Irgendwann, so sagt man, sind sie das alle, Europäer, die in Afrika leben: verbittert, pessimistisch, manche meinen sogar: rassistisch. An der Konfrontation mit extremer Armut liegt es, sagen die einen. An den kulturellen Unterschieden, die anderen. Wieder andere: An der mangelnden Kooperation der Afrikaner, die sich vom Veränderungswillen der Fremden - egal ob Zivi oder Entwicklungshelfer - eher überrumpelt als unterstützt fühlen.Ich glaube, es liegt nur an dem Satz: "Alle Weißen sind reich." Allein schon die Tatsache, dass man hier ist, ist dafür Beweis genug. Stichwort Flugpreis. "Deutschland ist ein Land des Geldes.", ist sich meine Freundin Rachel sicher, obwohl sie noch nie da war. Viel zu teuer. Obdachlose in Europa? Das hören viele Tansanier zum ersten Mal. Nicht verwunderlich, da sie meist nur mit der einigermaßen wohlhabenden, gebildeteten Schicht aus Übersee in Kontakt kommen: Touristen, Freiwillige, Entwicklungshelfer. Dadurch und durch die Tatsache, dass der Lebensstandard in Tansania tatsächlich sehr niedrig ist, entsteht ein ganz spezielles verzerrtes Bild von Europa.
Das macht Jonas, Joschka und mich nicht immer glücklich, wollen wir doch ein ganz normales Leben mitten in der tansanischen Gesellschaft führen. Für Taxifahrer ist man zum Beispiel immer potentieller Kunde. Ein Zischen umgibt mich auf dem Weg zur Bushaltestelle: "Sissster, Taxxxi?" - "Sprich Kiswahili mit mir, außerdem brauche ich kein Taxi." Unglaublich für sie, dass ein Weißer den Bus nimmt. Ich gehe weiter, überhöre Heirats- und ähnliche Anträge. Obwohl ich froh darüber bin, in einem der gastfreundlichsten Länder der Erde zu leben, macht mich meine Sonderrolle von Tag zu Tag wütender. Ich fühle mich weniger reich und fremd als mich Einheimische behandeln. "Bloß nicht verbittern...", wird zu meinem Mantra. Vielleicht kann man die Gleichung "weiß = reich = anders" Schritt für Schritt verändern, hoffe ich und steige in den Bus ein. |