weltwärts Ein Dorf wird elektrifiziert, ...
Ein Dorf wird elektrifiziert, ... Drucken
... das war der Hintergrund einer Reise, die ich Mitte Februar gemacht habe.

Es ging um das 4000 Einwohner große Dorf Katoro im Norden von Tansania. Dieses kleine Dorf liegt an der Straße zwischen Mwanza am Victoriasee und Bukoba. Nach einem Kurzbesuch in Arusha ging es für mich am 10. Februar von dort aus mit dem Bus nach Mwanza, wo ich dann meinen Chef treffen sollte, um mit ihm dann weiter bis Katoro zu reisen. Doch erst einmal hieß es ankommen. Wie ich nachher herausfand, war es gut, dass der Bus schon ziemlich früh morgens um fünf Uhr in Arusha abgefahren ist. Bei einer späteren Abfahrtszeit hätte ich mir den Bus etwas genauer ansehen können und es mir wohl noch einmal überlegt, ob ich da wirklich einsteigen will. So konnte ich nur das Beste hoffen. Das es nicht das beste Modell war, das die Busgesellschaft zu Verfügung hatte, stellte sich schon ziemlich bald heraus. Nach nur drei Stunden Fahrt hieß es auf einmal mitten im Nichts, in einem kleinen Dorf, „STOP“. Der Kühler war undicht. Da sich in der Ersatzteilkiste natürlich kein passender Ersatz finden ließ, musste aus Arusha jener besorgt werden. Nachdem dieses kleine 200 Seelen Dorf dann sehr wahrscheinlich das Geschäft des Jahres gemacht hatte, ging es nach fünf Stunden Warten endlich weiter. Dass ich in einem Bus sitze, hatte ich zwischenzeitlich schon fast wieder vergessen. Da ¾ der Strecke nach Mwanza nicht geteert sind, befand ich mich gefühlt ca. die Hälfte der Strecke in der Luft. Nach einiger Zeit konnte ich je nach „Fluglänge“ die Tiefe des Schlaglochs abschätzen, welches ein achterbahnartiges Gefühl in mir verursachte. Da der Bus durch die fünf Stunden Wartezeit ziemlich in Verzug geraten war und in Tansania ab 22 Uhr abends Fahrverbot für Personenbusse gilt, hielt dieser dann auch pünktlich um 22 Uhr in einem etwas größeren Dorf an und es hieß: „Gute Nacht“. Da der Bus, wie schon erwähnt, nicht zur Highclass gehörte, war die Nacht dementsprechend nicht gut. Auf sehr harten Sitzen, auf denen es sich nicht länger als zehn Minuten in einer Position aushalten liess. Nach gefühlten zehn Minuten Schlaf setzte der Bus dann um fünf Uhr morgens seine Fahrt, jetzt endlich auf geteerten Straßen, fort. Um neun Uhr kam ich dann endlich in Mwanza an. Da mein Chef im Hotel natürlich auch ein Zimmer für mich gebucht hatte, konnte ich mich dort wenigstens noch ein wenig frisch machen, bevor es dann auf die Fähre über den Victoriasee ging. Auf der Fähre stiegen wir dann direkt in den Bus ein, der uns nach Katoro brachte, wo wir nach weiteren zwei Stunden ankamen. Nach einem kleinen Rundgang durch das Dorf und Gesprächen mit den Einwohnern ging es abends, nach 42 Stunden ohne Schlaf, endlich ins Bett.

Nun aber erst einmal dazu, worum es bei diesem Projekt geht.
Durch Tankstellen und Autowerkstätten fällt in Tansania ziemlich viel Altöl an. Da es dafür kein Entsorgungssystem gibt, landet dies meistens im Graben oder auf der Straße. Dementsprechend ist auch der Zustand des Bodens und die Qualität des Grundwassers in der Region. Darüber, dass das Wasser 100 Meter weiter an einem Brunnen immer noch mit Öl verseucht ist, machen sich die Dorfbewohner keine Gedanken. Ohne Wasser geht es schließlich auch nicht. Also hat sich mein Chef vor einigen Jahren gedacht, wenn es von dem Altöl so viel gibt, wieso sollte man es nicht als Kraftstoff wiederverwerten. Nach einigen defekten Dieselmotoren und Generatoren hatte er dann eine Kombination gefunden, mit der sich aus altem Hydrauliköl, das in einen Dieselmotor gegeben wird, welcher wiederum einen Generator antreibt, Energie gewinnen lässt. Da das Öl im Vergleich zu Diesel, der ca. 1300 Tansanische Shilingi, nur etwa 400 Shilingi pro Liter kostet auch noch ziemlich günstig ist, lässt sich somit auch ziemlich günstiger Strom produzieren. Das das Verbrennen von Öl ohne spezielle Filter extrem die Umwelt belastet, bleibt wohl außer Frage, aber die Alternative die in Tansania praktiziert wird, ist auch nicht besser.
Da in Tansania die meisten Dörfer ohne Strom sind, hat sich REDCOT nun ein Dorf ausgesucht, in dem man als Stromanbieter mit Altölgeneratoren Strom produzieren und verkaufen will. Seit Mitte Dezember sind nun schon Mitarbeiter von REDCOT dabei, die Generatoren aufzubauen und provisorische Überlandleitungen zu verlegen. Außerdem mussten kleine Häuser gebaut werden, da die Generatoren an der freien Luft, keinen im Umkreis von 100 Metern mehr hätten schlafen lassen, aufgrund der Geräuschbelästigung.
Mein Chef wollte sich nun mal einen Überblick verschaffen, wie das Projekt sich entwickelt und ich konnte mir auch das erste Mal so ein großes Projekt ansehen. Nach sechs Tagen hieß es dann wieder ab nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Generatoren installiert die Energie produzieren, 60 Haushalte angeschlossen (darunter vier Gasthäuser) und eine Batterieladestation. Geplant ist es, das ganze Dorf mit Strom zu versorgen. Bezahlt wird bis zum jetzigen Zeitpunkt je nachdem, wie viele Lampen, Fernseher oder sonstige Geräte man versorgen will. In Zukunft soll das, bis jetzt sehr unprofessionell aussehende Projekt, mit Geld von der Regierung zukunftsfähig gemacht werden. Dann würden Stromzähler und richtige Hochspannungsleitungen installiert und weitere Generatoren angeschlossen werden. Da REDCOT bis jetzt schon sehr viel eigenes Kapital in dieses Projekt gesteckt hat, soll dieses in Zukunft mit Geldern der Regierung zukunftsfähig gemacht werden. Aber dadurch, das jeden Tag mehrere Bewohner von Katoro schon mit Geld für mehrere Monate Strom in der Hand zum verwaltenden Haushalt kommen ist erst einmal sicher gestellt, dass das Projekt noch eine Zeit lang weiter laufen wird und REDCOT mit Unterstützung der Regierung dieses dann weiterführen und ausbauen kann.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. März 2010 um 07:01 Uhr
 

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