Qualität ist uns wichtig!  | weltwärts "Hamna umeme!" - Ganz Sansibar sitzt fuer drei Monate im Dunkeln| "Hamna umeme!" - Ganz Sansibar sitzt fuer drei Monate im Dunkeln |  |
Es ist Donnerstag der 10.12.09, ca. 19.30 Uhr, ich komme gerade von einer Hochzeit zurück und bin seit einer halben Stunde wieder zuhause, als die Lichter auf ganz Sansibar erlöschen. Stromausfall!! Das ist nichts ungewöhnliches, das kommt hier öfters vor, manchmal nur ein paar Minuten, manchmal aber auch mehrere Stunden. Daher denkt sich keiner etwas dabei. Man zündet die zwei Kerosinlampen bei uns zu Hause an und verbringt den Rest des Abends draußen vor dem Haus mit Reden. Doch schon am nächsten Morgen wird über das Radio die Meldung verbreitet, dass das Unterseekabel vom Festland, die einzige Stromverbindung Sansibars, durchgebrannt ist. Somit heißt es nun endgültig: „Hamna umeme!“ (es gibt keinen Strom!). Die Ersatzteile sowie der Technikexperte müssen erst eingeflogen werden, das heißt bis dahin hat ganz Sansibar keinen Strom. Die Regierung hat versprochen, das Problem innerhalb einer Woche zu beheben, doch es vergehen ganze 3 Monate (!) bis Sansibar wieder leuchtet. Am Anfang rechnet keiner damit, dass es so lange dauern wird und jeder meint zu wissen, wann der Strom wieder kommt. “Morgen schalten sie den Strom wieder an!“, hört man sie sagen oder andere: „Ich habe gesehen, dass die Ersatzteile geliefert wurden, am Montag ist es so weit!“. Mit der Zeit werden die Vermutungen weniger und seit Anfang Januar heißt es in den Nachrichten: „Am 20.Ferbuar, umeme tayari (Stromversorgung fertig)!“ Mitte Februar dann die Meldung: Ende Februar ist es so weit. Doch die Tage vergehen und das Datum wird auf Mitte März verschoben. Inzwischen glaubt kaum einer mehr den Versprechungen der Regierung, und man hat sich mehr oder weniger damit abgefunden, dass es keinen Strom gibt. Doch am Montag, den 08.03.10 macht sich eine leichte Unruhe breit. Man hört aufgeregte Gespräche und Telefonate, ein unruhiges Gewusel und die Geschäftsleute stocken ihre Geschäfte auf. Der Grund dafür: Seit Sonntag wird über die Medien die Anweisung verbreitet, alle Geräte auszuschalten bzw. auszustecken, da am Montag der Strom wieder kommen soll und die Geräte kaputt gehen könnten. Jeder, den ich an diesem Montag treffe, fragt mich: „Gibt es schon Strom, da, wo du gerade herkommst?“ – „Hast du den Strom schon gesehen?“ Und mir wird berichtet: „ Ich habe gerade mit dem und dem geredet/telefoniert, bei ihnen gibt es schon Strom.“ Und tatsächlich, um 18.55 Uhr ist es auch endlich bei uns zu Hause so weit und die Lichter gehen wieder an. Die Kinder rennen jubelnd und auf ihre gelben Wasserkanister klopfend durch die Straßen, die Musikanlagen werden aufgedreht und lauter „Bongo Flava“ und Taraab ertönt. Die Freude ist groß, kein Wunder nach 88 Tagen ohne Strom. Ein ¼ Jahr, ein ¼ meines Aufenthalts in Tansania habe ich ohne Strom verbracht.
Dass es für so lange Zeit keinen Strom gab, stellte ein großes Problem dar, da so vieles davon abhängig ist. Die Hotels gaben ein Vielfaches ihrer Jahresausgaben für Generatoren aus und zwei große Trinkwasserhersteller auf Sansibar mussten schließen, weil sie sich die Generatoren nicht mehr leisten konnten. Doch am meisten traf es die kleinen Leute, die mit Strom versuchen ein bisschen Geld zu verdienen. Alle, die auch noch so kleine Geschäfte betreiben wie selbst hergestellte Säfte, oder wie bei mir zu Hause in der Gastfamilie, Wassereis und Eiswürfel zu verkaufen, verloren zum Teil ihre einzige Einnahmequelle. Denn ohne Strom kein Kühlschrank/ Gefriertruhe und somit kein Eis bzw. kaltes Wasser oder Getränke. Das größte Problem bei diesem Stromausfall war jedoch die Trinkwasserversorgung. Da die Wasserpumpen ohne Strom auch nicht funktionieren, gab es auch kein Wasser. Deshalb musste das Wasser für teures Geld von weit her transportiert werden, wo es einen Generator gab. Denn nicht jeder kann sich die teuren Miet- und Benzinpreise für Generatoren leisten, und so stiegen die Wasserpreise extrem.
Die Leute nehmen weite Wege auf sich um an Wasser zu kommen, und so sah man auf den Straßen so manche ausgefallene Transportmöglichkeit für die gelben Wasserkanister, von normalen Autos über Motorroller, Fahrräder bis zu selbstkonstruierten Handkarren. An manchen Tagen kam auch ein großes Wasserauto (manchmal auch ein umfunktionierter Betonmischer) vorbei, das entweder von der Regierung oder einem der Telefonanbieter gesponsert wurde und Wasser umsonst verteilte. Bei uns zu Hause hatten wir Glück, dass unsere Nachbarn am 3. Tag des Stromausfalls einen Generator besorgen konnten und wir unsere Kanister nur wenige Meter schleppen mussten. Doch es kamen viele Leute aus der ganzen Nachbarschaft und so stapelten sich die bunten Eimer vor den Wasserhähnen, so dass ich teilweise schon frühmorgens geweckt wurde um unsere Eimer möglichst weit vorn zu platzieren. Eines Abends sind wir auch um 23 Uhr noch mal los um Wasser bei der Moschee zu holen, nachdem der Generator für 2 Tage ausgefallen war. Das Geschäft mit den Generatoren boomte, und wenn man durch die schmalen Gassen von Stone Town lief konnte man sich kaum unterhalten, da überall die Generatoren brummten. Doch die Nutzung von Generatoren ist nicht ungefährlich, und so kam es auch zu zahlreichen Unfällen. Ganze Familien starben an Rauchvergiftung nachdem sie über Nacht den Generator im Wohnzimmer laufen ließen, andere holten sich schlimme Verbrennungen als ein Generator Feuer fing und viele Geräte gingen kaputt oder explodierten, wenn der Generator zu hohe Spannungen lieferte. Ansonsten gingen die täglichen Geschäfte weiter wie zuvor, doch „umeme“ und vor allem die Wasserversorgung waren tägliche Gesprächsthemen. Für mich persönlich stellte der Stromausfall kein großes Problem dar. Ich hatte mich schnell daran gewöhnt, keine kalten Sodas mehr kaufen zu können und die Abende ohne Licht zu verbringen. Denn Dank meines Afrophones hatte ich immer eine Taschenlampe bei mir. Und so war es eine richtige Umstellung für mich, als der Strom plötzlich wiederkam. In den ersten Tagen lief ich manchmal in mein Zimmer um etwas zu holen ohne das Licht an zu machen, da ich vergessen hatte, dass der Strom wieder da ist. Selbst jetzt freu ich mich noch jedes Mal, wenn ich den Lichtschalter betätige und das grelle Deckenlicht angeht. Es sei denn, wir haben mal wieder einen der üblichen Stromausfälle… | | Jetzt spenden! 100% für Projekte! |