“Landschaftlich kann es Tansania mit jedem aufnehmen. Ob Strand, Gebirge oder Urwald – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die atemberaubende Ausblick vom Mount Meru, die Traumstrände von Sansibar oder die vielfältige Flora & Fauna der Nationalparks zieht jedes Jahr tausende Menschen in ihren Bann.”  Diese Zeilen entstammen nicht nur den romantisierenden Gedanken eines sonnenstich-gefährdeten Freiwillgen, sie finden sich auch in nahezu jedem Reiseführer und sind wahrlich nicht unberechtigt. Was die Hochglanz-Brochüren hingegen gerne verschweigen, ist die Schattenseite des Ganzen: Gerade in den Städten türmen sich Müllhaufen an den Straßenecken, die Abgase von endlosen Autoschlangen machen das Atmen schwer und der ökologische Fußabdruck eines jeden Touristen ist kaum mehr zu beziffern. Müll einfach wegzuwerfen, statt auf einen Müllcontainer zu warten, habe ich schon oft beobachtet – schließlich gibt es allenfalls in den Innenstadtbezirken eine öffentliche Müllentsorgung und die (für westliche Augen) wundervolle Natur ist hier schlichtweg normal und nicht sonderlich schütztenswert. Selbst Freunde von mir gucken mich schräg an, wenn ich meine Eisverpackung in die Hosentasche knülle, statt in den nächsten Graben zu werfen. Angesichts solcher Umstände erscheint es fast höhnisch, dass die Regierung nun Pläne verfolgt, einen Highway durch den Seregenti zu bauen (komischer taucht gerade diese Meldung auch in der europäischen Presse auf..). Sollten Kikwete & Co. nicht eigentlich die Vorbildrolle übernehmen und ihre Landsleute dazu ermuntern, dem Umweltschutz mehr Bedeutung beizumessen? Wir halten also fest: Das Paradies, sofern man es so nennen mag, ist in Gefahr. Doch neben den offensichtlichen Umweltproblemen kommen nun Vorhaben, Öl und sogar Uran in Tanzania zu fördern. Petrodollars und eine kleine AKW-Renaissance in den Industrieländern lassen das große Geld winken. Dabei ist (spätestens) seit den Erfahrungen mit der Buhemba-Goldmine hinlänglich bekannt, dass solche Träume nur allzu schnell in Luft zerplatzen und im Endeffekt die “Global Businesses” im Geld versinken, während die lokale Bevölkerung fortan in den Abwässern der Produktionsstädte baden & waschen darf. Die meisten Länder südlich der Sahara können ein Lied davon singen. Gerade das radioaktive Uran ist nicht nur extrem umweltschädlich, sondern auch politisch ein heikler Spielball im Kräftemessen der Großen. Dass Rohstoffreichtum nicht zwangsläufig dem Wohle des Landes dient, beweist ein Blick auf den großen Nachbarn Kongo, der daran förmlich zu Grunde geht. Davon ist Tansania zwar meilenweit entfernt und keiner will dem Land das Recht absprechen, seine Rohstoffvorkommen zu nutzen. Doch es gibt genug warnende Beispiele, die einen verstärkten Fokus auf Umwelt- & Bevölkerungsschutz sowie Nachhaltigkeit fordern. Nur dann nützt das Vorhaben auch den Leuten und nicht nur allenfalls der Staatskasse. |