Landschaft zieht vorbei. Büsche, Bäume, trockene Steppe. Im Selous Game Reserve sehen wir Giraffen und Gazellen. Wir haben uns für den Ordinary Train, eine Art Regionalexpress, entschieden, um zu unserem Zwischenseminar nach Sambia zu fahren. Dort werden wir - nach 3 Tagen Reise - auf andere Freiwillige treffen, um Erfahrungen aus dem "Volunteer-Dasein" auszutauschen. Nach der ersten Nacht in den Hochbetten des Zuges herrscht am Morgen Entsetzen: "So kalt" Ich dachte, wir sind in Afrika!?, hört man von den Hitze-verwöhnten aus Dar es Salaam.
Frühstück gibt es im Speisewagen oder von einem der vielen Straßenverkäufer. Oder sollte ich lieber sagen: Zugverkäufer? Die Dörfer sind winzig und bestehen machmal nur aus einigen Lehmhütten. Schon von Weitem sehe ich die Dorfbewohner wie sie mit Eimern und Pappkartons voller Essen und Getränken auf dem Kopf oder unterm Arm angerannt kommen. Der Aufregung nach zu urteilen, die unser Zug verursacht, müssen wir eine wichtige Einkommensquelle sein. Die Verkäufer recken und strecken sich und reichen uns Kokosnüsse, Ananas, Kekse oder Wasser durchs Fenster ins Abteil. Bei allem Luxus: Das Geld sollte man passend haben. Und rechtzeitig zahlen, bevor der Zug wieder abfährt.
In Mbeya im Südwesten Tansanias mieten wir uns ein Daladala bis zur Grenze nach Sambia. Ganz Afrika-Klischee-gemäß will uns der betrunkene Conductor das Visum am liebsten gegen Schmiergeld besorgen. Nach einer Stunde Warten bekommen wir es aber auch zum Normalpreis. Erschöpft schleppen wir uns zum Bahnhof in Nakonde, Sambia. Und sind dort die Attraktion des Tages: Kinder, die vielleicht noch nie einen Weißen gesehen haben, umringen uns bis ein Polizist sie mit dem Stock verjagt. Wir sind verwirrt und atmen erst einmal tief durch, als wir im Zug sitzen.
Wieder zieht die Landschaft an uns vorbei. Eine fast normale Zugfahrt. Ich schaue aus dem Fenster in den Sonnenuntergang. Das Land erscheint mir plötzlich so weit. Weit und breit ist nämlich kein Mensch. Meine Augen entspannen sich; mein Kopf wird angenehm leer; ich denke an - nichts. |