"Hier war eine Weiße vorhin, die hat etwas abgegeben, das Olivia mit nach Deutschland nehmen soll." - "Wer? Wie heißt sie?" - "Den Namen hab ich vergessen." - "Wie sah sie denn aus?" - "Naja, mittelgroß." - "Was hatte sie denn für Haare?" - "Also, die Haare hab ich mir nicht angeguckt." Was sich hier auch in der Regel nicht lohnt, denn bei tansanischen Frauen wechseln die Haare etwa alle zwei Wochen willkürlich zwischen lang und kurz, glatt und lockig, künstlich oder natürlich. Dass das bei uns Europäern etwas beständiger ist, daran muss man sich als Tansanier erstmal gewöhnen.
Für die Tansanier sehen Frieda und ich gleich aus, obwohl sie kurze blonde Haare hat und meine lang und braun sind. Ich reagiere mittlerweile auch auf Friedas Namen, den einige für mich mitbenutzen. Es kann auch leicht passieren, dass, wenn zwei weibliche weiße Gäste an der Schule gesehen werden, diese für uns gehalten werden. Die sehen doch alle gleich aus, die Weißen! Schließlich sind sie alle weiß. Ganz im Gegenteil zu den Schwarzen. "Geh zu dem einen Schalter, da sitzt ein Weißer." - "Ein Weißer, wie ich?" - "Nein, kein Europäer." - "Ach so, du meinst einen Albino?" - "Nein, er ist - wie sagt ihr doch gleich - braun." (Anmerkung für den europäeischen Leser: Gemeint war ein hellhäutiger Schwarzer, der von den Einheimischen dann schon "Weißer" genannt wird).
Aber die Weißen, die sind doch alle weiß. Für uns war das Problem am Anfang dasselbe. Wer sich beim Beschreiben auf Haare festlegt, der kommt damit nicht weit, denn hier sind alle Haare schwarz und krausig und alle Augen braun. Noch immer habe ich Schwierigkeiten damit, Frieda zu erklären, wen ich getroffen habe, wenn ich den Namen der Person nicht mehr weiß (was nicht selten vorkommt bei den komplizierten Namen der Tansanier), und Frieda hat Probleme, zu verstehen, wenn ich unsere Mitmenschen mit Shrek oder Dracula vergleiche. Wenn wir andere beschreiben wollen, greifen wir meist auf gemeinsame Erlebnisse zurück. "Das ist der, der schon in Deutschland war." oder "der, der im Workshop zu mir ankam und mich vollgelabert hat" oder "die Lehrerin, bei der wir ganz am Anfang mal zu Hause waren."
Mittlerweile haben sich solche Probleme durch das Erlernen der Namen wesentlich reduziert. Für uns selbst haben wir uns daran gewöhnt, die Menschen am Gesicht oder an der Kopfform zu erkennen, am Gang oder Bewegungen, bei Gelegenheit auch an der Stimme. Aber einfacher wäre es doch, wenn die Haare unterschiedliche Farben hätten!
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