„Was macht der da?" fragte uns ein Lehrer einer Internationalen Schule aus Dar Es Salaam, der uns im MOTO-Workshop in Pete - einem kleinen Dorf auf Sansibar - besuchen kam, während er weiterhin auf Said starrte. Said, unser Einsatzstellenleiter, war gerade damit beschäftigt ein paar Stoffe mithilfe eines Drei-Steine-Feuers zu färben, wie er es eigentlich immer machte. Vielleicht lässt sich die Verwunderung des Lehrers durch die eigentliche Idee hinter dem MOTO-Projekt erklären, das damit wirbt, dass fair und vor allem umweltfreundlich hergestellte Taschen, Hüte, und traditionelle Gewänder vertrieben werden. Das Benutzen eines Drei-Steine-Feuers, das Unmengen an Feuerholz verbraucht, passt da nicht so ganz in diese Philosophie... Deswegen setzten mein Einsatzstellenparter Andi und ich uns mit unseren beiden Einsatzstellenleitern Said, sowie Antje Förstle zusammen, um nach Alternativen zu suchen. Schnell landeten wir dann bei Lehmherden, die relativ einfach zu bauen, sowie kostengünstig in der Anschaffung sind. In den Frauen-Kooperativen des MOTO-Projekts werden für das Färben normalerweise Solarkocher eingesetzt, doch haben diese einen großen Nachteil gegenüber Lehmherden: Sie sind wahnsinnig teuer - ungefähr 200 Dollar das Stück - was in Pete für die meisten Menschen einfach unerschwinglich ist. Lehmherde haben hingegen viele Vorteile: Sie sparen Feuerholz, was zum Einen hilft die Abholzung der Wälder zu reduzieren, was sich positiv auf den Umwelt- bzw. Klimaschutz auswirkt, zum Anderen rechnen sie sich dadurch natürlich auch ökonomisch gesehen: Wo wenig Feuerholz verbraucht wird, muss von den Haushalten auch nur wenig gekauft werden. Auch haben sie klare Vorteile für die Gesundheit der Benutzer, sofern sie mit einem kleinen Schornstein ausgestattet werden. Also eigentlich alles klar? Nicht ganz. Auf der Welt wurden inzwischen viele, sehr viele Lehmherdprojekte gestartet, doch auf unserer Suche nach Bauplänen stießen wir auch auf ziemlich viele Projekte, die sich im Nachhinein als nicht nachhaltig erwiesen... Die Gründe dafür sind äußerst vielfältig und die meisten bleiben einem wohl als Freiwilliger, der hier nur für ein Jahr zu Gast ist, verborgen. Ein Nachteil aber z.B. ist, dass Lehmöfen nicht nass werden dürfen, also schon mal ein Dach benötigt wird. Im MOTO-Workshop haben wir dieses Wellblechdach dann auch gleich mit einem Regenauffangsystem ausgestattet, das in einen 3000l Wassertank mündet. Gerade auf Sansibar wird die Wasserversorgung immer wichtiger, da manche Brunnen schon zu versalzen beginnen. Diese Dramatik wird gerade durch den Klimawandel zunehmend verstärkt werden. Gemeinsam mit Idrissa, von allen eigentlich nur „Idi" genannt, einem Schüler aus Pete, wollten wir dann auch unser erstes eigenes Projekt in Angriff nehmen: So saßen nun also drei Jugendliche zusammen, die in ihrem bisherigen Leben noch nie einen Lehmherd zusammengebaut haben, geschweige denn Erfahrungen mit der richtigen Lehm/Sand-Mischung besaßen. Doch diese kollektive Unwissenheit kann auch als Chance begriffen werden: Denn so wurde wirklich gemeinsam an der Umsetzung dieser Idee gebastelt; mal kamen die Vorschläge von Idi, ein anderes Mal kamen sie von Andi oder mir. Zugegebenermaßen widmeten wir uns zu Beginn einem etwas einfacheren Lehmherd: Daher wurde ein normales Dreisteinefeuer praktisch mit einem Lehm-Sandgemisch umrundet, mit einer kleinen Aussparung für das Feuerholz. Schon der zweite Lehmherd hingegen stellte sich als etwas komplexer heraus und wir waren auf eine Anleitung aus der Reihe „Einfälle statt Abfälle" angewiesen. Das Ergebnis, das mit viel filigranem Fingerspitzengefühl hergerichtet wurde, kann sich aber sehen lassen: So sieht der Lehmherd mit seinen zwei Topfaussparungen und dem Alu-Rauchabzug schon mehr nach einem „richtigen" Haushaltsgerät, als nach einem zusammengebastelten Lehmkonstrukt aus! Lehmherd Nummer drei besteht aus einer von Lehm umrundeten Milchpulverdose und einem Rauchabzug, der durch drei zusammenhängende Limodosen improvisiert wurde. Inzwischen ist in Pete auch das Interesse an Lehmherden gestiegen und momentan laufen gerade die Vorbereitungen, um im Haus von Idis Familie einen weiteren Herd bauen zu können. Aber auch der Besitzer unserer lokalen Chipsibude (dt.: Pommesbude) sprach uns schon auf unser Vorhaben an. Ob dieses Projekt nun nachhaltig ist, oder die Lehmherde nach unserem Abflug verroten werden - was sie verdammt gut können, wenn sie nicht regelmäßig gewartet werden - werden wir wohl erst in ein, zwei Jahren sehen... Doch werden mir von diesem Projekt wahrscheinlich weniger die Lehmherde an sich in Erinnerung bleiben, als vielmehr die Zusammenarbeit mit den Sansibaris, ganz besonders mit Idi: Während, vor und nach der Arbeit blieb viel Zeit für Gespräche, sei es über Fußball, über Religion, sowie für das Anschauen von tansanischen Familiensoaps und für gemeinsame Kochversuche. Ich glaube, dass wir in dieser Zeit ziemlich viel voneinander gelernt haben - nicht nur, wie man denn nun einen Lehmherd zusammenbaut. Als ich dann einmal unser Milchdosen/Limodosenkonstrukt mit einem recht misstrauischen Blick beäugte, meinte dann Idi auch nur mit seiner immerzu beruhigenden Art: „Tobi, wir benutzen hier mal kein Buch, sondern unseren Kopf!" Na denn! „Was macht der da?“ fragte uns ein Lehrer einer Internationalen Schule aus Dar Es Salaam, der uns im MOTO-Workshop in Pete - einem kleinen Dorf auf Sansibar - besuchen kam, während er weiterhin auf Said starrte. Said, unser Einsatzstellenleiter, war gerade damit beschäftigt ein paar Stoffe mithilfe eines Drei-Steine-Feuers zu färben, wie er es eigentlich immer machte. Vielleicht lässt sich die Verwunderung des Lehrers durch die eigentliche Idee hinter dem MOTO-Projekt erklären, das damit wirbt, dass fair und vor allem umweltfreundlich hergestellte Taschen, Hüte, und traditionelle Gewänder vertrieben werden. Das Benutzen eines Drei-Steine-Feuers, das Unmengen an Feuerholz verbraucht, passt da nicht so ganz in diese Philosophie... Deswegen setzten mein Einsatzstellenparter Andi und ich uns mit unseren beiden Einsatzstellenleitern Said, sowie Antje Förstle zusammen, um nach Alternativen zu suchen. Schnell landeten wir dann bei Lehmherden, die relativ einfach zu bauen, sowie kostengünstig in der Anschaffung sind. In den Frauen-Kooperativen des MOTO-Projekts werden für das Färben normalerweise Solarkocher eingesetzt, doch haben diese einen großen Nachteil gegenüber Lehmherden: Sie sind wahnsinnig teuer - ungefähr 200 Dollar das Stück - was in Pete für die meisten Menschen einfach unerschwinglich ist. Lehmherde haben hingegen viele Vorteile: Sie sparen Feuerholz, was zum Einen hilft die Abholzung der Wälder zu reduzieren, was sich positiv auf den Umwelt- bzw. Klimaschutz auswirkt, zum Anderen rechnen sie sich dadurch natürlich auch ökonomisch gesehen: Wo wenig Feuerholz verbraucht wird, muss von den Haushalten auch nur wenig gekauft werden. Auch haben sie klare Vorteile für die Gesundheit der Benutzer, sofern sie mit einem kleinen Schornstein ausgestattet werden. Also eigentlich alles klar? Nicht ganz. Auf der Welt wurden inzwischen viele, sehr viele Lehmherdprojekte gestartet, doch auf unserer Suche nach Bauplänen stießen wir auch auf ziemlich viele Projekte, die sich im Nachhinein als nicht nachhaltig erwiesen... Die Gründe dafür sind äußerst vielfältig und die meisten bleiben einem wohl als Freiwilliger, der hier nur für ein Jahr zu Gast ist, verborgen. Ein Nachteil aber z.B. ist, dass Lehmöfen nicht nass werden dürfen, also schon mal ein Dach benötigt wird. Im MOTO-Workshop haben wir dieses Wellblechdach dann auch gleich mit einem Regenauffangsystem ausgestattet, das in einen 3000l Wassertank mündet. Gerade auf Sansibar wird die Wasserversorgung immer wichtiger, da manche Brunnen schon zu versalzen beginnen. Diese Dramatik wird gerade durch den Klimawandel zunehmend verstärkt werden. Gemeinsam mit Idrissa, von allen eigentlich nur „Idi“ genannt, einem Schüler aus Pete, wollten wir dann auch unser erstes eigenes Projekt in Angriff nehmen: So saßen nun also drei Jugendliche zusammen, die in ihrem bisherigen Leben noch nie einen Lehmherd zusammengebaut haben, geschweige denn Erfahrungen mit der richtigen Lehm/Sand-Mischung besaßen. Doch diese kollektive Unwissenheit kann auch als Chance begriffen werden: Denn so wurde wirklich gemeinsam an der Umsetzung dieser Idee gebastelt; mal kamen die Vorschläge von Idi, ein anderes Mal kamen sie von Andi oder mir. Zugegebenermaßen widmeten wir uns zu Beginn einem etwas einfacheren Lehmherd: Daher wurde ein normales Dreisteinefeuer praktisch mit einem Lehm-Sandgemisch umrundet, mit einer kleinen Aussparung für das Feuerholz. Schon der zweite Lehmherd hingegen stellte sich als etwas komplexer heraus und wir waren auf eine Anleitung aus der Reihe „Einfälle statt Abfälle“ angewiesen. Das Ergebnis, das mit viel filigranem Fingerspitzengefühl hergerichtet wurde, kann sich aber sehen lassen: So sieht der Lehmherd mit seinen zwei Topfaussparungen und dem Alu-Rauchabzug schon mehr nach einem „richtigen“ Haushaltsgerät, als nach einem zusammengebastelten Lehmkonstrukt aus! Lehmherd Nummer drei besteht aus einer von Lehm umrundeten Milchpulverdose und einem Rauchabzug, der durch drei zusammenhängende Limodosen improvisiert wurde. Inzwischen ist in Pete auch das Interesse an Lehmherden gestiegen und momentan laufen gerade die Vorbereitungen, um im Haus von Idis Familie einen weiteren Herd bauen zu können. Aber auch der Besitzer unserer lokalen Chipsibude (dt.: Pommesbude) sprach uns schon auf unser Vorhaben an. Ob dieses Projekt nun nachhaltig ist, oder die Lehmherde nach unserem Abflug verroten werden - was sie verdammt gut können, wenn sie nicht regelmäßig gewartet werden - werden wir wohl erst in ein, zwei Jahren sehen... Doch werden mir von diesem Projekt wahrscheinlich weniger die Lehmherde an sich in Erinnerung bleiben, als vielmehr die Zusammenarbeit mit den Sansibaris, ganz besonders mit Idi: Während, vor und nach der Arbeit blieb viel Zeit für Gespräche, sei es über Fußball, über Religion, sowie für das Anschauen von tansanischen Familiensoaps und für gemeinsame Kochversuche. Ich glaube, dass wir in dieser Zeit ziemlich viel voneinander gelernt haben - nicht nur, wie man denn nun einen Lehmherd zusammenbaut. Als ich dann einmal unser Milchdosen/Limodosenkonstrukt mit einem recht misstrauischen Blick beäugte, meinte dann Idi auch nur mit seiner immerzu beruhigenden Art: „Tobi, wir benutzen hier mal kein Buch, sondern unseren Kopf!“ Na denn! |