weltwärts Strom benutzen und Wind ernten…
Strom benutzen und Wind ernten… Drucken
aufbau_mit_nyambulapi.jpg... Mit dieser Energieumwandlung beschäftige ich mich gerade hier an der Berufsschule in Mafinga, im Süden von Tansania. Wie die anderen Freiwilligen hier in Tansania absolviere ich gerade mein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Verbreitung der verschiedenen Techniken von Erneuerbaren Energien.

Da wird sich so manch einer denken: „Moment mal, was ist denn daran erneuerbar, wenn man aus wertvollem Strom sich schnell verflüchtigenden Wind produziert?". Diese Frage ist durchaus berechtigt. Um sie zu beantworten, hole ich ein kleines bisschen weiter aus.

Seit Oktober beschäftigen wir uns hier, zusammen mit den Handwerkern des Erneuerbare-Energien-Departments, mit dem Bau von Windrädern. Keine solchen Monstrums, wie sie in Deutschland mittlerweile an jeder windigen Ecke stehe, sondern deutlich kleinere Anlagen. Sie sind dafür ausgelegt, einen Haushalt mit Strom zu versorgen. Das geschieht, ähnlich wie bei einem SolarHomeSystem, indem der gewonnene Strom nicht direkt verwendet wird, sondern erst in einer Batterie zwischengespeichert wird. Von dort geht die Elektrizität an die verschiedenen Verbraucher wie beispielsweise Leuchtmittel, Handyladegeräte oder Radio. Um die Batterie vor Über- bzw. zu starker Entladung zu schützen, verwenden wir natürlich einen Laderegler.

So weit die Theorie. In der Praxis haben wir aber noch nicht alle Hindernisse bewältigt, ein solches Gerät wirklich so zu bauen, dass es den Großteil des Windes nutzen kann. Das liegt einerseits an der Schwierigkeit, dass der Generator, um geeigneten Strom (vor allem ausreichende Spannung) bereitstellen zu können, leider noch ziemlich schnell laufen muss. Andererseits ist das Profil eines Repellers (das ist das Gegenstück zum Propeller, welches keinen Wind produziert, sondern ihn nutzt, um gedreht zu werden) durchaus komplex und schon kleine Änderungen verändern das Verhalten im Wind beachtlich.

Um mit diesen beiden Faktoren besser arbeiten zu können, habe ich nun eine Art kleinen Wind"kanal" gebaut. Damit lassen sich einerseits die Generatoren antreiben und ihre Effizienz messen. Auf der anderen Seite können wir damit die Repeller antreiben und sehen, wie ihr Verhalten im Wind ist. Für solche Messungen könnte man auch auf einen Windradturm klettern, aber es ist deutlich besser, wenn man diese wichtigen Daten auch wetterunabhängig bekommen kann. Und am besten unter so originalgetreuen Bedingungen, wie es nun möglich ist.

propeller.jpgZum Antreiben des Ganzen verwenden wir einen Waschmaschinenmotor, den wir in Dar es Salaam auftreiben konnten. Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass so etwas hier in Tansania erhältlich ist. Wird die Wäsche hier in Tansania doch so gut wie ausschließlich mit der Hand gewaschen. Entweder im nahen Fluss oder, wenn man mit einem Wasseranschluss gesegnet ist, auf dem Hof.

Um diesen Motor allerdings betreiben zu können, benötigt man einen Startkondensator. Um einen solchen in der passenden Größe hier aufzutreiben, bin ich die letzten Wochen hier ständig von A nach B gelaufen. Bis jetzt habe ich ihn noch nicht in meinen Händen, aber heute werde ich noch mal bei einem Motorladen vorbeisehen, der mir versprochen hat, einen passenden AC-Kondensator zu besorgen. Hoffentlich kann ich dieses essentielle Bauteil bald bekommen, damit ich endlich testen kann, ob meine Überlegungen auch in der Praxis funktionieren. Genauer gesagt, ob der produzierte Wind ausreicht, um die Repeller anzutreiben.

probeaufbau_mit_schuelern.jpgUnd auch bei den Generatoren haben wir schon so manches Prinzip versucht: Angefangen haben wir mit alten Autolichtmaschinen, die wir ein bisschen modifiziert haben. Das ist das Prinzip, dem wir die größten Chancen ausrechnen, da hier die allermeisten Teile vor Ort erhältlich sind und auch der Preis in Ordnung geht. Dann haben wir auch schon mit einem 12-Dauermagnetmotor gearbeitet, der scheint aber nicht besonders für einen Windradeinsatz geeignet zu sein und außerdem ist er sehr schwierig zu bekommen und deshalb etwas teurer.

Nun möchten wir noch einen Generator nach dem Prinzip von Hugh Pigott bauen. Da muss man praktisch den gesamten Generator selbst bauen, wofür man gute Dauermagnete aus Europa braucht und einiges an Zeit benötigen wird. Aber die erwarteten Ergebnisse machen diese Investitionen mehr als wett: Das Windrad soll dann auch schon bei leichten Brisen anfangen, die Batterie zu laden.

Das erste Windrad, das wir zu Forschungszwecken schon in einem windreichen Dorf installiert haben, lädt nämlich leider erst bei kräftigen Böen die Batterie. Dadurch geht uns bis jetzt noch viel zu viel Potential sprichwörtlich „durch die Lappen".

Ganz allgemein macht mir eine solche Forschungsarbeit mit den Handwerkern hier sehr viel Spaß. Nur sollte man keinen noch zu kleinen Schritt alleine vollziehen, denn die beiden sollen von Anfang an mitbekommen, wie die Entwicklung dieses Windrades läuft. Es sind ja schließlich sie, die dann das Gerät bauen, verkaufen und installieren werden. Das dafür benötigte Hintergrundwissen über die Technik soll nicht mit unserer Abreise nach Deutschland wieder verschwinden. Da die beiden aber auch noch andere Aufgaben in der Schule zu bewältigen haben, vor allem die Ausbildung der Schüler, kommt man manchmal mit der Forschung nicht so schnell voran, wie man es persönlich gerne hätte. Daran musste ich mich anfangs erst einmal gewöhnen, aber mittlerweile komme ich damit ganz gut zurecht. Nachhaltige Entwicklung ist hier meiner Meinung nach schnellen Ergebnissen vorzuziehen, welche gar nicht von Dauer sein können.

betrieb.jpgNeben diesen großen Windrädern wollen wir uns nun auch noch mit einem kleineren Windrad zum Handyladen beschäftigen. Dabei werden wir Fahrraddynamos zur Stromgewinnung benutzen. Sie sind hier sehr gut erhältlich und vom Preis her ziemlich günstig. Und viele Kunden könnten sich ein größeres Windrad gar nicht leisten.

Dennoch stehen die Kunden schon Schlange und viele erkundigen sich regelmäßig nach dem Fortgang.

Es steht also noch einiges an Entwicklungsarbeit an und ich hoffe, dass wir bis zum National Solar Energy Day Ende Mai in Dar es Salaam ein verkaufsfertiges Windrad anbieten können.

Macht es wie wir und genießt jede Windböe ;-)

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 19. Mai 2008 um 20:27 Uhr
 

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