Unsere eigentliche Einsatzstelle liegt auf der Ostseite, der Regenseite des Kilimanjaro, in Marangu. Da MACDA (Marangu Community Development Association) zwar viel mit Energiesparöfen arbeitet, dafür jedoch nicht mit Solarenergie, fahren wir alle zwei Monate für zwei Wochen genau auf die andere Seite des Kilimanjaro, nach Sanya Juu.
Hier arbeiten wir in dem Battery and Solar Service Center (BSPSC) von Mr. Frank, einem kleinen Solarunternehmen, bei dem im letzten Jahr ebenfalls zwei Freiwillige ihr FÖJ absolviert haben. Unsere Arbeit dort ist sehr vielseitig; wir begleiten Mr. Frank auf viele Außenermine, das heißt Besichtigungen bei interessierten Kunden, Installationen, Treffen von SACCOS (gemeintschaftliche Kredit- und Sparorganisation), eventuelle Reperaturen. Außerdem arbeiten wir auch einen Teil im Büro, erstellen Flyer und Broschüren. Auf einer dieser Installationen, um es genauer zu sagen, im Haus von Mr. Humphrey, bei dem ein anderer Solarinstallateur leider großen Unfug gebaut hat, den das Team des BSPSC nun wieder gerade bügeln musste, habe ich das erste Mal verstanden, was Frank damit meint, wenn er uns beschwört, dass die Arbeit auf dem Dach wirklich anstrengend ist. Unter „auf dem Dach" habe ich mir meist auch wirklich „auf dem Dach" vorgestellt, das hieß für mich, das Solarpanel wirklich auf dem Dach zu befestigen. Dass das bei den hiesigen Temperaturen und der ständig prallen Sonne anstrengend ist, konnte ich mir gut vorstellen, jedoch würde ich mit meinem Halbwissen einer Befestigung von den Panels auf dem Dach, ehrlich gesagt, eigentlich gar nicht so viel Zeit einräumen. Nun kamen wir also zu Mr.Humphreys Haus, um mit der Installation der neuen Solaranlage zu beginnen, und bei dieser habe ich jetzt auch endlich verstanden, wie umfassend die Aussage „auf dem Dach" überhaupt ist. Durch eine kleine Luke im Haus gelangten Frank und der Fundi (Handwerker) dann kurz nach unserer Ankunft unter das Wellblechdach. Zwischen diesem und der Zimmerdecke ist nämlich noch sehr viel mehr Platz, als ich mir das bisher in meiner Phantasie so ausgemalt hatte.
Nach einer Minute ließen beide ihre Hemden aus der Luke fallen, mit dem passenden Kommentar: Es sei ziemlich heiß dort oben. Etwa zehn Minuten später kamen beide wieder nach unten, vollkommen verschwitzt und angestrengt. Nun ging es mit ein paar Messungen im Unteren des Hauses weiter. Und dann kam unsere zweite Chance, gratis Sauna, obwohl die Außentemperatur sowieso schon fast 30 Grad beträgt. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. So kletterte ich also kurze Zeit später den kleinen Turm aus Stuhl, Hocker, Hocker Nummer zwei und der Tür als zusätzliche Tritthilfe ins Dunkle. Unsere einzige Lichtquelle war eine wacklige Petroleumleuchte. Großartig, diese Helligkeit, die vielleicht gerade mal einen Radius von einem Meter umfasst und alles, was weiter entfernt liegt, im Dunkeln lässt. Also frei für alle Phantasie, welche bei mir in Sachen Gruseltiere leider ziemlich gut ausgeprägt ist. So bin ich also eher blind als sehend über die dicken Holzpfosten balanciert, habe versucht, mich möglichst geschickt durch die Dachbalken zu manövrieren und durfte die besagte intensive Hitze genießen. Zusammen mit den beiden anderen habe ich dann die ersten Leitungen für die Anlage verlegt, immer wieder versucht zu erraten, über welchem Zimmer des Hauses ich mich gerade befinde, fleißig Spinnenwebendreckstriemen auf meiner Haut und dunkle Kohleflecken auf meinen Klamotten gesammelt. Nach einer Weile hörten wir es donnern... kurze Zeit später schepperte der Hagelregen auch auf unser Dach nieder. Nun sah man also nicht nur schlecht, sondern konnte sich auch nur noch schreiend verständigen. Es war wirklich ein lustiges Bild, als Frank dort irgendwo im Halbdunkeln und hinter einigen Dachbalken versteckt, den Mund weit aufgerissen, versuchte zu telefonieren. Aber wenigstens kälter wurde es mit dem Regen... Drei versehentlich erloschene Petroleumlampen, mehrere aus Versehen falsch verlegte Leitungen und viele Schweißtropfen später waren wir dann auch schon wieder unten im Haus und haben die letzten Kleinigkeiten für diesen Tag erledigt. |