Zugegeben, bei meiner Bewerbung für mein Auslandsjahr habe ich schon ein wenig geschummelt. Aber jetzt bin ich ja hier, niemand kann mich mehr zurück holen, und deshalb kann ich es jetzt auch offen sagen: Nein, ich bin nicht nach Tansania gefahren, um meinen „Horizont zu erweitern“ - so was Blödes, das sagen sie doch alle, nein, ich bin nach Tansania gefahren, um Mangos essen zu können. Und Heute endlich, nachdem nun fast schon 8 Wochen hier bin, habe ich endlich die erste Mango gegessen.Klar jetzt könnte man sagen: Ok, Ziel erreicht, jetzt kannst du wieder nach Deutschland kommen.Doch so einfach ist das nicht. Denn noch hängen die Mangobäume voll mit kleinen grünen Mangos, die nicht reif sind, und nur auf dem Markt gibt es bereits vereinzelt Mangos, die aber alle noch sehr hart und grün sind.Und diese kleinen grünen Mangos warten alle darauf, von Mir gegessen zu werden, da bin ich mir sicher. Meine Gastmutter meinte schon, nach ein paar Wochen werde ich keine Mangos mehr sehen können, aber das glaub ich einfach nicht. Naja, jetzt wisst ihr, warum ich hier bin und was ich die nächsten Monate tun werde: Faul unter einem Mangobaum liegen und warten, dass mir die Mangos in den Mund fallen. Und während ihr bei euch in Europa in den Supermarkt geht, um irgendwelches Zeug zu kaufen, dass sich anmaßt Mango genannt zu werden, habe ich das Original direkt vor der Haustür. Und ihr könnt euch nicht vorstellen wie lecker die Mangos hier sind. Und ich meine nicht die superleckeren Mangos, die reif vom Baum fallen. Nein, ich meine die total grünen und unreifen Mangos, die bereits jetzt unglaublich gut und fruchtig schmecken. Also, die nächsten Monate habt ihr leider keine Beiträge mehr zu erwarten, aber ihr wisst ja, wo ihr mich finden könnt. Jan Kristen Prüßing Unter dem großen Mangobaum bei Mama Jimmy Itunge Kyela Tanzania Und wenn ihr da niemanden erreicht, dann hängen mir die Mangos wirklich zum Halse raus (was ich aber nicht glauben kann). Und dann könnt ihr mich wahrscheinlich auf dem Markt erreichen, denn es gibt hier ja nicht nur Mangos. Nein, es gibt auch Bananen, Orangen, Papayas, Wassermelonen, Kakaobohnen (die überhaupt nicht nach Kakao schmecken), Kokosnüsse, Nyere (da gibt es im Deutschen glaub ich kein Wort für) und Ananas. Auch die Ananas hier ist, ähnlich wie bei den Mangos und eigentlich allen anderen Früchten, nicht mit den Ananas in Deutschland zu vergleichen. Das gilt nicht nur für den Geschmack, der wirklich einfach grandios ist, sondern auch schon für den Kauf. Häh? Wie kann sich denn ein Kauf einer Ananas in Tansania von dem in Deutschland unterscheiden?, werdet ihr jetzt vielleicht denken. Doch hier mal ein Beispiel: In Deutschland wäre die Situation wahrscheinlich folgende gewesen: Mama: Kannst du gerade mal zum Supermarkt fahren um eine Ananas zu kaufen? Ich: Hmm, ok, kann ich das Auto haben? Mama: Die paar Meter wirst du ja wohl auch noch mit dem Fahrrad zurücklegen können, oder? Ich: Ja, ok, ich bin dann kurz mal weg. Dann fahre ich los, möglichst schnell, damit ich keine Zeit verliere, im Supermarkt gehe ich zielstrebig zu den Ananas, suche mir eine aus, kaufe sie wortlos an der Kasse und verschwinde schnell wieder nach Hause. Hier war die Situation allerdings folgende: Ich hatte Lust und Hunger auf eine leckere Ananas. Also habe ich mir mein Fahrrad genommen und wollte gemütlich in die Stadt, sozusagen eine kleine Spazierfahrt unternehmen und nebenbei eine Ananas kaufen. Ich kam aber nicht weit, denn schon ein paar Meter neben unserem Haus standen viele kleine Kinder und riefen meinen Namen. Also erstmal anhalten, die Mütter grüßen, die am Straßenrand Bananen und Tomaten verkauften, und dann ein paar Worte mit den Kindern wechseln. Die wollten natürlich unbedingt mit auf meinem Fahrrad fahren und da sich, nachdem ich sagte ich führe auf den Markt, immer noch zwei Kinder bereit erklärten mitzukommen, setzte ich eins auf meinen Gepäckträger und das andere lief neben mir her, während ich gemütlich in Richtung Stadt fuhr. Als ich dann plötzlich wieder meinen Namen hört bremste ich wieder ab und sah einen Bekannten von mir, den ich dann natürlich auch erstmal begrüßen musste. Wie gehts wie stehts, was machst du gerade und was willst du auf dem Markt? Danach ging es weiter in Richtung Markt. Angekommen suchte ich ein wenig bis ich den Stand mit den vielen Ananas gefunden hatte. Dort kaufte ich dann eine gut aussehende Ananas, unheimlich groß und zu einem Preis von ungerechnet 75 Cent. Gehandelt habe ich übrigens nicht, denn den Preis zahlen hier alle. Zwar wurde mir immer gesagt, man müsste unbedingt handeln, sonst würde man übers Ohr gehauen, aber da habe ich gar nicht das Gefühl. Mittlerweile weiß ich einfach die Preise, und kann schon recht gut einschätzen, ob ich zu viel bezahlen soll. Und gerade hier in Kyela, wo sonst keine weißen Touristen mit viel Geld auftauchen, bezahlen eigentlich alle das gleiche. Zumindest auf dem Markt, bei Stoffen habe ich das auch schonmal anders erlebt aber egal. Die Ananas war also ohne großes Gehandel aber natürlich mit der richtigen Begrüßung (Wie gehts, wie stehts, was macht die Arbeit?) schnell gekauft und mit den Kindern machte ich mich auf den Rückweg. Diesmal war ich es allerdings der lief während sich eines der Kinder am Fahrradfahren versuchte. Auf dem Sattel sitzen konnte sie noch nicht, der war ihr natürlich viel zu hoch, und auch an die Bremsen am Lenker kam sie noch nicht dran, sodass sie mit den Füßen Bremsen musste. Als wir schon fast wieder aus der Stadt draußen waren, traf ich noch einen Bekannten, den Chef der Sicherheitsfirma, die bei uns die Bank bewacht. Auch hier folgten natürlich ausführliche Begrüßung und die gegenseitige Einladung zu sich nach Hause. Da er gerade mit dem Motorrad unterwegs war, lud er mich ein, mich nach Hause zu fahren. Das Angebot nahm ich dann auch gerne an, während die beiden kleinen Kinder mit meinem Fahrrad nach Hause fuhren. Zu Hause angekommen verabschiedete ich mich von dem Bekannten und ging ins Haus, in dem Wissen, dass mein Fahrrad schon irgendwann ankommen wird, kam es dann auch 5 Minuten später. Die Ananas, die wir allerdings erst am Mittwoch gegessen haben, war leider schlecht. Aber egal, Hamna shida, kein Problem, kaufen wir uns eben Morgen ne neue. Bei den ganzen Früchten, die ich hier esse sehe ich nur leider ein Problem: Den Kulturschock in Deutschland, wenn ich plötzlich nur noch Dosenananas und un- oder überreife Mangos essen kann. Aber bis dahin habe ich ja noch genug Zeit, mir den Bauch vollzuschlagen. In diesem Sinne: Karibu Matunda! |