weltwärts Was gibt es Neues? Alles gut!
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Gestern war ich bei Shani, unserer Nachbarin. Sie hat mich eingeladen, zum "kupiga story", zum Geschichtenerzählen, einfach zum Reden. Halb Kiswahili, halb Englisch war unsere Unterhaltung und sehr schön.

Auch wenn es wie das Klischee eines Reisenden klingt, der sein Heimatland schlecht macht: Es gibt hier mehr Herzlichkeit, Gastfreundlichkeit und Freude. Wir mussten nur ein paar mal die Straßen in der Nähe unseres Hauses auf und ab laufen und kamen mit fast allen Nachbarn ins Gespräch.

"Karibu!" - das heißt Willkommen und ist scheinbar das Lieblingswort aller Tansanier. "Karibu" sagt man bei allen Gelegenheiten: "Karibu chakulua", wenn es Essen gibt, "Karibu", wenn man am Stand eines Händlers stehen bleibt, "Karibu", wenn man jemanden daheim besucht oder einfach, wenn man eingeladen ist, sich zu jemandem zu setzen.

wasgibtesneues01.jpgDie meisten Leute scheinen hier unendlich viel Zeit zu haben. In unserer Straße ist ein Friseursalon, in dem es vielleicht 3 Kunden pro Tag gibt - so Joschkas Schätzung. Den Rest des Tages sitzen Suleiman und John also vor ihrem Laden und reden. Vorbeizugehen ohne stehenzubleiben wäre da schon sehr unhöflich. "Karibu!" Wir setzen uns und probieren unser Kiswahili aus. Wann habt ihr das letztes Mal in Deutschland ein freundliches "Willkommen" oder "Komm ´rein" gehört? Ich kann mich nicht mehr erinnern.

wasgibtesneues02.jpgKiswahili ist eine schöne Sprache. In Berlin haben wir die ersten Worte und Sätze gelernt und jetzt klingt es schon richtig vertraut für unsere Ohren. Anfangs fand ich es befremdlich, als ersten Gruß "Habari" zu fragen, was "Neuigkeiten" bedeutet. Im übertragenen Sinne also: "Was gibt es Neues" - Floskelhaft antwortet man darauf mit "Nzuri" - Gut, "Poa" - cool oder "safi" - sauber. Das gleiche wie "Habari" bedeutet die unter Jugendlichen übliche Begrüßung "Mambo". Die Antwort: "Poa".

Ich fragte mich, warum man jeden, den man trifft, nach seinem Befinden fragt und dann noch nicht einmal eine individuelle Antwort bekommt. Jetzt aber, wenn mich zum Beispiel Shani nach deutschen Begrüßungen fragt, finde ich unsere Grußworte seltsam leer: Was bedeutet schon "Hallo" - "Hallo"! Man hat doch noch nicht einmal eine Frage beantwortet. Zu fragen, wie es dem anderen geht, auch wenn die Antwort eine Floskel ist, finde ich jetzt herzlich und anteilnehmend.

Obwohl wir die Kiswahili-Basics verstehen, sind tiefgründige Unterhaltungen natürlich noch nicht möglich. Aber langsam merke ich, was der Trick ist bei Sprachen: Auf Kiswahili redet man über Mangos oder das Wetter, auf Englisch über Politik, auf Deutsch über Eindrücke, Gefühle. Und immer hat man Probleme sich richtig auszudrücken. Auch Deutsch muss ich noch üben. Komischerweise stößt man auch in seiner Muttersprache auf Grenzen.

Man will einfach manchmal viel mehr sagen, als man Worte hat.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. März 2008 um 14:30 Uhr
 

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