"Gibt es bei euch einen Osterhasen?", frage ich, als mich ein Freund einlädt, Ostern bei seiner Familie zu verbringen. Osterhasen gebe es nicht, meint er. "Dafür jede Menge wali (Reis) und die Familie kommt zusammen." Nach 12 Stunden Busfahrt erreichen wir Mbeya, eine Stadt im Südwesten Tansanias. Wir verbringen die Tage in der Innenstadt, die überschaubar ist verglichen mit Dar es Salaam und bei Jones? Familie.Mit 26 Menschen, davon die Hälfte Kinder, um den Tisch im Wohnzimmer ist es so ganz anders als mit meiner winzigen Familie in Deutschland. Die Stimmung ist doch dieselbe. Man sitzt beisammen, isst, erzählt sich Geschichten, ohne eine Rechtfertigung für das Treffen zu brauchen. Familie braucht keine Erklärungen. Sonst gibt es nicht viel, was an Ostern in Deutschland erinnert. Keine bemalten Eier, keine Schokohasen, keine Osternester. Feste werden alle ähnlich gefeiert: Die Kinder bekommen neue Kleider. Der große Moment für sie ist Sonntagmorgen, wenn sie von ihren Müttern hübsch angezogen werden und die Haare geflochten bekommen. Dann geht man in die Kirche - die ich dieses Ostern aber mied, um in dem kleinen Wohnbezirk als Weiße nicht noch mehr Aufregung zu verursachen. Man erinnert sich noch an den wahren Anlass Osterns: Im Fernsehen läuft eine Bibelverfilmung. Jesus spricht Kiswahili - synchronisiert.
Natürlich wird Ostern nur von den 45 % Christen des Landes gefeiert. Ein Drittel der Bevölkerung, die Moslems sind, haben ihre eigenen Feiertage. Als wir das Haus verlassen, sehen wir doch noch Osterhasen. 3 Kaninchen kauern an der Wand. Die bringen aber keine Eier. "Die werden geschlachtet.", meint der Nachbarsjunge. |