Am Freitag, dem 6. Juni 2008, mussten wir morgens früh raus, denn die letzten Vorbereitungen für das Solartraining bei uns in Kashasha waren noch zu treffen: die Werkstatt fegen, Tische und Stühle aufstellen, Laptop und Beamer aufbauen, Solarpanels, Batterie, Laderegler und anderes Material bereitstellen. Gegen halb zehn waren wir dann fertig: Alles stand bereit und Solartrainer Alex war in frischem Hemd und blankgeputzten Schuhen zur Stelle. Ein großes Problem bei der Verbreitung von Solarenergie hier in Kagera und in anderen Regionen ist, dass nur wenige gut ausgebildete mafundi, das heißt Handwerker, zur Verfügung stehen, die sich mit der Installation von photovoltaischen Systemen auskennen. Oft kommt es vor, dass jemand viel Geld ausgibt, um sich in seinem Dorf, wo es kein Stromnetz gibt, Solar installieren zu lassen – der Fundi kommt und installiert, aber dann ist die Batterie zu klein, die Kabel zu dünn, das Panel von schlechter Qualität und ein Laderegler wird erst gar nicht eingebaut. Klar, dass so ein System nicht lange hält und das Vertrauen in Solarenergie sinkt. Dabei hat ein richtig installiertes System eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren, wobei es gleichzeitig wirtschaftlicher ist als Kerosinlampen oder Generatoren, und Gesundheitsschäden durch Qualm oder schlechtes Licht zum Lesen und Lernen nicht mehr auftreten. Markus und ich wollten also unseren Teil beitragen, um für mehr Wissen über Solar bei den Elektrikern in unserer Region zu sorgen. Bei unserem Einführungsseminar in Dar es Salaam letzten August hatte uns Freiwillige jemand von der Free Energy Foundation, eine Stiftung, die in ganz Ostafrika und anderen Ländern arbeitet, über deren Arbeit informiert: Mit dem Projekt „SolarNow“ will die Stiftung die Verbreitung und den Markt für „Solar Home Systems“ fördern, und zwar vor allem, indem sie Händler und Techniker über den richtigen Umgang mit Solar schult. Wir nahmen also Kontakt auf mit SolarNow, fragten per E-Mail nach, ob es möglich wäre, ein solches Solartraining in unserer Einsatzstelle, dem Kashasha Village Technology Training Centre, zu veranstalten. Bald bekamen wir auch eine Antwort, und zwar positive, aber weil Kashasha/Bukoba ziemlich weit von Dar es Salaam liegt, würde zu uns kein tansanischer, sondern ein Trainer aus Uganda kommen, dem Nachbarland, an dessen Grenze wir ja fast wohnen. Gemeinsam mit unserem Schulchef Jasson B. M. Kamala, von Anfang an begeistert von der Idee eines solchen Trainings, begann dann die Vorbereitung: Wir mussten uns auf ein passendes Datum einigen, welchen Raum wir verwenden würden, wo die Teilnehmer schlafen würden und vor allem, wie viel sie beitragen sollten. SolarNow zahlt zum Glück keine allowance fees, die nach allem, was wir gehört hatten, nur dazu führen, dass eine Menge uninteressierter Leute teilnehmen. Dafür übernimmt die Organisation die Kosten für Reise und Informationsmaterial, bei dem Training in Kashasha würden die Teilnehmer also nur die Hin- und Rückfahrt zu bezahlen haben, sowie einen Beitrag für Essen und Übernachtung in der Schule. So würden vielleicht nur wenige Handwerker bereit sein, diesen Eigenbeitrag zu leisten und nach Kashasha zu kommen, aber bei diesen hätten wir dann wenigstens die Gewissheit, dass sie auch interessiert sind. Gespannt waren wir aber doch, wer letztendlich teilnehmen würde. Nachdem also alles abgeklärt war, mussten wir nur noch Werbung für unser Vorhaben machen. Wir schrieben einen an Elektriker gerichteten Aushang auf Kisuaheli und platzierten diesen an mehreren zentralen Stellen in Bukoba. Auch dem VETA Kagera, der Berufsschule in der Stadt, an der im Gegensatz zu unserer Schule auch Elektroinstallation unterrichtet wird, statteten wir einen Besuch ab, und stießen gleich auf großes Interesse: Der Schulleiter erklärte sich bereit, drei interessierte angehende Elektriker zum Training nach Kashasha zu schicken und ihnen die Reise und den Aufenthalt zu bezahlen. Am 5. Juni waren dann noch letzte Vorbereitungen in der Stadt zu erledigen, wir mussten nämlich noch einen Beamer auftreiben (ein Pfarrer lieh uns dann freundlicherweise einen aus), und den jungen Solartrainer aus Uganda, Alex Tumwesigye, der mit dem Auto aus Kampala gekommen war, in Bukoba abholen. Am nächsten Tag, nachdem der Seminarraum dann vorbereitet war und wir zusammen mit den inzwischen eingetroffenen Teilnehmern Tee getrunken hatten, ging es los. 21 Teilnehmer waren wir, neben immerhin neun Elektrikern aus der Stadt noch sechs Schüler, die sich in unserem Erneuerbare-Energien-Unterricht als sehr interessiert erwiesen hatten, dazu wir zwei Freiwillige und drei Lehrer aus Kashasha. Der Bezirkspfarrer eröffnete das Seminar, dann stellte sich Alex vor und begann sein Training. Die ersten Themen waren: Was ist eigentlich Energie, was ist Solarenergie, und wie wird sie gemessen? Wie unterscheidet sich die Sonneneinstrahlung in verschiedenen Gebieten und wie wirkt sich das auf die Energiemenge aus, die wir nutzen können? Alex sprach leider kein Kiswahili, und so hielt er das Training auf Englisch, was die meisten Teilnehmer verstanden, einigen jedoch Probleme bereitete. Zunächst war angedacht, dass unser Solartechniker Shekinah übersetzen sollte, aber dann stellte sich heraus, dass Alex’ Muttersprache der hiesigen Lokalsprache Kihaya so ähnlich ist, dass Alex auf Englisch fortfahren und ab und zu, zum besseren Verständnis, noch einmal auf Nyanchole erklären konnte. Er war ein ziemlich guter Lehrer, der viele Fragen stellte und so seine Schüler beteiligte. Bis zum Nachmittag (zum Mittagessen wurde kurz Pause gemacht) schafften wir noch einiges: Alex stellte die einzelnen Komponenten eines Solar Home Systems vor, Solarpanels, Laderegler und Batterien, ging auf ihre Eigenschaften und verschiedene Typen ein. Wir erfuhren, was die Maßzahlen dieser Teile sind und woran man gute Qualität erkennt. Dieser Teil war besonders wichtig, denn leider werden in Tansania, besonders was Panels angeht, sehr viele Billigprodukte verkauft, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr funktionieren. Alex erklärte auch den Unterschied zwischen Systemen, die mit Gleichstrom, und solchen, die mit Wechselstrom arbeiten, und wie man einen Inverter zum Umwandeln auswählt. Nach einer Soda am Abend konnten die Teilnehmer dann draußen, bevor die Sonne unterging, das Gelernte praktisch ausprobieren. Wir maßen den Kurzschluss-Strom eines Solarpanels und bauten dann Batterie, Laderegler, Panel und eine Energiesparlampe zu einem kleinen System zusammen. Die Lampe leuchtete, das hieß, wir hatten alles richtig gemacht. Damit war dann auch schon der erste Tag zu Ende, und nach soviel Input und gemeinsamem Abendessen gingen die meisten von uns relativ schnell ins Bett. Am nächsten Morgen ging es direkt mit Praktischem weiter. Trainer Alex zeigte, wie man die richtige Größe eines Systems berechnete, dann bekamen wir Beispielaufgaben und mussten selbst Systeme zusammenstellen. Es folgte eine Einheit über den Einsatz von kleinen Solarsystemen als Einkommensquelle, zum Bespiel zum Handyladen, Haare Schneiden oder Beleuchten eines Ladens. Auch hier berechneten wir ein Beispiel, Alex zeigte die Wirtschaftlichkeit eines Solarsystems auf und wie man als Verkäufer seinem Kunden darlegen kann, dass er zumindest Teile der Kosten durch Einsatz zum Geldverdienen wieder hereinbringen kann. Als letzten Punkt ging er noch auf vier wichtige Faktoren bei der Arbeit als vertrauenswürdiger Solartechniker ein: Customer Care, Safety, Teamwork, Communication.  Hiermit war das Seminar auch schon zu Ende. In eineinhalb Tagen hatte es Alex geschafft, den Handwerkern die nötigen Kenntnisse zum Berechnen und Installieren eines Solarsystems zu vermitteln, und auch wir Schüler, Lehrer und Freiwillige in Kashasha hatten neues Wissen und Ideen für unsere Arbeit mit Erneuerbaren Energien gewonnen. Alex, Mr Kamala und Timothy Nkongo, Ehrengast von der Organisation Partage in Bukoba, überreichten uns Teilnehmern unsere Urkunden: „Qualified Solar Technician“, und wir bedankten uns natürlich alle bei Alex und SolarNow für die Unterstützung und Durchführung dieses Trainings. Schließlich entließ uns Mwalimu Kamala mit einer Abschlussrede unter dem Motto: „Umeme Jua ni Jibu la Giza“ – Solarenergie ist die Antwort auf Dunkelheit! Weitere Informationen: www.solarnow.nu |