weltwärts Das Leben eines Superstars
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altEinmal Superstar sein, das wollten schon viele einmal. Ob als Kind vor dem Fernseher, in der Grundschule auf der Theaterbühne oder später beim durchblättern der Bravo als Tennager. 

Mit einer gewissen Reife legt sich dieses Verlangen, bei vielen ganz, bei manchen weniger. Jedoch geschieht dies eher aus Realismus, als aus Ablehnung.

Trotz der unzähligen Interviews von Prominenten, die bekunden, das Leben eines Promis hätte auch seine Nachteile und nerve eigentlich nur, würden doch Milliarden Menschen gerne einmal berühmt und mit entsprechendem Reichtum gesegnet sein. Die Gründe die gegen das Leben als Superstar sprechen, seien doch nicht vergleichbar mit den Vorteilen, sagt der Betrachter, während Prominnte, egal ob A-,B-, oder C-Stars, entschieden dagegenhalten. Letztere besonders laut.

Seit ich als Weißer in Tansania bin, kann ich Mitleid empfinden mit diesen gescholtenen Medienobjekten. Denn viele Merkmale meines Lebens als Weißer in diesem Land weisen interessante  Parrallelen zu den Beschwerden der Stars auf.

Man muss dazu wissen, dass ich mich auch noch in der wahrscheinlich touristischsten Stadt Tansanias befinde: Arusha. Von Arusha, im kühlen, für Europäer angenehmen Norden, gehen die meisten Safaris ganz Afrikas aus. Die Stadt ist nicht besonders groß, dafür aber vollgestopft mit Hotels, Safari-Unternehmen und Touri-Diskotheken. Ein Weißer, der hier her kommt, hat in der Regel viel Geld und gibt es auch gern aus. Das ist jedem klar.

Der durchschnittliche Freiwillige unterscheidet sich davon nicht groß. Er bleibt ca. 2-3 Monate, lernt kaum Swahili und kauft, weil er ja bald wieder weg ist, ganz viele Mitbringsel für die Lieben daheim. Da es in vielen Ländern keinen Freiwilligendienst gibt, der vom Staat getragen wird, hat der Zweimonats-Freiwillige für seinen Aufenthalt vielleicht auch gute 3000 Euro gezahlt. Dann kann er es sich auch gut gehen lassen. Aber ein Prominenter zeichnet sich ja nicht nur durch Geld aus. Oder würden Sie den reichsten Mann der Welt, vorrausgesetzt schlecht gekleidet, auf der Straße erkennen? Ich wüsste noch nicht einmal wie er heißt.

Nein, hier fällt man sofort durch die Hautfarbe auf. Wie mein Name vermuten lässt, sehe ich nicht aus wie der durchschnittliche Deutsche. Für die Leute hier bin ich durch meine helle Haut aber ohne Zweifel ein Weißer, trotz meiner afrikanischen Wurzeln. Und einmal gesehen wird man auch nicht so schnell wieder vergessen. Sagt man jemandem seinen Namen, kann man davon ausgehen, dass man auch nach vier Monaten noch namentlich auf der Straße gerufen wird. Man ist also prominent. Der Name verbreitet sich und schnell wissen mehr Leute als man je kennengelernt hat, wie man heißt und woher man kommt.

Wie für eine Berühmtheit, ist es auch in Arusha schwer, echte Freunde zu finden. Die meisten jungen Menschen lernen einen mit dem oben genannten Vorurteil kennen. Wenn einer der beiden Freunde Geld hat und der andere im Vergleich unglaublich arm ist, ist das kein guter Start für eine Freundschaft. Denn es läuft nicht immer wie in Erich Kästners Kinderbüchern. Man bleibt also oft unter anderen “Promis”, sprich Weißen, da es meist einfacher ist. Sie brauchen keine finanzielle Unterstützung und haben oft die gleichen Probleme wie man selbst. Ungezwungenes Beisammensein ist also oft schneller möglich und man kann davon ausgehen, dass das Gegenüber sein Bier am Ende selbst  bezahlen kann. Das ist natürlich nicht immer schöner, doch dazu später.alt

Permanent von Unbekannten angerufen zu werden, auch das ist ein Privileg, dass man als bekanntes Gesicht in Arusha schnell inne hat. Da man hier bei flüchtigen Bekanntschaften gerne zügig Nummern austauscht, kann es sein, dass die gut gemeinten Anrufe einem bald auf die Nerven gehen. Vor allem, weil sie meist relativ inhaltslos sind.

Jeder will einen kennen und viele würden davon auch gern profitieren. Man wird überall wiederkannt und kann sich kaum verstecken. So gibt es in dieser Stadt schon Orte, wo ich mir zweimal überlege hinzugehen, weil ich weiß, dass mich dort Leute erwarten, die mich kaum kennen, aber einiges zu erzählen haben. Anonymität gab ich also mit als erstes auf, als ich nach Tansania kam, denn in der Masse untergehen ist unmöglich. Auch Paris Hiltons Sonnenbrille und ein großes schwarzes Auto würden mir hier nicht weiterhelfen. Das Leben hier als “Superstar” wird also nach gewisser Zeit anstrengend und man sehnt sich nach einer Umgebung, in der man unerkannt seinem Tagesgeschäft nachgehen oder, ohne darüber nachzudenken, auf ein Bier einladen kann.

Doch auch an diese Umstände gewöhnt man sich und ein Verbleiben unter Gleichgesinnten ist, wie ich schnell feststellen musste, keine Lösung. Sich mit anderen Weißen zu vergnügen oder sie anzusprechen, nur weil sie weiß sind, beschert einem kein gutes Gefühl. Weiter stellte ich schnell fest, dass viele meist luxuriöser leben als wir (mein Einsatzstellenpartner und ich) und teils Ansichten von ihrem Tun und Lassen in diesem Land haben, die mir nicht zusagten. Prompt musste ich mich fragen, ob es wahrscheinlich wäre, dass ich mit diesen Leuten auch etwas in Deutschland hätte zu tun haben wollen. Das war also keine Alternative.

Wesentlich besser geht es mir da, wenn ich an meine Gastfamilie und direkten Nachbarn denke.Von ihnen werde ich, nun schon ein halbes Jahr hier, schon lange nicht mehr wie ein Besucher, Safaritourist oder Hotelgast betrachtet. Ich helfe bei der Haus- und Hofarbeit mit und gehöre irgendwie dazu. Auch beim Plausch mit den Nachbarn ist klar, das ich nicht mit Geld um mich schmeiße, zum ersten, weil ich gar nicht so viel habe, zum zweiten, weil ich es nicht möchte. Natürlich werde ich auf der Straße mal nach einem kleinen Betrag gefragt, doch darüber kann ich hinwegsehen und man darf nicht vergessen, dass das gegenseitige aushelfen mit kleinen Beträgen auch zur tansanischen Kultur gehört.

Der Alltag in der Gastfamilie schafft also einen großen Ausgleich zum oben beschriebenen Leben. Und auch die wenigen Freundschaften, die dann doch fruchten, machen vieles, was man sich auf der Straße anhören muss, wieder wett.

Wenn man erstmal zu vernünftigen Jungs aus Arusha einen guten Draht gefunden hat, mit ihnen Spaß haben kann und dann zur Familie nach Hause zum Essen kommt, um weiter gemeinsam zu lachen, dann kann man endgültig belegen, dass ein unfabulöses Leben definitiv mehr Vorzüge hat.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 29. Juli 2011 um 11:51 Uhr
 

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