Ja schön, die Anderen erleben viel in Tanzania und schreiben auch drüber, aber ich war der einzige, der sich in Tanzanias Nachbarland, Uganda, zum Gorilla Tracking aufgemacht hat. Am Samstag, den 5. Juni, gings morgens mit Hamza und seinem Bruder Shiraz, zwei Freunden aus Bukoba, im Bus von Bukoba, einem beschaulichem, kleinem Städtchen, in der nähe meiner Einsatzstelle, im Norden Tanzanias, nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Weil ich Busfahren nunmal stinklangweilig finde, hab ich mir vorgenommen die ganze Fahrt über zu schlafen. Das hat minder gut geklappt, alle (gefühlten) 20 Kilometer mussten wir irgendwo anhalten um unsere Pässe vorzuzeigen oder eine Einreisegenehmigung zu bekommen. Als wir dann in Uganda waren, waren die Straßen so schlecht, dass an Schlaf kaum zu denken war. Von Kampala hab ich ziemlich wenig gesehen, denn wir sind sofort zum Daladala-Stand um von dort nach Entebbe, einem (ziemlich reichem) Vorort von Kampala, denn dort befindet sich der internationale Flughafen, von dem wir meine Mutter abgeholt haben und unser Guesthouse in dem wir die Nacht verbracht haben. Leider gabs am Abend noch Probleme, da sich der Flug meiner Mutter nach hinten verschoben hat, hatten wir Schwierigkeiten, einen Weitertransport zum Bwindi Imprenetrable Forest, dem Regenwald in dem fast die Hälfte der weltweiten Gorillapopulation lebt, zu organisieren. Am Sonntag, den 6. Juni, hat Shiraz dann unsere Gruppe verlassen, für ihn fing sein letztes Schulsemester, in Kampala, am Montag an. Deswegen machten sich Hamza und ich, begleitet von einem Fahrer, mittags alleine auf zum Flughafen. Blöderweise hatte der Flug jetzt auch noch Verspätung, sodass unser sowieso schon strapazierter Zeitplan, weiter gelitten hat. Dennoch haben wir es endlich in unseren Landcruiser geschafft und sofort erstmal eine Panne gehabt. Für mich war das nichts Neues, in Tanzania ist es ähnlich, für meine Mutter war es ein Grund, das erste Foto zu schießen. Nach einem Zwischenstop um vier neue Reifen zu kaufen, man weiss ja nie, sind wir um 16 Uhr Ortszeit dann auch nach Bwindi aufgebrochen. Uns wurde angekündigt, dass die Fahrt 10 Stunden dauern soll, tat sie dann auch ungefähr. Nach zwei Stunden haben wir dann auch den Äquator passiert und machten uns weiter auf durch Masaka und Mbarara bis nach Bwindi, es war tief in der Nacht, als wir dann dort ankamen. Die Straßen haben sich bis zur Ankunft dann auch eher verschlechtert, da ist Tanzania dann doch einen Schritt vorraus. Nach einer viel zu kurzen Nacht bekamen wir ein sehr nahrhaftes Frühstück, das wir in der Nacht vorher bestellt hatten, um 5:30 Uhr am Montag, den 7. Juni. Dann gings mit dem Auto um 6:00 Uhr los durch das nebelverhangende Gebirge, bis zum Treffpunkt, am Rand des Waldes. Nach einem Briefing, in dem uns erklärt wurde, was wir im Dschungel dürfen und was nicht, machten wir uns auf in die wilde Natur. Anfangs noch auf Wegen und Pfaden, die das vorankommen doch wesentlich erleichtert haben, ging es doch bald auf Pfade, die Benjamin, unser Führer, für uns mit seiner Machete in den Busch geschlagen hat. Seine Fähigkeit, sich jederzeit in dem Dschungel orientieren zu können und jederzeit zu wissen wo wir sind und wie wir weiterkommen, einfach aus Erfahrung, hat mich wirklich beeindruckt. Durch ihn und das glücklicherweise gute Wetter, sind wir schnell voran gekommen, wie er uns immer wieder versichert hat. Er hat uns auch drüber aufgeklärt, dass es im Regenwald jederzeit losregnen kann, hat es aber an diesem Tag nicht. Nach vier Stunden durch die Schlingpflanzen des Dschungels und einigen leeren Gorillanestern, sagte Benjamin plötzlich, dass wir nicht mehr weit weg von den Gorillas sind. Er hat uns dann über die Verhaltensregeln im Umgang mit den Primaten aufgeklärt. So sind die Menschenaffen auch anfällig für menschliche Krankheiten, die es in ihrem normalem Umfeld nicht gibt und zu einer Plage für die Gorillas werden können. Gorillas sind unglaublich beeindruckende Tiere, gerade weil sie so menschenähnlich wirken. Sie sind auch in der Lage, Emotionen durch ihr Gesicht auszudrücken. So haben wir eine Mutter gesehen, die die ganze Zeit sorgenvoll zu ihrem Jungem oben im Baum geblickt hat. Denn Gorillas können zwar klettern, aber, anders als Affen, können sie sich im Fall selten auffangen und sterben deswegen. Zum Glück passiert dies ziemlich selten, sodass auch dieses Mal die Sorge unberechtigt war. Uns wurde auch erklärt, wieso sich Gorillas auf die Brust klopfen, wie wir es aus jedem King Kong Film kennen. In der Sprache der Gorillas bedeutet dies, dass sie vorhaben etwas zu wagen, wie z.B. auf einen Baum zu klettern, oder einen Gleichaltrigen zu einem Wettbewerb aufzufordern. Wir hatten ausserdem Glück, dass unsere Primaten-Gruppe gerade nicht wandern wollte. Vielleicht hatte es auch etwas mit unserer Anwesenheit zu tun, aber wir konnten die volle Stunde, länger darf eine Gorillatour nicht dauern, um den Stress und die Ansteckungsgefahr für die Menschenaffen gering zu halten, mit den Gorillas an einem Ort verbringen. Benjamin hat uns dann geraten, uns hinzusetzen, um die Primaten zu entspannen und sie waren dann tatsächlich reläxter. Ein paar der Gorillas sind sogar näher gekommen, als der für Menschen vorgeschriebene Abstand von sieben Metern, aus reiner Neugierde. Nach einer Stunde, die uns allen viel zu kurz vor kam, wars dann auch vorbei, Benjamin hat uns in einem drei Stunden Marsch wieder aus dem Dschungel geführt. Der Rückweg ging schneller, weil wir ja dieses Mal ein festes Ziel hatten. Durch den Ecotourism werden unter anderem die Bewohner in der Nähe des Nationalparks unterstützt, sodass diese nicht auf das Holz des Regenwaldes angewiesen sind, die Kinder eine ordentliche Schulbildung bekommen, oder eine auszureichende medizinische Versorgung sichergestellt werden kann. Desweiteren ist das Gorilla Tracking eine Einkommensquelle für die Einheimischen, die als Träger oder Scouts aushelfen. Ausserdem hat das Gorilla Tracking neue, sichere Arbeitsplätze geschaffen und bringt das meiste Einkommen im gesamten Touristiksektor von Uganda. Ebenso haben Zählungen zwischen den Jahren 2002 und 2006 ergeben, dass die Gorillapopulation im Bwindi Impenetrable Forest um 20 Individuen gestiegen ist. Auch, wenn wir doch ziemlich viel Geld in die Reise investiert haben, hat es sich definitiv gelohnt. Aufgrund dessen, dass Gorillas in Gefangenschaft selten mehr als 1 oder 2 Jahre überlebt haben, haben sich die Zoos der Welt gegen Gorillas in Käfighaltung entschieden. Somit können Gorillas nur noch in freier Wildbahn beobachtet werden. |