Seit drei Monaten lebe ich in meiner Gastfamilie in Matemwe, an der Ostküste der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar. Matemwe ist ein kleines Fischerdorf, an dessen weitem Strand ein paar Hotels zu finden sind und in welchem es seit Februar 2008 die Frauenkooperative „Dada“ (große Schwester) gibt, in der ich als Freiwillige der DTP arbeite. Das Projekt wurde von der Nichtregierungsorganisation „solarafrica.network“ ins Leben gerufen und trainiert Frauen in der Herstellung von Lebensmitteln und Seifen, welche an Hotels verkauft werden. Dies ermöglicht den Frauen, neben der schlecht bezahlten Arbeit des Algen Erntens, für sich und ihre Familien ein Zubrot zu verdienen. Dabei lernen sie auch den Umgang mit Energiesparlehmöfen, Solarkochern und –Trocknern und in Planung ist die Benutzung des Solarbackofens. Meine beiden Gastmütter arbeiten auch in der Kooperative. Mein Gastvater hat zwei Frauen, was auf Sansibar nicht ungewöhnlich ist, und zehn Kinder, was auch keine Ausnahme darstellt. In meinem sansibarischen Zuhause gibt es keinen Strom und kein fließend Wasser. Nach Einbruch der Dunkelheit erleuchten Petroleumlampen das Haus und Wasser holen wir normalerweise von unseren Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Diese haben die öffentliche Wasserleitung angezapft (ansonsten gibt es auch entlang der Straße in einigen Abständen öffentliche Wasserhähne). Am Abend des 4. November saß ich wie gewöhnlich mit meiner Gastfamilie auf der großen Matte (Mkeka) im Wohnzimmer zum Abendessen (Chajio), als die Frauen und Kinder plötzlich aufsprangen, alle verfügbaren Wassereimer schnappten und auf die Straße rannten, wo ein Wasser-Tank-Wagen angehalten hatte. Ich wunderte mich doch sehr über dieses, für mich bis dahin noch ganz unbekannte Schauspiel. Warum war meine Gastfamilie nur so erpicht darauf, vom Tank-Wagen Wasser zu bekommen, wo es doch derselbe Weg bis zur Wasserleitung bei unseren Nachbarn ist? Als sich alle wieder zum Essen eingefunden hatten, schnappte ich ein paar Worte über „Maji“ (Wasser) und „bovu“ (kaputt) auf und fragte nach, was denn los sei. Mir wurde berichtet, dass eine Wasserpumpe kaputt sei und kein Wasser mehr in der öffentlichen Leitung fließe, das aber in ein paar Tagen wieder repariert wäre. Es wurden drei Wochen daraus, in denen ich die Ressource Wasser noch einmal ganz anders zu schätzen lernte. In Deutschland drehen wir einfach den Wasserhahn auf, können uns waschen und kochen, haben Strom und Energie um Waschmaschine und Ofen zu benutzen. Hier im ländlichen Sansibar schleppen die Menschen ihr tägliches Wasser in Eimern ins Haus, entweder von einem Wasserhahn oder einem Brunnen und kochen auf Drei-Steine-Feuern. Die drei Wochen, in denen wir kein Wasser hatten sind wir entweder zu einem Brunnen gelaufen, der eine Stunde entfernt liegt (Hin-und Rückweg) oder wir hatten Glück und oben beschriebenes Schauspiel mit den Tank-Wagen ereignetet sich nach Einbruch der Dunkelheit, dann eben auch mit mir als Mitwirkende (das von den Wagen transportierte Wasser wurde in der Zeit von den Hotels am Strand gekauft). Wasser zum Waschen haben wir in den drei Wochen sehr rationiert. Ich habe da am Tag vielleicht 3 Liter verbraucht. Trinkwasser habe ich teilweise dazu gekauft, da ich der Qualität des Brunnen- und Tank-Wagen-Wassers nicht so recht trauen mochte (trotz Zugabe von Micropur Wasseraufbereitung). So habe ich jetzt auch einen großen Vorrat an Plastikflaschen und damit Möglichkeiten, mein Wasser zu lagern. Was erstaunlich zu beobachten war, in der Zeit „ohne Wasser“, ist die Gelassenheit, mit der die Einheimischen die Situation meisterten. Es standen jetzt überall bunte Wassereimer an der Straße (in der Hoffnung ein Tank-Wagen hielte an) und die Menschen kannten eben auch Ausweich-Wasserstellen. Die Männer schnürten sich zu Wasserkanistern umfunktionierte ehemalige Palmöl-Kanister an ihre Fahrräder, um mit einer Fahrt gleich etwas mehr holen zu können. Die Erfahrung mit (Trink-) Wasserknappheit hat mich gelehrt, die kleinen alltäglichen Dinge schätzen zu wissen. Ich denke, das ist auch ein guter Wunsch, für das bevorstehende Weihnachtsfest. Deshalb wünsche ich Ihnen und Euch allen viel Zeit zur Besinnung und viele schöne Stunden mit Familie und Freunden. Ich werde das diesjährige Weihnachten zusammen mit den anderen DTP-Freiwilligen auf Sansibar verbringen und vom 3. bis 9. Januar das Zwischenseminar der DTP in Bagamoyo (nördlich von Dar es Salaam) besuchen. |