weltwärts Wie bitte?
Wie bitte? Drucken

Tansanier schmeißen das Geld aus dem Fenster?

Ihr meint, dies wäre eine etwas gewagte Aussage?

Ich sage, es ist eine Tatsache!

Um Gottes Willen, ja hat sie denn nun vollkommen ihren kulturellen Anstand verloren, denkt ihr jetzt?

Sobald Tansanier an eine größere Menge Geld kommen, wird es umgehend bis auf den letzten Schilling ausgegeben. Es werden neue Handys gekauft, das Wohnhaus wird renoviert oder erweitert oder gar einfach fertig gestellt, der Fernseher wird ersetzt, ein Kühlschrank wird gekauft, ein gebrauchtes Auto oder anderes. Mama Jimmy hat Anfang des Jahres einige Monate in Dar es Salaam verbracht, und dort bei verschiedenen Behörden verschiedene Gelder eingetrieben, Pensionsgelder, Abfindungen, Prämien, oder was es nicht alles war. Von diesen angeblich 4 Millionen Schilling hat sie in unserem Wohnhaus eine Decke einbauen lassen, die Terrasse wurde gefliest, auf ihrem anderen Haus wurde das Dach renoviert und bei der Gelegenheit gleich die Wände etwas höher gezogen, ein Durchgangszimmer wurde in eine Garage umgebaut, weitere andere kleinere Änderungen wurden vorgenommen. Und für die neu gebaute Garage wurde dann vor einer Woche der gebrauchte Suzuki Geländewagen aus Zanzibar nach Kyela gebracht. Bedeutet dies, Tansanier würden das Geld aus dem Fenster werfen? Und ob es nicht vielleicht besser wäre etwas Geld einfach zur Seite zu legen, für den Fall, dass irgendwann irgendwelche unerwarteten Ausgaben getätigt werden müssen? Lehne ich mich mit dieser Schlussfolgerung vielleicht selber ein wenig zu weit aus dem Fenster? Die erste Frage möchte ich erst an späterer Stelle beantworten. Ich möchte zunächst aber erzählen, was meinem Kollegen Chaz/Charles widerfahren ist. Letztes Jahr hat Chaz einen Studienplatz mit Stipendium für einen IT-Studiengang in Groß-Britannien angeboten bekommen. Erkonnte ihn nicht wahrnehmen, weil ihm das Geld dazu fehlte. Also entschied er sich dafür bei TMF einen Job als Buchführer anzunehmen und eine Weile dort zu arbeiten, um schließlich genügend Geld gespart zu haben, um sich jenes Studium in Groß-Britannien zu erlauben. Regelmäßig legt er also etwas von seinem Jahresgehalt (2,4 Millionen Schilling) zur Seite. Er hat aus der Sicht einiger Geld. So ist seine Familie vor kurzem auf ihn zu gekommen erzählte er Anna. Nun muss er zwei seiner Nichten finanziell aushalten. Um die 300.000 Schilling monatlich muss er dafür von seinem sowieso schon knappen Gehalt opfern. Traurig und vielleicht auch ein bisschen sauer berichtete er Anna, dass Tansanier deswegen all ihr Geld sofort investieren würden, damit es ihnen niemand anderes aus der Tasche ziehen könnte... Zusätzlich schützt man sich mit diesem Verhalten vor möglicher Inflation, abgesehen davon, dass es ohnehin wenig Möglichkeiten gibt Geld ob bar oder unbar so anzulegen, dass es sich auch für den Investor lohnt. Es scheint also durchaus Sinn zu machen, das Geld schnell z.B. in nützliche Gegenstände oder die Verbesserung des Wohnraums zu investieren.

Warum aber schmeißen denn Tansanier nun das Geld aus dem Fenster?

Eine Busreise in Tansania dauert durchschnittlich 12 Stunden häufig weit mehr, selten kommt man unter 10 Stunden davon. Die Fahrten werden mit, wenn man Glück hat, zwei kurzen (2 Minuten) Pausen und einer etwas längeren (7-10 Minuten) Mittagspause ziemlich konsequent durchgezogen (wenn ich jetzt mal von möglichen Pannen-Pausen absehe). Befindet sich seine Haltestelle Zwischendurch, so ist es mir schon öfters passiert, dass man mich aufgefordert hat schneller zu machen, noch bevor der Bus überhaupt hielt und die Tür geöffnet hat, um mich aussteigen zu lassen! Es wird also der Eindruck vermittelt, dass die Busse es etwas eiliger haben.

Unterwegs werden an allen Haltestellen, die im Eiltempo häufig innerhalb weniger als zwei Minuten angesteuert und wieder verlassen werden, diverse Produkte angeboten. Gekühlte Getränke, Obst, Gemüse, Schuhe, Strohkörbe, gebratener Fisch, gebratenes Hähnchen, Pommes u.v.m. Hat man sich unter der Flut der Verkäufer und Produkte für etwas entschieden, den Kaufpreis erfragt und das Produkt aus dem Korb/Karton gegriffen, den der Verkäufer zum Fenster hoch streckt, ist der Bus häufig schon längst wieder ins Rollen geraten und kurz davor unter Vollgas der Zielhaltestelle entgegen zu jagen. Einem bleibt also oft nichts anderes übrig, als das Produkt zu bezahlen, indem man das Geld einfach aus dem Fenster wirft....

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 31. Mai 2010 um 10:50 Uhr
 

DTP Newsletter

Einkaufen und Spenden

Unterstütze uns mit
jedem Online-Kauf
ohne Extrakosten
mehr erfahren...

Jetzt spenden!

100% für Projekte!