
Ich glaube DANKE, kann man nie genug sagen. Danke, dass ihr mir diese einzigartige Erfahrung ermöglicht. Danke, für eure – sowohl finanzielle als auch jegliche andere – Unterstützung. Ahsante sana! (Danke sehr). Ninawashukuru! (Ich danke euch). Fischbrötchen. Elbe. Hafen. Hamburg. Abi erfolgreich gemeistert. Vorm Studium noch eine andere, neue Erfahrung... Auf baldiges “Moin, Moin!” . Vokabeln, Interkulturelles, Erneuerbare Energien, Alltagsideen An meinem 20. Geburtstag startete die Vorbereitung für mein Jahr in Tansania: Kiswahili Sprachkurs in Hamburg. Unser Sprachlehrer Mohammed aus Zanzibar, sowie eine Ehemalige brachten uns 15 Freiwilligen die Grammatik der Bantu-Sprache näher. Nach fünf Tagen Pause, ging es dann in Glücksburg mit unserem inhaltlichen Vorbereitunsseminar weiter. Referate über das Land und unsere Arbeitsfelder, Infos zu Erneuerbaren Energien, Einblicke in die tansanische Kultur, Interkulturelles, lebhafte Diskussionen über Entwicklungszusammenarbeit, und viele andere Dinge füllten unsere Tage. Schließlich war es dann soweit, am 18.08. startete das Flugzeug nach Dubai. Dort traff sich unsere Freiwilligentruppe, um gemeinsam in die heimliche Hauptstadt Tansanias, Daressalaam, zu reisen.  Die 4 Millionen Stadt am Indischen Ozean war Ort unseres Einführungseminars, das sich aus Sprachkurs (mit Mohammed), dem Besuch der deutschen Botschaft, dem Kennenlernen verschiedener Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien in Tansania (Tanzania Solar Energy Association (TASEA), Solar Now und der Rural Energy Association) und praktischem Erleben und Leben in Tansania zusammensetze. Unter anderem lernten wir für den Alltag: Das öffentlichen Verkehrsmittel Daladala (Kleinbusse in die knapp 30 Leute rein passen, siehe Bild) zu benutzen. Gesund zu bleiben Mückenschutz, abgekochtes/abgepacktes Trinkwasser, gekochtes oder geschältes Essen). Auf dem Markt zu feilschen, einzukaufen. Außerdem lernten wir das tansanische Essen kennen und und und... Tansania, Anna, Erlebtes, Arbeit, Berichte, Völkerverständigung? Wie schon der Kopf meiner Rundmail verrät, ist der Gedanke hinter meinem Jahr Freiwilligendienst in Tansania, möglicherweise einen kleinen Beitrag zu Völkerverständigung und Klimaschutz zu leisten. Klimaschutz, da wir Freiwilligen alle im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind und uns mit ökologischen Themen und dem Begriff der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Völkerverständigung, da es um interkulturellen Austausch und gemeinsame Arbeit auf Augenhöhe geht. Wir sind nicht die klugen Weißen, die alles wissen und Projekte alleine durchziehen. Damit würden wir uns nur ein Denkmal setzen, mit Nachhaltigkeit hat das wohl wenig zu tun. Wir sind zunächst Lernende. Wollen die andere Kultur erfahren, die Sprache lernen und uns dann in der gemeinsamen Arbeit mit Tansaniern einbringen. Zum Beispiel unsere Art zu Organisieren und Plane vermitteln. Neben diesem Aspekt der Völkerverständigung, dem gegenseitigen Profitieren und Lernen von der anderen Kultur, ist meine Berichterstattung nach Deutschland ein wichtiger Teil meines Freiwilligendienstes. Ich habe die Aufgabe meinem Unterstützerkreis einen Eindruck von dem Leben in Tansania zu vermitteln. Puzzleteile für ein Bild zu liefern, dass nicht unbedingt dem der Berichterstattung der westlichen Medien entspricht. Nein, Afrika ist kein einziges, großes Land, voller Hunger, Krieg und Elend. Unbewusst trichtern westliche Medien einem das wohl ein. Das habe ich während meiner Vorbereitungszeit in Deutschland immer wieder an den Reaktionen meiner Mitmenschen gemerkt. “Ins Elend”, “Wirst du bewacht?”, “Kann man sich auf offener Straße überhaupt bewegen?”, ”Du als blondes Mädchen...” sind nur einige wenige Stichworte die mir da einfallen. Ich werde einerseits in diesen Rundmails zusammenfassend von meinem Leben und meiner Arbeit berichten. Außerdem betreibe ich noch eine Internetseite, mit kleinen Berichten und Fotos aus meinem Alltag. Schaut doch einfach mal rein! Heide und Anna in Arusha: Gegensätze
 Um 4 Uhr nachts aufgestanden. Der Zweitfamilie von Tembo, also den anderen Freiwilligen kwa heri (=Tschüß) gesagt. Im Dunklen das Unigelände verlassen. Die Reise nach Arusha ging los. Busbahnhof. Sonnenaufgang. Gedränge. Dann den “Kilimanjaro Express”, unseren Bus gefunden, das Gepäck sicher verstaut. Unser Chef reiste mit uns. Von Daressalaam über die Schnellstraße bis nach Arusha. Eine der wenigen sehr gut ausg  ebauten Straßen, unser Reisebus konnte bequem 100kmh fahren. Alles flog vorbei. Das frühe Getümmel in Daressalaam, Menschen, Waren, Häuser, Buden. Landschaften. Steppige, trockene Weite. Grüne, fruchtbare Bananenpalmenwälder. Ein umgekippter Laster. Landwirtschaft. Traditionelle Häuser. Menschen im Alltag. Unerwartetes. Klischeebilder. Irgendwann dann die ersten Berge. Arusha liegt auf 1400 über dem Meeresspiegel. Der (Mount) Meru. Wir kommen an. Sehen reiche Seiten der Stadt. Grüner und weniger – für europäische Verhältnisse immer noch sehr viel – Müll. Und das, was wir von “Afrika” irgendwie erwarteten. Arusha ist von Gegensätzlichkeiten geprägt: Sitz verschiedener ostafrikanischer Institutionen, UNO-Gebäude (Aufarbeitung des aus dem Hutu-Tutsi Konflikt resultierenden Genozids), Luxushotels, das aufstrebende Tansania, Kongresse, westliche Luxussafaritouristen, Supermarkt für Reiche. Markt, staubige Straßen, kleine Buden, fliegende Händler, Alltag und Leben draußen, Essen überm Feuer, Schlaglöcher, Kinder, Altkleider (...), Tiere, Gerüche, Wärme, möglicherweise Dinge die nach Fotos als “Armut” oder “Elend” bezeichnet werden würden... Eine vielseitige Stadt, eine andere Stadt, die meine Einsatzstellenpartnerin (ESTP) Heide und ich nun kennen lernen. Alles ist anders, ich bin komisch Vor ein paar Tagen ereignete sich etwas sehr Komisches: Heide und ich stellten nach der Arbeit fest, dass
wir komisch sind. Wir essen komische Dinge, in komischen Portionen, zu komischen Zeiten... Während ich diese Begebenheit in mein Notizbuch schrieb (im Stehen, meine Oberschenkel dienten als Unterlage), sammelte sich eine Traube von Schulkindern um uns und wollten wissen, was wir da tun würden. Selbst wenn man feststellen möchte, dass man komisch ist, ist man also komisch! Komisch... Diese Situation ist wohl beispielhaft für viele Dinge, die wir hier erleben. Wir sind einfach anders. Die Wazungu (=Weiße/ Europäer), denen man diese Bezeichnung oft auch hinterherruft. Weiß (bzw. wurden auch schon als rot bezeichnet) und damit auffällig. Auffällig anders. So, wie wir für die Tansanier anders sind, so ist hier alles anders für uns. Wirklich alles. Die Umgebung, das Klima, das Essen, der Tagesablauf, die Normen, die Werte, das Leben... Alles!!! Es ist aufregend und spannend. Und abends fallen wir hundemüde ins Bett. Ich kann das, was ich um mich herum erlebe, nicht “richtig” einordnen. Versuche ich es, scheitere ich. Merke, dass ich nach meinen Erfahrungen werte. Trage eine Brille der Marke Eurozentrismus. Auf Zehenspitzen nähere ich mich der tansanischen Kultur. Versuche dabei an meiner Brille vorbeizuschielen. Heide und ich verbringen momentan sehr viel Zeit mit Gesprächen über unsere Eindrücke. Tagebuch schreiben. Reflektieren. Den Eindruckswust bearbeiten. Manchmal strotze ich vor Energie, staune, fühle Aufregung, Spannung und -so blöd das auch klingt – Abenteuer. Freue mich über jede Kleinigkeit, die anders ist. Manchmal bin ich aber auch müde, gar nicht negativ gemeint, einfach nur müde. Immer über alles nachzudenken. Egal was ich tue, mein Verhalten ist anders und wird anders wahrgenommen, als ich es vielleicht meine. Egal wo ich bin, ich kann mich den Eindrücken nicht entziehen. Ihr merkt sicherlich, dass viel in mir und um mich geschieht. Gleichzeitig versuche ich euch ein Bild von dem zu vermitteln, was passiert. Schwer, da ich es selber noch nicht begriffen habe. So konnte ich meiner Mutter am Telefon auf die Frage “Wie ist es denn bei dir? Was ist anders?” nicht wirklich antworten. Und kann euch diese Frage nun auch nicht beantworten. Diese Rundmail widmet sich wohl erst einmal meinen Eindrücken und dem Alltag. Falls ihr ganz konkrete Fragen habt, stellt sie gerne. Dann weiß ich wo ich vielleicht langsam anfangen kann... Aber ich habe ja schließlich auch noch ein Jahr Zeit! :-) Einsatzstelle KAKUTE Limited  Meine Einsatzstelle ist eine tansanische Firma, die sich mit der Verbereitung von Techniken um Erneuerbare Energien in ländlichen Regionen auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht verbessern.dabei die Jatrophapflanze. Momentan bin ich dabei KAKUTE (“Kampuni ya Kusambaza Teknolojia” = The Company for Technology Dissemination and Training) kennen zu lernen. Strukturen, Mitarbeiter, Arbeitsfelder, Zielsetzung etc. Auf dem Foto seht ihr mich mit Mama Baraka vor dem Office. Sie ist so etwas wie die gute Seele von KAKUTE. Hat Heide und mich bereits adoptiert, eine unglaublich herzliche und warme Persönlichkeit, meine neue Zweitmama. Und da sie nur Kiswahili spricht, hilft sie uns sehr unsere Sprachkenntnisse zu Unser Chef begrüßte uns bei unserem ersten Treffen in Daressalaam bereits mit den Worten “my new daughters”. Wir fühle uns also rundum wohl. Mehr zu KAKUTE und meiner Tätigkeit gibts ein anders Mal... Unterkunft. Wohnungssuche. Klosterleben. Da unsere Vermieterin Absprachen mit unseren Vorgängern gebrochen hat, zogen wir nicht in die geplante Wohnung und aus Budgetgründen werden wir bald umziehen. Momentan wohnen in einem Kloster und haben uns gut in die Gemeinschaft kenianischer und tansanischer Philosophiestudenten bzw. zukünftiger Priester eingelebt. Viele interessante Gespräche: Meine drei Geschwister sind wenig. Es gibt immer noch Polygamie. Dafür in Deutschland gleichgeschlechtliche Ehen. Heide ist Vegetarierin, schwer zu erklären. Freizeitbeschäftigungen. AIDS, Krankheiten. Das Afrikabild in Europa. Gestern Korruption (laut Student 80% der Politiker, kein Vertrauen) und Ideen fürs Karl Marx Referat (da lob ich mir mein Schulwissen). Fußballspiel anschauen, einmal Geburtstag feiern nach gemeinsamen Essen: Singen, Tanzen, Spiele spielen. Jatrophaseife, Schrankvokabeln, Kochbananen, Erdnussbutter, Nobite, Feilschen, Kochen, Listen schreiben... Nach dem Aufstehen wird sich eiskalt geduscht. Natürliche Jatrophaseife benutzt. Vielleicht noch die Schrankvokabeln (Kreide auf Schrank) wiederholt. Dann gehts in die Küche nebenan. Abgekochtes Wasser in die Trinkflaschen umfüllen. Neues für den Chai kochen. Hier üblicher Schwarztee mit mindestens zwei Löffeln Zucker, wahlweise noch Ingwer. Meist Reis oder seid neustem auch Haferbrei mit gebratenen Bananen und Erdnussbutter, sehr untypisches Frühstück. Möglicherweise noch tansanischer Instantkaffee. Konsumieren fast nur Produkte
 aus Tansania und Kenia. Bei Essen gut möglich, andere Produkte oft made in china. Dann gehts los, Geldgürtel mit Reisepasskopie, Wörterbuch, Notizbuch einpacken. Draußen ist es baridi (=kalt), für uns sehr angenehm. Vielleicht etwas unter 20°C, leider kein Thermometer. Sehen immer wieder Tansanier mit Winterjacken. Wir laufen den Weg zur Arbeit, grüßen die Menschen die uns entgegen-kommen auf Kiswahili. Habri yako? (=Was gibts Neues/Wie gehts) Nzuri sana. (=Sehr schön). Frauen in bunten Stoffen (Kangas: Tücher mit Muster und Spruch), Dinge auf dem Kopf. Moderne gekleidete Menschen. Zu Alten sagt man Shikamoo (=Ich küsse deine Füße). Viele Kinder. Wäscheleinen, Ziegen, Hühner. Das alles zwischen den reichen Häusern dieser Gegend. Holen uns möglicherweise noch tansanisches Frühstück bei Mama Monica. Bretterverschlag neben modernem Gebäude. Chapati (so was wie Pfannkuchen) oder Andazi (frittierter Hefeteig). Um 3 (also 9) Uhr dann bei KAKUTE. Die Swahili-Zeit fängt um 6 mit Stunde 0 an. Logisch, schließlich geht da auch die Sonne auf. Um 9:30 (na?) von KAKUTE aus ins Internetcafe (langsam, aber da!), nach Hause oder mit dem Daladala in die Stadt. Auf dem Markt einkaufen. Waren, Stimmung, Menschengewirr. Müll vermeiden, dieser liegt rum oder wird verbrannt. Immer den Meru im Blick. Zuhause kochen. Reis, Ugali (Maismehl+Wasser, wird hart) oder Kochbananen (schmecken wie Kartoffeln!), dazu gebratenes Gemüse. Öl, Erdnussbutter und Avocado bis jetzt Fettlieferanten. Außer ab und an etwas Milch und Eiern leben wir automatisch vegan. Handwäsche. Um 7 ist Nacht, dunkel. Lange Kleidung, Nobite. Tür auf, nur wenn Licht aus ist. Listen schreiben, Arbeitsideen, Tagebuch. Dies und das. Moskitonetz checken. Auch wenn es hier kaum infizierte Mücken gibt. Reden. Licht aus. Müde sein. Eindrücke verarbeiten. Usiku mwema (=gute Nacht)! Eure Anna aus Arusha |