Kleider, die ihr nicht mehr braucht, gebt ihr säckeweise in die Altkleidersammlung? Wenn ihr deshalb - wie ich früher - glaubt, arme Afrikaner bekämen sie umsonst, liegt ihr leider falsch. Geschenkt gibt es nichts. Wer vom Kleiderspendenfluss von Nord nach Süd profitiert, könnt ihr im Arte-Film "Ein T-Shirt auf Weltreise" sehen.
Auf den Märkten überall in Tansania sieht man, wie eine ganze Nation Second-Hand kauft und trägt. Auf Wühltischen und unzähligen Kleiderständern hängen die noch schmutzigen Kleider aus Amerika und Europa. Mitumba, wie Kleider aus zweiter Hand hier genannt werden, sind nicht umsonst, aber viel billiger als die meist aus China importierten First-Hand-Klamotten. Was denkt ein Tansanier, der durch den abgestoßenen Rand oder einen Schmutzfleck auf seinem neuen T-Shirt den Vorbesitzer erahnt? Einen Europäer oder Amerikaner, dem dieses T-Shirt wohl einfach nicht mehr gefallen hat? Ein T-Shirt deshalb herzuschenken, wäre hier unvorstellbar.
"Afrika ist der Abfalleimer des Planeten" - denke ich, und freue mich trotzdem über mein schickes Streifen-T-Shirt aus Spanien. Es hat nur ein kleines Loch am Ärmel. Unterscheiden sich Tansanier von uns nun äußerlich nur durch die Hautfarbe, da sie sowieso Mode aus Amerika und Europa tragen - Nein, die eigene tansanische Note gibt es: Jeder möchte hübsch und ordentlich aussehen. Armut produziert keine protestierenden bewusst nachlässig gekleideten Subkulturen. High-heels, Röcke und Blusen mit Blumenmuster tragen die Frauen; die Männer mögen Hemden und für kleine Mädchen gibt es Rüschenkleidchen, die in Deutschland höchstens zur Kommunion getragen werden.
Die traditionelle - auf dem Dorf oft einzige - Frauenkleidung ist aber der Kanga, ein großes Tuch aus buntem Stoff und mit einem Spruch bedruckt. So können Röcke, Blusen oder Hosen, genäht für 5 Euro vom Schneider nebenan, eine Botschaft tragen. Der Rock meiner freiheitsliebenden Freundin Frieda sagt zum Beispiel: Naishi niwezavyo, siishi mtakavyo. (Ich lebe wie ich es kann, nicht wie ihr es wollt.) |