ich mit Frieda am MLVTC, einer Berufsschule in Mafinga. Das so genannte Mafinga Lutheran Vocational Training Centre bietet einen Ausbildungsgang für erneuerbare Energien an, in dessen Abteilung wir nun mithelfen. Unsere Arbeitskollegen sind also die beiden Lehrer für erneuerbare Energien, drei bis vier ausgebildete Arbeiter sowie etwa 20 Schüler des ersten und zweiten Ausbildungsjahres. Unser FÖJ für erneuerbare Energien und Völkerverständigung bedeutet nicht herkömmliche Entwicklungshilfe, wie oftmals geglaubt. Sogenannte Entwicklungshilfe wurde in ganz Afrika schon viel geleistet und damit wenig erreicht. Das liegt meiner Meinung nach meist daran, dass sich Menschen in Deutschland überlegen, was die "arme" Bevölkerung auf dem anderen Kontinent braucht und dann Geschenke schicken, wobei kulturelle oder gesellschaftliche Unterschiede zwischen den Ländern vergessen oder nicht genug bedacht werden.
In der zweiwöchigen Vorbereitung auf unser FÖJ haben wir viel über die Auswirkungen der sogenannten Entwicklungshilfe gesprochen und erfahren, dass von vielen Projekten nach der Abreise der ausländischen Leiter nicht mehr viel übrig bleibt. Die Gespräche auf unserem Seminar gingen so weit, dass bei ein paar von uns irgendwann die Frage aufkam, warum wir dann überhaupt nach Tansania gingen.
Unsere Seminarleiterin hat uns drei gute Gründe ins Gedächtnis gerufen, die ich seitdem nicht mehr vergessen habe:
Wir sind hier für die Völkerverständigung, wir leben hier mit den Menschen Tansanias, wir lernen ihre Sprache, wir zeigen ehrliches Interesse an ihnen und ihrem Land, wir erzählen ihnen von den guten und schlechten Seiten des hier oft so angehimmelten Europas. Wir leben unter ihnen in ihrem Land und sehen, was möglich ist und was nicht, wo man als Deutscher helfen kann und welche Projekte sinnvoll wären. Wir werden Anfang August zurück nach Deutschland reisen und dort als Multiplikatoren dienen, anderen Menschen von unseren Erlebnissen und Gedanken erzählen und somit ein bisschen mehr Wirklichkeit über ein afrikanisches Land in unsere Welt bringen. Wir sind hier, um unsere Begeisterung über erneuerbare Energien weiterzugeben. Wir sind überzeugt, dass erneuerbare Energien ein guter Weg für Tansania und dessen Bevölkerung sind, sowohl im Bezug auf den Erhalt der Umwelt und Ressourcen als auch im Bezug auf eine Erhöhung des Lebensstandards, der durch erneuerbare Energien erreicht werden kann. Gerade erst das Abitur fertig, sind wir allerdings noch lange keine Experten auf dem Gebiet dieser neuen Technologie. Ganz im Gegenteil, hier in Mafinga lerne ich von Lehrern und Arbeitern über die Möglichkeiten und Herstellungen der Produkte für erneuerbare Energien. Die Abteilung steht mit Produktion und Ausbildung komplett auf eigenen Füßen. Wir ersetzen weder Lehrer, noch spenden wir Geld, noch sind wir sonst irgendwie unabdingbar. Die Schule und die erneuerbare Energien Abteilung kommt auch ohne uns aus.
Aber wozu bin ich dann hier? Bin ich auch wertvoll für dieses Land oder bereichere ich mit meinem Aufenthalt nur mich selbst? Solche Fragen kommen mir in schlechteren Zeiten hoch und dann muss Frieda mich manchmal in den Arm nehmen und mir sagen "Wir sind voll sinnvoll!" Und das sind wir auch. Wir haben eine ganz andere Ausbildung genossen und haben einen komplett anderen Hintergrund, mit dem wir Ideen und Probleme betrachten. Wir haben viel Zeit, um uns Gedanken zu zusätzlichen Projekten und sonstigen Arbeiten zu machen, während die Lehrer mit dem Unterricht, die Arbeiter mit der Produktion und die Schüler mit dem Lernen beschäftigt sind. Wir sind begeistert von erneuerbaren Energien und machen uns Gedanken, wie wir der Schule bei Verkauf und Verbreitung dieser neuen Technologie helfen können. Wir machen den Ausbildungsgang bekannt, ob mit einem Artikel in einer Jugendzeitschrift oder durch häufigen Kontakt mit der Dachorganisation für erneuerbare Energien in Tansania, TASEA. Dadurch, dass wir hier eher die Nebenrolle spielen, stellen wir sicher, dass wir den Tansaniern die erneuerbaren Energien nicht überstülpen, sondern sie in ihrer Arbeit unterstützen, weil wir sie gut finden.
Wir sind hier, um die DTP weiter zu verbessern. Die DTP ist noch jung, wir sind erst der zweite Jahrgang von Voluntären, der für ein FÖJ nach Tansania geschickt wird. Wer in einem fremden Land helfen will, muss auch sich und seine Projekte immer wieder kritisch betrachten, damit Fehler erkannt und ausgebessert werden statt nur das eigene Ding durchgezogen wird. Kritik können wir jederzeit an die DTP weitergeben und somit die Projekte verbessern.
Diese drei Gründe begleiten mich durch mein Jahr hier in Tansania oder besser gesagt, in Mafinga. Ich lerne viel, habe viel Spass und hoffe, dem Land auch etwas von mir zu geben. |