weltwärts Rote Erde und drei Steine. Oder: Energiesparherde für Nungwi
Rote Erde und drei Steine. Oder: Energiesparherde für Nungwi Drucken

 

Sansibar ist eine schöne Insel. Es gibt freundliche Menschen, weißen Sandstrand, köstliche Früchte, viel Sonne und den Indischen Ozean vor der Haustür. Selbst die momentane große Regenzeit hat einige Vorteile, da man doch an vielen Tagen im Gegensatz zu den Trockenzeiten nicht 24 Stunden am Tag von einem Schweißfilm bedeckt ist.

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Eines jedoch hat Sansibar kaum noch: Bäume. Vielerorts ragen einsame Kokospalmen aus nur hüfthoher Buschvegetation hervor, die einzigen größeren Bäume in Sichtweite sind einige Mibuyu (Affenbrotbäume) und Miembe (Mangobäume). Die wenigen geschützten Wälder, die auch Rückzugsort für endemische Tierarten wie den Red Colobus Monkey sind, werden zunehmend durch illegale Abholzung bedroht. Holz ist ein großes Geschäft auf Sansibar und berührt nicht nur große und kleinere businessmen, sondern auch die hiesige Dorfbevölkerung.

Diese kocht nämlich zum Großteil mit mafiga matatu na kuni, drei großen Steinen und – Feuerholz. Andere Energiequellen wie z.B. Holzkohle, Kerosin oder Elektrizität sind zu kostenintensiv oder aufgrund des fehlenden Stromnetzanschlusses gar nicht möglich. Das Kochen mit Feuerholz zerstört die Gesundheit der sansibarischen Frauen, die stundenlang auf dem Boden ihrer Kochstelle hocken und den dabei entstehenden beißenden Rauch Tag für Tag einatmen. Nicht selten werden selbst Kleinkinder und Säuglinge diesem Rauch ausgesetzt. Atemprobleme, Asthma und ähnliche Krankheiten sind die Folge. Neben den gesundheitlichen Nachteilen hat diese Art zu kochen auch schlicht katastrophale Auswirkungen auf die sansibarische Umwelt und auf unser Klima. Die wenigen verbliebenen Bäume und Sträucher der Insel werden geschlagen, das Feuerholz gebündelt, über die ganze Insel transportiert und verkauft. Aufforstung findet faktisch nicht statt. Aufgrund des stark geschrumpften Baumbestands auf Sansibar wird das Holz zunehmend von der Nachbarinsel Pemba oder sogar vom tansanischen Festland eingeschifft. So ist der Preis für ein Bündel Feuerholz in Nungwi an der Nordspitze Sansibars mittlerweile auf 2000 TSH gestiegen (umgerechnet ca. 1,10 €). Für diesen Preis kann man im selben Ort ungefähr zweimal gut und sättigend in einem lokalen Restaurant zu Mittag essen. Ein Bündel Feuerholz zum Bekochen der Familie reicht jedoch nur ungefähr fünf Tage. Hinzu kommen natürlich noch die eigentlichen Kosten für die Lebensmittel!

Dieser Gelddruck ist es, der die Menschen in Nungwi aufnahmebereit macht für alternative Kochmöglichkeiten. Die Erkenntnis, dass Veränderungen nötig sind, um Verbesserungen zu erreichen, ist auch hier angekommen. Auf ökologisches Bewusstsein trifft man kaum – wie denn auch, wenn viele ständig das „Leben suchen müssen“ (Kutafuta maisha, wie man es auf Kiswahili ausdrückt), d.h. stetig auf der Hut sein müssen, um ihre Familien ernähren zu können?

Und so veranstalten wir von „MOTO Handicrafts“ (moto ist Kiswahili für Feuer, Hitze) auf Nachfrage unserer Frauenkooperative vor Ort derzeit einen Workshop in Nungwi, bei dem das Wissen und die Bautechnik für einen feuerholzsparenden Ofen vermittelt werden. Dieser Ofen ist gut im Haus zu gebrauchen, da mit ihm im Gegensatz zu den sperrigen Parabolsolarkochern (die die MOTO-Kooperativen bei der Produktion der Handarbeiten gebrauchen) zu jeder Tageszeit, bei jedem Wetter und vor allem in Innenräumen an einem festen Ort gekocht werden kann.

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Das Prinzip des Ofens ist erstaunlich einfach. Alles, was beim Bau benötigt wird, ist rote Erde (sog. Udongo), getrocknete, geschnittene Gräser oder Blätter, Sand und Wasser. Diese Bestandteile werden gut miteinander vermischt und eine Woche stehen gelassen, sodass die Blätter verfaulen können und eine lehmartige, feste Masse entsteht. Die in jeder Küche vorhandenen drei Steine werden als Grundgerüst für den Herd genommen. Zwischen und auf diesen wird nun die vorbereitete rote Erde handbreit aufgeschichtet (bis sie an den Rand des Topfes reicht), gut verteilt und ausgestrichen. Zwei Tage später werden Löcher als Ausgänge für den Rauch und als Eingang für das Feuerholz geschnitten. Dieser Ofen wird nun je nach Wetterlage für ein bis zwei Wochen trocknen gelassen und bekommt danach nur noch eine Schutzschicht aus Asche. Fertig ist der Herd, der dank der isolierenden Wirkung der roten Erde und des Luftdurchzugs 50 % und mehr Ersparnis an Feuerholz bringt!

Dank dieser schlagenden Argumente waren auch die meisten Frauen in Nungwi von Anfang an begeistert, stampften nach einer theoretischen Einführung mit Beibui, Kanga und Kopftuch bekleidet in der roten Erde und spielten wie die Kinder mit eben dieser – jedoch mit dem Ziel, die Bautechnik des Ofens kennenzulernen.

Dreizehn Öfen konnten im Verlauf des Workshops bereits fertiggestellt werden. Sie werden nun ausgiebig bekocht, um mögliche Schwachstellen und deren Verbesserungsmöglichkeiten festzustellen. Möglicherweise konnte durch diesen Workshop und die dabei besprochenen Thematiken bei den Teilnehmerinnen auch ein erstes ökologisches Bewusstsein geweckt werden. Einige Frauen haben bereits Interesse daran bekundet, als fundi wa majiko, als Ofenhandwerkerin, die Energiesparöfen in Nungwi zu verbreiten und sich damit ein Einkommen zu generieren. Die Unterstützung dieses Anliegens und die Hilfestellung beim Aufbau des Geschäfts werden in der nächsten Zeit ein wichtiger Teil meiner Arbeit werden. Für die Sansibaris, für die Bekämpfung der Armut hier und für den Umwelt- und Klimaschutz.

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 18. Juni 2008 um 14:07 Uhr
 

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