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Heute ist Donnerstag. Man könnte nun meinen, dass dieser Tag mitten in der Woche ein Tag wie jeder andere wäre, aber dem ist ganz bestimmt nicht so. Heute ist nämlich nicht nur Donnerstag, heute ist Markttag. Und diese Tatsache hat erhebliche Auswirkungen auf so ziemlich alles hier.

 

Sogar das Wetter scheint wie durch ein Wunder an Markttagen besonders gut zu sein und so musste ich in den letzten neun Monaten erst ein oder zwei Mal meine Einkäufe im Regen nach Hause tragen.Schon morgens zeigt der Markttag erste Auswirkungen. Auf Köpfen und auf Schubkarren werden Bananen und Säcke mit Bohnen und Mais nach Mtoni, dem Zentrum von Marangu, gebracht. Jeder scheint auf den Beinen zu sein. Auf den Wegen wimmelt es von Menschen und selbst wenn man vergessen hätte, dass Markttag wäre, so würde man es spätestens jetzt sofort erkennen.

Die Vorfreude auf den Markt lässt den Arbeitstag nur so vorbeifliegen. Sobald die Bürotür abgeschlossen und das Mittagessen verspeist ist, geht es endlich los. Ausgestattet mit Taschen und Plastiktüten machen Jana und ich uns auf den Weg zum Marktplatz.

Dort angekommen machen wir unsere Marktrunde:

Wir beginnen bei den 2nd-Hand-Schuhen. Der große durchwühlte Haufen aus Sandalen, Turnschuhen, Highheels und Halbschuhen lässt erahnen, dass wir nicht die einzigen sind, die auf das perfekte Schnäppchen gehofft haben. Manchmal fragt man sich dann schon, wer eigentlich paillettenbesetzte Highheels in eine Schuhsammlung gibt, aber unterhaltsam ist es allemal.

Meistens können wir uns allerdings recht schnell wieder von den Schuhen lösen und es geht weiter zu den Kleidungsständen. Die fabrikneuen Hosen und T-Shirts, oft „made in China“, lassen wir dabei links liegen. Viel interessanter sind doch auch hier die Stände mit den 2nd-Hand-Sachen, die vermutlich in den USA, Europa und Asien irgendwann einmal in die Altkleidersammlung gegeben wurden. Es lässt sich wirklich alles finden. Von der Wollmütze bis hin zum Ballkleid. Bevor es aber daran geht, den Berg an Kleidung zusammen mit anderen Tansanierinnen bis auf den Boden zu durchsuchen, müssen natürlich noch die verkaufenden Mamas begrüßt werden. „Diana!“ schallt es dann Jana entgegen. Meinen Namen kann sich kaum einer merken geschweige denn aussprechen, und wenn doch, dann ist es meistens etwas zwischen „Margehn“ und „Monika“. Auch wenn es also mit den Namen nicht immer ganz klappt, sind wir inzwischen immerhin so bekannt, dass wir nur noch selten die überteuerten „Mzungu-Preise“ genannt bekommen. Und Beratung bekommt jeder auch gleich kostenlos dazu: „Umependeza“ (etwa: „Du siehst gut aus“ ) wird einem dann beim Anprobieren nicht nur von den Mamas zugerufen, sondern auch von anderen einkaufenden Frauen, die gerade neben einem stehen.

So arbeiten wir uns von Stand zu Stand vorwärts, bis wir bei den Kanga-Mamas angelangt sind. Inzwischen gibt es drei Stände, an denen Kangas und Kitenge, die „typisch tansanischen“ bunten Stoffe, verkauft werden. Diesen kleinen Abstecher machen wir selbstverständlich auch immer dann, wenn wir uns gar nicht für die Stoffe interessieren. Schließlich sind es ja „unsere“ Mamas und wir ihre „watoto“- Kinder.

Haben wir auch diese Stände hinter uns, geht es zu den Frauen, die auf einer kleinen Bank Mandazi, Bagia und Sambusa anbieten. Es fällt schwer, dort zu widerstehen und so finden eigentlich fast immer ein paar der fettigen Gebäckstücke ihren Weg in unsere Taschen. Stets eingepackt in Zeitungspapier, so dass wenigstens die Hoffnung besteht, dass die Tasche nicht in einem Ölfilm ertränkt wird.

Gleich hinter dieser Bank beginnt Imas Stand. Ima ist einer der Schuhverkäufer, die sich in diesem Teil des Marktes dicht an dicht drängen. Unter einer als Regenschutz aufgespannten orangenen Plastikplane biete er seine Waren an. Auch hier lässt sich alles vom Flipflop bis hin zum schicken Damenschuh finden, diesmal allerdings ziemlich sicher aus China importiert. Doch wegen der Schuhe selber kommen wir hier sowieso nicht vorbei. Es wird vielmehr eine Pause eingelegt und ein Schwätzchen mit Ima und den benachbarten Händlern gehalten. Stets wiederholt er seine Einladung nach Mwika, die wir auch stets annehmen. Vielleicht klappt es diese Woche ja wirklich...

Bevor es zu spät wird, müssen wir uns dann aber aufmachen, um noch Obst und Gemüse zu kaufen. Inzwischen sind wir Stammkunden bei Mama Ino. Tomaten, Gurken und Zitronen kaufen wir immer. Und dann je nach Saison und Bedarf auch noch Pflaumen, Birnen, Orangen, Mandarinen, Wassermelonen, Ananas, Auberginen, Passionsfrüchte, Zwiebeln, Mangos und Papaya.

Zu guter Letzt erstehen wir auch noch Bananen und Avocados, die es am Rand des definitiv tollsten Marktes von ganz Tansania gibt.

An die zwei Stunden haben wir für unsere Marktrunde gebraucht. Hier ein Päuschen und da ein Pläuschchen, da vergeht die Zeit ganz schnell. Dabei haben wir bestimmt die Hälfte des Marktes noch nicht einmal näher in Augenschein genommen. All die Stände mit Kosmetikartikeln, Gewürzen, Plastikdosen und -kannen, Fischen, Schmuck und Uhren, Radios, Seilen, Gürteln, Bildern, Taschen und und und...

Vollbepackt mit Vitaminen für die nächsten Tage geht es schließlich nach Hause. In heller Vorfreude auf Montag, den nächsten Markttag.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 12. Juni 2010 um 08:41 Uhr
 

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