Die Ferien sollten eigentlich nur bis Mitte Januar gehen. In der zweiten Februarwoche trudelten die letzten Schüler in der Schule ein. Doch damit hatten die Lehrer schon gerechnet. In Tansania wird die Zeit etwas anders gelesen. Wenn man sich, was selten passiert, um eine bestimmte Uhrzeit trifft, dann heißt das nicht, dass man nicht eine oder zwei Stunden zu spät kommen kann. Hin und wieder kann es auch passieren, dass man es gar nicht mehr zu der Verabredung schafft.
Wer auf Reisen geht, der kommt selten zum vereinbarten Datum zurück. Vielleicht hat man das Geld für die Rückreise noch nicht zusammen. Vielleicht hat der Bus eine Panne. Vielleicht trifft man unterwegs noch einen guten Freund und bleibt bei ihm ein paar Tage. Und was immer wieder von den Schülern nach den Ferien zu hören ist: Es gab Probleme zu Hause. Was auch immer ich mir darunter vorstellen soll. Wenn ich morgens zur Arbeit gehe, kann es passieren, dass ich zu spät komme, weil ich unterwegs noch jemanden treffe, mit dem ich kurz oder länger rede. Wenn man jemanden trifft, tauscht man erst einmal Begrüßungen aus, die, je nach dem, wie gut man sein Gegenüber kennt, mehrere Minuten dauern können. Soziales Miteinander ist wichtiger als Pünktlichkeit.
Meine Freuden daran habe ich in jedem Moment, in dem ich mit einem Tansanier rede. Gäste sind immer willkommen. Wenn ich Lust darauf habe, gehe ich zu jemand anderem und setze mich zu ihm. Ich weiß, ich bin immer willkommen, selbst wenn ich nicht schon, wie gewöhnlich, eingeladen werde. Hier ist jeder immer willkommen. Und jeder fühlt sich bei mir willkommen. Das merkt man als Voluntär in Mafinga spätestens, wenn man nach dem Namen der Gäste fragen muss, die abends wie zufällig ins Haus gestolpert kommen.
Wenn es um Arbeit geht, habe ich allerdings manchmal so meine Probleme mit dem lockeren Zeitgefühl meiner Mitmenschen. Wenn ich im Workshop bin und ein paar Schüler nur mit dem Mund arbeiten. Wenn jemand losläuft, um etwas zu holen, und man mit ihm vor einer halben Stunde nicht mehr rechnen kann. Wenn ich aufhöre, daran zu glauben, dass wir mit dem wichtigsten Projekt in diesem Jahr noch anfangen können.
Die Europäer sind das andere Extrem, mit zu viel Bedacht auf Pünktlichkeit, die mittlerweile wichtiger wird als das Miteinander. Vielleicht können wir zusammen einen guten Mittelweg finden, der Menschlichkeit und gute Arbeit, sowie afrikanisches und europäisches Lebensgefühl verbindet. |