weltwärts Wochenendausflug nach Kitogani
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Geschrieben von: Maike Fröhner   

Letztes Wochenende waren meine Mitfreiwillige Maresa und ich in Kitogani, um den ersten Vorsitzenden von ZASEA zu besuchen.  Dieser Ausflug war schon ziemlich lange geplant, aber irgendwie haben wir’s nie geschafft – nicht gerade clever von uns, wenn man bedenkt, was für einen Spaß wir hatten!

altAm Samstag wollten wir eigentlich schon um 11 Uhr losfahren; die Abreise hat sich dann wegen ein paar Extrastunden im Büro verzögert, aber am frühen Nachmittag sind wir im Ort angekommen. Das Dorf liegt auf der Südhälfte von Zanzibar, nicht weit entfernt vom Meer, und das Haus von Mohammed etwas außerhalb der Ortschaft. Als der Dala (Bus) hielt, saß er schon, das jüngste Enkelkind auf dem Schoß, vor der Tür und wartete auf uns. Im Haus wurden wir von seiner Familie begrüßt, die uns sofort sehr sympathisch war.

 

Nachdem wir uns von unserer Reise „erholt“ hatten – auf Sansibar ist jeder Grund recht für eine kleine mapumziko (Pause) – und eine Kleinigkeit zu essen bekommen hatten, kam auch gleich das Highlight des Tages: Mohammed ist stolzer Besitzer eines kleinen Motorrads, mit dem zu fahren uns beizubringen er zugesagt hatte. Damit wir beide gleichzeitig üben konnten, ist auch noch ein Nachbar mit einem zweiten pikipiki (alles Zweirädrige, das einen Motor hat, also Mopeds, Roller, Motorräder, usw.) angeheuert worden, und los ging’s. Maresa und ich noch auf dem Sozius, sind wir losgefahren in Richtung Jozani: dort gibt es eine gut befestigte Seitenstraße mit sanften Kurven und ohne Verkehr, auf der wir dann die Plätze getauscht haben. altDas Anfahren haben noch unsere Lehrer für uns übernommen, und eh’ wir uns versahen, fuhren wir schon selbst. Ein bisschen gewöh-nungsbedürftig; ein Motorrad lenkt man nicht so einfach wie ein Fahrrad, und zum Herunterschalten ist noch der Blick zum linken Fuß nötig, um nachzuschauen,
wo das Pedal wohl abgeblieben sein mag, aber ansonsten fährt’s! Nach ein paar Kilometern, mal schneller und mal langsamer, gelegentlich das andere Paar überholend oder überholt werdend, kamen wir dann an eine Verbreiterung der Straße, die sich an der Stelle gabelt. Dort kam noch mal eine kurze theoretische Einweisung, und dann durften wir alleine loslegen! Erst ganz langsam, im ersten Gang anfahren (nicht so einfach wie beim Auto, leider…), schalten, anhalten, anfahren, anhalten… Bald hatten wir den Dreh raus, und haben angefangen, Kurven und Kringel und Wenden zu üben und rauf- und runterzuschalten bis uns ganz wuselig im Kopf war und wir eine kleine Verschnaufpause brauchten. Als wir nach ein paar Minuten unsere linken Hände wieder fühlen konnten (für diejenigen, die noch nicht das Glück hatten, pikipiki fahren zu dürfen: Der (zumindest in diesem Fall nicht für zierliche Damenhände gedachte) Hebel für die Kupplung ist links am Lenker und sieht aus wie eine Handbremse am Fahrrad, und geschaltet wird mit dem linken Fuß), haben wir mit den Übungen für den ersten Tag Schluss gemacht: Nachdem die Spiegel straßenverkehrstauglich eingestellt waren und der Gebrauch von Hupe und Lichthupe erklärt war, durften wir selbst nach Hause fahren!

altDen Abend haben wir dann gemütlich mit einem Spaziergang zum Strand ausklingen lassen und hinterher noch lange mit der Familie samt Kinderschar zusammen gesessen: wir haben solange „kenge“* gespielt, bis Maresa und ich (wir haben offenbar nicht so gute Kondition wie die Kinder) todmüde ins Bett gefallen sind.

Nach einer langen und kühlen Nacht („kühl“ nennen wir es, wenn die Temperatur im Zimmer bei geöffnetem Fenster unter 30°C fällt) haben wir ein superleckeres Frühstück bekommen, und sind dann mit Abdullah, einem Nachbar von Mohammed und ebenfalls Mitglied von ZASEA, zusammen zum Strand gegangen, um Dhow zu fahren. Die Insel hat an dieser Stellealt eine Art Bucht;  vom Ufer aus betrachtet könnte man meinen, man stehe an einem See mit lauter kleinen Inseln. Dort sind
wir dann mit unserer Dhow herumgepaddelt: Eine Dhow ist ein traditionelles Fischerboot, etwa wie ein Kanu. Es gibt Dhows
in verschiedenen Größen, die größten haben sogar ein Segel; unseres war etwa so breit wie die Hüftknochen eines normal-großen Menschen auseinander sind und so lang wie 2,5 Badewannen hintereinander. Es ist also theoretisch möglich, sich zu dritt hineinzuhocken – nur zu stark wackeln darf man dann nicht, denn das Wasser steht nur eine Handbreit unter der Bootskante. Man kann diese Boote auch staken, aber wir hatten ein Paddel, das aus einer länglichen Schaufel und einem etwa altgleichlangen Griff besteht. Mit diesem „kofi“ sitzt man im Heck des Kanus und benutzt es für den Antrieb und zum steuern. Leider war gerade Ebbe, weswegen wir nicht weit zwischen den Inseln herumfahren konnten, sondern uns auf die tiefsten Stellen beschränken mussten – aber die Ebbe hatte auch den Vorteil, dass man meistens bis auf den Grund schauen konnte, was sehr faszinierend war. Später haben wir noch das Boot mit ein paar Fischern getauscht: die Boote liegen da am Ufer verteilt mit Steinen verankert und gehören niemandem Bestimmtes, sondern werden von allen genutzt. Das neue Boot war etwas größer, so dass ich mich getraut habe, eine Kamera mitzunehmen und noch ein paar Fotos zu machen.

Als wir wieder im Haus ankamen, und uns, ganz Sansibari, ein bisschen ausgeruht hatten, haben wir schon wieder so ein leckeres Essen bekommen, und dann unsere zweite „Fahrstunde“: diesmal die ganze Zeit „in echt“ im Straßenverkehr. Und so endete unser Wochenendausflug, mit Regen, schmerzenden Händen, Muskelkater vom Paddeln und einem ordentlichen Sonnenbrand, aber allem Spaß im Herzen, den man nur haben kann!



* Ich habe heute morgen mit Hilfe meines Wörterbuchs dieses Rätsel lösen können: ein kenge ist ein Waran
 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 29. Juli 2011 um 11:50 Uhr
 

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