Bevor ich mein FÖJ in Tansania begann, wurde ich oft gefragt, ob sich denn die Menschen in diesem Land überhaupt Solar bzw. Photovoltaik leisten können. Meistens antwortete ich, dass sich nur eine gewisse Schicht so etwas leisten könne, hatte jedoch noch keine wirkliche Vorstellung davon, wie viel Geld die Menschen auf dem Dorf monatlich erwirtschaften oder auch ausgeben können.Je länger ich jedoch hier in Tansania lebe, umso bewusster wird mir, dass sich sehr viele Menschen diese Technik auf lange Sicht leisten könnten, jedoch für einige Dorfbewohner Geld sparen unmöglich, oder zumindest sehr schwer ist. Oft wird Geld verdient und sofort auch wieder für den täglichen Bedarf ausgegeben. Sehr passend erscheint mir hier der Songtitel „It's expensive being poor" - denn wenn man nichts oder nur sehr wenig hat, ist es oft doppelt so schwer, sich von dem bisschen was man hat, etwas zu ersparen.Die kleinen Geldbeträge, welche sich Bauern durch ihre Verkäufe von Kochbananen, Bohnen oder Kaffee erwirtschaften, werden also auch größtenteils für den Kauf von Lampenöl (Kerosin), Brennholz oder Holzkohle verwendet. Einige Leute verstehen zwar, wenn sie z.B. von Solarsystemen, Biogasanlagen oder energiesparenden Öfen gehört haben, dass sich durch deren Nutzung auf lange Sicht Geld einsparen lässt, doch kann beispielsweise die relativ hohe Anfangsinvestition einer Photovoltaikanlage nur von wenigen Menschen auf einmal erbracht werden. Die einzige Möglichkeit für viele Menschen ist, einen Kredit aufzunehmen, doch dies scheitert oft an den hohen Rückzahlraten oder daran, dass man aufgrund fehlender Sicherheiten erst gar keinen Kredit bekommt. Als ich mich auf meiner Reise durch Uganda befand, merkte ich, dass in diesem Land Solar wesentlich präsenter ist, was ich zu einem großen Teil den vielen Möglichkeiten zur Mikrofinanzierung zuschreibe: Immer wieder sah ich Schilder, die auf Banken hinwiesen, welche spezielle Kredite anbieten, um sich beispielsweise eine Biogas- oder Photovoltaikanlage leisten zu können.
In Tansania dagegen scheint es nur sehr wenige dieser Möglichkeiten zu geben, und gerade aus diesem Grund macht sich derzeit eine deutsche Organisation namens „MicroEnergy International" daran, ein Mikrofinanzierungsmodell für dieses Land zu entwickeln. Bevor diese Organisation jedoch mit ihrer Arbeit beginnen kann, liegt es an uns Freiwilligen, durch Umfragen in unserer jeweiligen Region Tansanias Informationen zu sammeln. In unserer Einsatzstelle, einer Berufsschule in Kashasha nahe Bukoba am Viktoriasee, machen sich daher mein Kollege Jan und ich jeweils gemeinsam mit Schülern auf den Weg, um Menschen in umliegenden Dörfern Fragen zu stellen: „Wieviel Brennholz verbraucht Ihre Familie pro Woche?", „Was geben Sie wöchentlich für Brennholz und Kerosin aus?" oder „Wieviel können Sie sich monatlich ersparen?". Oft wird man dabei sehr gastfreundschaftlich, und was noch viel wichtiger ist, sehr offen für unser Anliegen empfangen, trifft jedoch hierbei auch oft auf eine gewisse Erwartungshaltung. Wir müssen erklären, dass die Befragten nicht einfach so nach unserer Umfrage finanzielle Hilfe bekommen, sondern sie durch ihre Angaben der Gemeinschaft helfen. Dies hängt jedoch auch oft mit fehlender Bildung zusammen, da sich viele Menschen auf dem Dorf einfach kein Bild davon machen können, wie eine Umfrage funktioniert und wem sie letztendlich hilft.
Einige Menschen erkennen jedoch die Wichtigkeit einer Mikrofinanzierung für Solar, Biogas oder andere kleine Techniken, um Energie schonend aus der unmittelbaren Umgebung gewinnen zu können, und bestärken uns dadurch in unserem Vorhaben. 
Nach unseren bisherigen Erfahrungen bezahlen viele Familien beispielsweise in unserer Region allein für Kerosin jede Woche etwa 2000 tansanische Schilling. Hochgerechnet auf drei Jahre, könnten sich davon viele nach dieser Zeit beispielsweise bereits eine kleine Photovoltaikanlage zum Betreiben von etwa zwei bis drei Lampen leisten und hätten folglich keine weiteren dauerhaften Kosten bezüglich Kerosin. Für mich persönlich ist diese Arbeit nicht nur an sich sehr sinnvoll, sondern auch die damit verbundenen, teils sehr langen Gespräche helfen, sich gegenseitig besser zu verstehen. Anfangs war es schon etwas ungewohnt bzw. unangenehm, eine Frage zu stellen wie „Können Sie sich genügend Nahrungsmittel leisten, um ihre Familie ein volles Jahr versorgen?", doch im Laufe der Zeit gewinnt man Routine, was jedoch nicht heißt, dass man abstumpft. Immer wieder fühle ich mich etwas seltsam, mit meinen Turnschuhen, guter Kleidung und meinen weißen Umfrageblättern in Lehmhütten zu sitzen und Familien zu befragen, die gerade mal genügend Geld besitzen, um sich zu ernähren. Andererseits denke ich jedoch auch, diese Arbeit nutzen zu können, um so das Bild vom „Weißen" etwas aufbessern zu können, denn dadurch, dass wir selbst im Dorf leben und arbeiten, die Landessprache Kisuaheli und einige Wörter Kihaya (Stammessprache der Region) sprechen, bieten wir den Leuten neben dem „Weißen", der nur nach Tansania kommt, um Tiere zu sehen, auch ein anderes Bild. |