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Tansanier lieben den Fußball!
Egal ob Lederball, Plastikball, oder ein Ball aus Stofffetzen zusammengebunden - ganz gleich ob mit oder ohne Luft, ein jeder in Tanzania spielt Fussball! Wer nicht in einem Team auf dem Platz spielt, sucht sich ein paar Freunde und lässt den Ball auf einem kleinem Stück Wiese oder Sand rollen. Beim Fussball handelt es sich hier meist um eine ernste Angelegenheit, denn was den Fussball angeht verstehen die Tanzianer keinen Spaß, hier hat sich jeder an die Regeln zu halten. Wer nicht pünktlich zum täglichen Training kommt, der darf nicht mitspielen, für die Aufwärmübungen gilt das selbe und Frauen haben erst gar nichts auf dem Platz zu suchen. Trozdem wird immer gelacht und gejubelt, alle sind mit viel Spass am Ball dabei.

 


„Oh, Africa.“
Mit Beginn der WM in Südafrika steht das sowieso schon chaotische Tanzania Kopf. Doch um den Fussball ist alles geregelt. Überall werden die Spiele übertragen, Fehrnsehgeräte werden auf die Strasse gebracht vor denen große geflochtende Matten ausgelegt werden, um auch jenen, die kein eigenes Übertragungsgerät haben, die Möglichkeit zu bieten, dass Spiel verfolgen zu können. So kam es in den letzten Tagen nicht selten vor, dass auf der Strasse an die 30 Mann bei einem solchen alternativen Public Viewing Event gespannt auf den 13 Zoll-Bildschirm starren. Wer die Spiele nicht sehen kann der hört sie sich im Radio an, an Orten an denen es keinen Strom gibt hilft ein Generator aus. Überall wird das Turnier auf die eine oder andere Weise übertragen, sämtliche Gespräche die man auf der Stasse mit anhören kann handeln von den Ereignissen der Weltmeisterschaft. An vielen Ecken in der Stadt Sansibars sind an Hauswände mit schwarzer Farbe Tafeln gemalt, an denen mit Kreide die aktuellen Spielergebnisse geschrieben werden. Damit auch jeder, der aus irgendeinem Grund die Weltmeisterschaft nicht verfolgen konnte, immer auf dem neusten Stand ist. Es ist daher fast unmöglich jemanden zu finden, der sich im Moment nicht für den Fußball interessiert – es scheint keinem möglich diesem zu entfliehen
‚Touristen’-Bars locken mit Leinwänden und WM-Specials, für alle Fußballspiele wurde eine Happy Hour eingerichtet. Aber nicht nur in den Bars tummeln sich die Fans, unmittelbar davor sitzen, hocken, stehen sie von klein nach groß, damit alle sehen können. Für all jene, die sich die Getränke in diesen Bars nicht leisten können und das Spiel durch Tür und Fenster verfolgen, wird dies zum neuen Stammplatz. Ähnlich geht es in einheimischen Bars zu, obgleich hier nicht mit besonderen Angeboten gelockt wird, ströhmen die Fans in Massen zum Spielbeginn an den Tresen.
Das Leben dreht sich um den Ball: Die Stadt wird wachgerüttelt mit Beginn des Spiels, mit jedem Tor rollt eine Welle des Schluchzens, Jaulens und Jubels durch die Strassen. Menschen verabreden sich zum gemeinsamen Essen, um das Spiel dabei zu schauen - in Wirklichkeit schauen sie das Spiel und essen dabei… Kaum wird ein Spiel angepfiffen scheinen die Strassen wie leer gefegt, hier und da trifft man jedoch immer wieder auf Menschentrauben vor einem Übertragungsgerät. Auch die sonst überfüllten Dalla Dalla (lokalen Busse) füllen sich nur schleppend und treten unüblicherweise gerade mal halb voll die Fahrt an.

Nach einem Sieg Deutschlands, freuen sich alle mich zu sehen und beglückwünschen mich zu dem Spiel. Tansanische Freunde rufen mich extra an, um mir ihre Anerkennung  auszudrücken, als hätte ich selbst ein spielentscheidenes Tor geschossen. „Tolles Spiel“ höre ich von allen Seiten, immer und immer wieder.
Vor einige Tagen besuchte ich eine Freundin. Ich finde sie auf dem Boden liegend vor dem Fernseher - natürlich Fussball schauend, denn Argentinien spielt. Das ist ihr Team sagt sie, ohne aufzuschaun und mit einem Lächeln fügt sie hinzu: Zumindest wenn nicht England spielt. Bis zu dem verhängnisvollen Spiel gegen Deutschland war sie auch der festen Überzeugung dass England die WM gewinnen wird. Plötzlich freut sie sich und sagt: „Schau mal, dass ist mein Mann, den werd’ ich heiraten" und zeigt auf den Spieler mit der Nummer 10 – Lionel Messi. An diesem Tag hat Argentinien gewonnen, Freude schreiend hüpft sie durchs Zimmer, von ihrer Krankheit, weshalb sie heute nicht zur Schule gegangen ist, merkt man kaum etwas. Dass Argentinien nun auch noch ausgerechnet gegen Deutschland so hoch verloren hat, wird sie bestimmt nicht so begeistern wie mich.
 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Juli 2010 um 14:25 Uhr
 

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