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In diesem Newsletter soll es um meine Erfahrungen gehen, die ich auf zwei Treffen von SACCOS-Gemeinschaften sammeln konnte, auf denen ich als Vertreter von Zara Solar Ltd., dem Händler für Solarequipment in Mwanza, für den ich arbeite, teilgenommen habe.

Aber zu Beginn erst einmal einige Begriffserklärungen, damit mein Text verständlicher wird.

SACCOS (Saving and Credit Cooperative Society)
SACCOS ist eine Micro-Finance-Möglichkeit in Tansania.
Unter dem Dach von SACCOS können sich engagierte Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, um gemeinsam eine stärkere finanzielle Basis schaffen zu können. Dabei kann eine SACCOS-Gemeinschaft aus den verschiedensten Menschen bestehen. Es kann sich z.B. ein Dorf zusammentun, um über SACCOS gemeinsam Projekte für die Dorfgemeinschaft zu verwirklichen, oder es können sich Lehrer einer Stadt finden, um über SACCOS eine finanzielle Elite zu bilden. Für viele Menschen in Tansania ist es geradezu undenkbar, für sich privat Geld zu sparen, bzw. zu investieren. Viele haben einfach nicht die finanzielle Kapazität dazu und das meiste Kapital wäre so gering, dass sich kaum eine Bank dafür interessieren würde. Deshalb können sich Interessierte in SACCOS zusammenschließen, um gemeinsam diese Kapazitäten zu schaffen.
UNDP (United Nation Development Program)
Das UNDP ist ein Programm, das über 5 Jahre in Mwanza arbeitet und dessen ausgeschriebenes Ziel es ist, den Solarmarkt in den ländlichen Regionen der Lake Zone Region in Tansania (Mwanza, Kagera, Shinyanga) auf eine zukunftsfähige Entwicklung einzustellen. Offiziell heißt der Slogan „Transformation of the rural photovoltaic market in Tanzania“. saccos1.jpg

Das Hauptbüro des UNDP befindet sich in Dar es Salaam und von dort werden die Aktivitäten in Tansania überwacht und koordiniert. UNDP-Mitarbeiter haben die schon angesprochenen Treffen mit den SACCOS-Gruppen organisiert und stellen sich auch als Vermittler für die Kredite zur Verfügung, bei denen über die SACCOS-Gemeinschaft das Geld innerhalb von 9 Monaten zurückgezahlt werden muss. Dabei steht die SACCOS-Gruppe als Sicherheit hinter dem privaten Solarkäufer, um die Rückzahlung zu gewährleisten.

(Für weiter Informationen zum UNDP: www.solarmwanza.org oder E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Das erste Treffen fand in Geita statt und wir machten uns morgens bereits auf den Weg, da die Reise etwas beschwerlich werden sollte. Zuerst mussten wir eine Fähre ein kurzes Stück über den Viktoria See nehmen und anschließend den ganzen Weg nach Geita auf einer schlechten Straße zurücklegen. Zwar reisten wir, komfortabler als ich es gewohnt bin, nicht mit dem Bus, sondern in den Autos des UNDP, aber dennoch ließ uns die schlechte Straße dort nur recht langsam vorankommen.
In Geita angekommen, erwartete uns bereits die versammelte SACCOS-Gemeinschaft und wir konnten quasi direkt mit unserer Präsentation beginnen. Die SACCOS in Geita besitzt in ihrem Dorf, aus dem ihre Mitglieder kommen, ein kleines Office. Dort wurde mit dem Vorstand das Projekt noch einmal durchgesprochen und die Vereinbarung unterschrieben. Danach begaben wir uns in eine Halle, die an anderen Tagen wohl auch als Moschee oder als Fernsehraum genutzt werden wird. Für uns war ein Tisch vor der Gruppe der Mitglieder gerichtet worden, sodass die ganze Gemeinschaft uns gut im Blick hatte. Begonnen haben wir damit, dass sich jeder von uns vorstellte. In Tansania ist die Begrüßung sehr wichtig und hat einen noch höheren Stellenwert als bei uns. So stellte sich z.B. auch jeder der ca. 200 anwesenden Mitglieder kurz mit Namen und seiner Position, also Mitglied, Sekretär, Schatzmeister, usw., vor. Anschließend legte hat der Vorsitzende des UNDP in Mwanza vor der Versammlung die Inhalte des Projektes dar und schilderte die Details.

So stellt das UNDP der SACCOS-Gruppe über eine tansanische Bank (CRDB) 20 Millionen Tansanische Shilling zur Verfügung, was umgerechnet ca. €12.000 entspricht. Von diesem Geld können sich einzelne Mitglieder der Gemeinschaft ein Solarsystem kaufen. Dafür hatten wir aus unserem Geschäft eine Liste mit verschiedenen Systemtypen von verschiedener Größe mitgebracht, damit für jeden das passende System verfügbar war. Die 20 Millionen Shilling reichen ungefähr für 30 Systeme, wenn nicht sogar ein wenig mehr. Dieser Kredit muss an das UNDP, bzw. an die Bank, binnen 9 Monaten in Raten zurück gezahlt werden. Dabei steht die SACCOS-Gruppe als Versicherung hinter ihrem Mitglied und sichert die Rückzahlung. Zudem sollen wir als Anbieter, Verkäufer und Installateur eine Garantie von einem Jahr auf das von uns installierte System leisten. Diese Klausel sorgte nachträglich für eine Diskussion, weil mein Chef den von dem UNDP geschriebenen Vertrag aus Zeitgründen vorher nicht lesen konnte und seine Zustimmung nicht geben konnte. Diese 1-jährige Garantie kann nämlich von keinem Solaranbieter in Tansania geleistet werden und so auch von uns nicht. Solch eine Garantie würde den Preis unverhältnismäßig in die Höhe treiben, weil wahrscheinliche Anreisekosten und Ersatzteile mit kalkuliert werden müssten. Für den Handwerker und die Installation haben wir aber nur ca. Tsh 40,000 (Euro 24) berechnet, was sehr wenig ist, um den Preis für die SACCOS so gering wie möglich zu halten. Eine zweite und ggf. dritte Anreise eines Handwerkers kann darin nicht enthalten sein. Dazu kommt, dass sehr viele von Elektrizität, Stromkreisen usw. sehr wenig Ahnung haben und deshalb sofort reklamieren, wenn nur z.B. ein Schalter nicht funktioniert, weil der Kontakt heraus gerutscht ist, oder einen Handwerker anfordern, wenn sie selber das System überbeansprucht haben und die Batterie schlicht tiefentladen ist. Der Kunde behauptet, das System ginge nicht mehr, der Handwerker reist den ganzen beschwerlichen Weg an, braucht 1 – 2 Tage und stellt vor Ort fest, dass die Batterie schlicht leer ist, weil der Charge Controller, der die Ladung der Batterie kontrolliert, überbrückt worden ist. Von solchen Fällen hat mein Chef mir erzählt, diese sind aber auf diese Weise durch eine Garantie nicht tragbar.

So konnte diese Klausel nachträglich aus dem Vertrag entfernt werden, auch weil mein Chef den Vertrag noch nicht unterzeichnet hatte, und stattdessen bekamen die Mitglieder der SACCOS in Geita über TASEA Kontakte von Solartechnikern in ihrer Stadt, die im Problemfall helfen können und Reparaturen vornehmen können.

Nachdem der Projektmanager des UNDP alle Inhalte vorgestellt und erklärt hatte, durften wir als Zara Solar Ltd. auftreten. Da wir uns bereits vorgestellt hatten, präsentierten wir nun kurz das Geschäft, lieferten einen Überblick über Zara Solar und verteilten die Informationsbögen, in denen auch die verschiedenen System aufgelistet waren. Jetzt konnten alle Interessierten zu uns kommen und sich ein System, welches zu ihren Vorstellungen und zu ihrem persönlichen Budget passt, bestellen.

saccos2.jpgDanach haben wir noch gemeinsam mit dem Vorstand dieser SACCOS gegessen und uns über den Ablauf des Projektes ausgetauscht. Dann machten wir uns zurück auf den Weg nach Mwanza. Um ca. 11 Uhr abends war ich zu Hause.

An einem weiteren Tag fuhren wir nach Magu, einem ländlich geprägten, aber recht großen Vorort von Mwanza, und präsentierten vor einer weiteren SACCOS. Das Finanzierungssystem ist dabei das gleiche geblieben, nur dass diese SACCOS eine Gemeinschaft von Lehrern aus ca. 700 Mitgliedern war.

Diese SACCOS habe ich jetzt im April nochmals mit einer Niederländerin, die mit meinem Chef zusammenarbeiten möchte, besucht, und anhand dieser SACCOS möchte ich noch einmal etwas detaillierter über die Struktur von SACCOS berichten.

Jede SACCOS hat immer einen Vorsitzende, einen Schatzmeister und einen Sekretär mit jeweils einem Vertreter. Diese müssen alle zwei Jahre von der gesamten Gemeinschaft neu gewählt werden. Eine zweite Amtszeit ist nicht möglich. Jedes Mitglied kann bei der SACCOS einen Kredit beantragen. Dazu schreibt er oder sie einen Brief an den Schatzmeister und legt sein Anliegen dar. Man schreibt genau, wie viel Geld man braucht und in welchen Raten innerhalb welchen Zeitraums man es zurückzahlen will. Die Schatzmeisterin der Magu-Teachers-SACCOS erzählte uns, dass jeden Monat um die 70 Anfragen kommen. Meist beantragen die Mitglieder Geld für den Hausbau, oder für die Schulgebühren ihrer Kinder. Jeder Antrag wird dann von einem Komitee besprochen, diskutiert und schlussendlich bewilligt oder abgelehnt. Der Schatzmeisterin zufolge werden jeden Monat ca. 50 Anträge bewilligt, weitere auf den Folgemonat verschoben oder abgelehnt.

Nach Bewilligung wird der Name des Mitglieds an die Lehrerverwaltung in Dar es Salaam geschickt. Zumindest in dieser SACCOS, da alle Mitglieder staatlich beschäftigte Lehrer sind. Nun wird die Schuldenlast je nach Angaben des Mitglieds für die Kreditlaufzeit von seinem Gehalt abgezogen und die Differenz direkt an die SACCOS gezahlt, die vorher das Geld zur Verfügung gestellt hat. Ein bestimmter Prozentsatz geht dann zusätzlich an die SACCOS. Von diesen Geldern finanziert sich die SACCOS und deckt ihre laufenden Kosten.

Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Lehrer beantragt 150.000 Shilling. Das Komitee der SACCOS bewilligt den Antrag und der Lehrer schlägt folgende Rückzahlung vor:

Mai: Tsh 50.000

Juni: Tsh 50.000

Juli: Tsh 65.000

Im dritten Monat sind nun die 10% für die SACCOS mit enthalten.

Die Daten des Lehrers werden von der SACCOS nun an die Verwaltung in Dar es Salaam geschickt und der Betrag von dem monatlichen Gehalt des Lehrers (Tsh 150.000 als realistische Orientierung) abgezogen und stattdessen an die SACCOS überwiesen.

Auf diese Weise garantiert die SACCOS die Rückzahlung.

Ich bin also zweimal auf einer Präsentation gewesen und möchte zum Abschluss dazu meine Eindrücke und auch Gedanken aufschreiben.

Klar war es äußerst interessant, immer wieder neue Tansanier kennen zu lernen und einen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Zudem machen es einem viele Tansanier leicht, sich wohl zu fühlen, dadurch dass sie so offen auf einen zugehen, Interesse zeigen und oftmals auch einfach sehr gastfreundlich sind. Nie ist es schwer, einen Gesprächspartner zu finden, und immer sind die Menschen freudig überrascht, wenn ich Suaheli spreche. Allein durch die Sprache wird sofort eine Barriere entfernt und dafür eine Brücke geschlagen.

saccos3.jpg

Außerdem habe ich es sehr genossen, dass ich in meiner Rolle als Vertreter von Zara Solar viel beobachten konnte. Da dies ein Projekt der UNDP ist, war ich lediglich Teilnehmer und nicht Veranstalter oder Organisator. Es hat mich sehr gefreut, an einem tansanischen Projekt mitarbeiten zu können. Einfach nur mitzuarbeiten, als ein Teil von allen. Oft ist es nämlich so, dass von mir als Weißem erwartet wird, dass ich alles in die Hand nehme, es mit mir jetzt voran geht und durch mich das große Geld fließt. Ich schreibe diese Erwartungshaltung Erfahrungen mit einer oftmals falschen Entwicklungszusammenarbeit zu. In Tansania schießen momentan nämlich die NGOs aus dem Boden wir Pilze und es kommen ständig Weiße in das Land, um den armen Menschen zu helfen. Diese „Helfer“ waren of vorher noch nie in Tansania, oder generell in Afrika, und wissen nicht, was das alles bedeutet, wie die Menschen hier leben, was ihre Kultur ausmacht etc. Ich habe schon von reichen amerikanischen Jugendlichen gehört, die vor ihrem Jurastudium noch kurz in Tansania waren, um mal schnell den armen Menschen zu helfen, und als man sie fragte, wo sie denn seien, sagten sie: Ost-Afrika. Immerhin wussten sie, dass sie sich im Osten dieses Kontinents befinden, das ist ja schon mal was.

Oftmals werden Entwicklungshilfegelder, die aus der Sicht vieler Tansanier aus dem Nichts kommen, in Projekte investiert, die von Weißen geplant wurden, ohne die tansanische Perspektive hinsichtlich Kultur, Ideen usw. mit zu berücksichtigen. Die freiwilligen Helfer der NGO fahren dann in ihren großen weißen Landrovern durch die Gegend, wo sie auftauchen, gibt es immer Geld, tagtäglich haben sie neue Ideen und Projekte, und von den Tansaniern wird immer erwartet, dass sie sofort begeistert sind und mitziehen.

In diesem Projekt war es anders. Auch wenn das UNDP letztendlich ein Programm der Vereinten Nationen sind, ist dieses Projekt von dem UNDP in Mwanza organisiert worden und Planung und Durchführung liegt in den Händen von Tansaniern. Und ich habe mich einfach darüber gefreut, davon ein Teil zu sein wie jeder andere Tansanier auch. Ich konnte meine persönlichen Stärken in diese Zusammenarbeit einfließen lassen und meinen Teil beitragen.



Zuletzt aktualisiert am Montag, den 23. Juni 2008 um 07:55 Uhr
 

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