Zeit: 4.38 Uhr (morgens!). Ort: Fuoni, Sansibar. Tätigkeit: Aus dem Tiefschlaf erwachen. Grund: Teilnahme an einer Hochzeit. Völlig übermüdet quäle ich mich aus meinem Bett, mache mich fertig und bemerke schon den ersten Unterschied einer sansibarischen Hochzeit zu ihrem deutschen Pendant: Hier fängt alles ein wenig früher an, genauer gesagt im Morgengrauen. Ich begrüße noch ziemlich verschlafen meine Gastfamilie, die aus Khadija, dem Neuzugang Nabil (3 Monate) und ihrer Tochter Habiba (18 Jahre) besteht. Für's Frühstück bleibt keine Zeit, denn heute soll gefeiert werden: Die Hochzeit von Khadijas Schwester Birau und ihrem zukünftigem Mann Abdallah! Also geht’s mit noch knurrigem Magen schnell zum Anwesen von Khadijas Mutter, das zum Glück in Sichtweite und somit in direkter Nachbarschaft liegt. Dort laufen die Vorbereitungen schon auf Hochtouren, immer mehr Gäste treffen ein und schließlich erscheint auch der nette, wohlgenährte Beamte von der Stadt, der sich für den offiziellen Teil der Zeremonie verantwortlich zeigt. Wie fast alle anderen Männer auch - mich eingeschlossen - trägt er ein weißes, luftiges Gewand, das sich Kanzu nennt. Die weiblichen Gäste hingegen zeigen da schon etwas mehr Farbenfreude und erscheinen in atemberaubenden, bunten Gewändern und sind fast alle an Händen und Füßen aufwendigst bemalt. Der nette, wohlgenährte Beamte von der Stadt befragt nacheinander Frau und Mann, die währenddessen an verschiedenen Orten verweilen, ob sie sich über dem bevorstehenden Schritt auch wirklich bewusst sind. Nach der Bejahung signieren beide schließlich ihr Hochzeitspapier. Der offizielle Akt der Hochzeit wäre damit abgeschlossen, die Feier allerdings noch lange nicht! Das frühe Aufstehen wird schließlich mit einem reichhaltigen Frühstück belohnt, das keine Wünsche offenlässt und von gemeinsamen, großen Tellern verzehrt wird. Mittags bleibt dann etwas Zeit zum Verschnaufen, ehe Abends dann die weibliche Hochzeitsgemeinschaft ausgelassen zu einer Live-Band tanzt, die lokalen, sansibarischen „Tarab“ präsentiert. Anzumerken ist dabei, dass die Braut zu jedem Abschnitt der Hochzeit auch ihr Gewand wechselt: Erschien sie morgens noch in einer grünlichen Garderobe, lenkt sie nun die Augen in einem festlichen, blütenweißen Hochzeitskleid auf sich. Ein Kleid, von dem angehende Bräute wohl träumen werden! Nachdem bis in den späten Abend hinein getanzt wurde, heißt es Samstag dann erst einmal ausruhen... Sonntag abends trifft man sich allerdings schon wieder - denn es steht ja noch ein Festessen aus, das von der Familie der Braut zubereitet wird. Sitzmatten werden auf dem Boden ausgebreitet, an jeden Sitzplatz wird ein Teller, eine Wasserflasche und eine Plastiktüte gelegt. Dann wird noch das Buffet vorbereitet und die ersten Gäste können kommen... Es handelt sich hierbei um ein phänomenales, richtig phänomenales Festessen. Ein Essen, bei dem die Endorphine zu hüpfen anfangen! Das sehen auch die Sansibaris so und daher wird sich ohne Verzögerung hinter dem Brautpaar aufgereiht, um auch ja ans Buffet zu gelangen. Zurück zur Bedeutung der Plastiktüte: Sind die Sansibaris ansonsten ein ziemlich geselliges Völkchen und nehmen sich immer Zeit für ein Gespräch, steht hier wirklich das Essen im Vordergrund. So werden dann zwei Stückchen der Buffetausbeute anstandshalber vor Ort gegessen, während der Rest in die Plastiktüte wandert. Zum Mitnehmen versteht sich. Kaum sind die Gäste gekommen, sind sie nun auch wieder verschwunden und es wird gemütlich in der Familie zusammen gesessen. Geschenke werden schließlich auch noch verteilt und um das zu zelebrieren trifft sich die weibliche Hochzeitsgemeinschaft ein paar Tage später auf dem Anwesen des Bräutigams. Die Braut erhält nun zwei vollgepackte Koffer, gestiftet von der Familie des Ehemannes. Diese lässt es sich auch nicht nehmen, jeden Artikel einzelnd aus den Koffern hervorzuzaubern, so dass schon kurze Zeit später zwei riesige Berge, bestehend aus unzähligen Kangas, Parfums und sonstigen verwertbaren Haushaltsartikeln, entstehen... Somit endet sie auch schon, eine Hochzeit, die ich so schnell nicht vergessen werde! |