Heute war Anna mal wieder auf einer Beerdigung, ein Nachbar von iihrem eigentlichen Zuhause war gestorben. Daher hieß es dann für Jan und mich auch am Sonntag Chipsi essen bei Khalphan. Nachdem ich aufgegessen hatte stand ich noch eine ganze Weile bei Khalphan und habe mich mit ihm über alles Mögliche Unterhalten. Unter anderem kamen wir auch auf seine Zukunftsplanung zu sprechen, er hatte mir gegenüber schon mal erwähnt, dass er bald aufhören möchte Chipsis zu verkaufen. Ich hatte ihm gesagt, er müsse aber mindestens bis August weitermachen, schließlich ist er ein guter Freund von mir und ganz nebenbei stellt er auch Tag für Tag unser Mittagessen her. Es ist aber einfach unglaublich heiß, die ganze Zeit, bei den sowieso schon hohen Temperaturen, auch noch zwischen zwei großen Kohleherden/-grillen zu stehen und Fleisch zu grillen, Chipsis (Pommes) zu frittieren und Chipsi Mayai zu braten. Khalphan macht diesen Job jetzt seit 3 Jahren und meint er bekäme dadurch schon gesundheitliche Probleme. Auf jeden Fall erzählte er mir heute, er würde noch weiter machen, bis wir wieder nach Deutschland fahren und dann wollte er nach Dar es Salam und dann vielleicht irgendwann mal nach Deutschland, allerdings nur für einen Urlaub, das es für ihn quasi unmöglich ist dort zu leben/arbeiten, habe ich ihm schon öfter erzählt (man ist eben nur “zu Gast bei Freunden!“ Mehr nicht!). So lief das Gespräch immer weiter, er erzählte, dass viele Tansanier durchs ganze Land reisen würden, so er auch, er war schon an verschiedenen Orten in Iringa, in Mbeya und jetzt in Kyela. Als es dann auf einen Job in Dar es Salam kam, stellte sich heraus, dass er dort wieder Chipsis verkaufen wollen würde. Als ich ihn auf diesen Widersprich ansprach, dass er ja eigentlich eine andere Arbeit machen wollen würde, meinte er, dass es in Dar es Salam mehr Geld zu verdienen gäbe und er dann vielleicht auch mal etwas sparen könnte um irgendwann genug Startkapital zu haben um etwas anderes zu starten. Es mangelt nicht an Ideen eine neue Arbeit zu finden/gründen, sondern nur am Geld, meinte Khalphan. Dieses Problem habe ich hier schon sehr häufig wahrgenommen, auch bei einigen Mitarbeitern, so z.B. auch Gwakisa, der jetzt wieder bei Tujijenge Microfinance in Dar arbeitet und auch viele Ideen für Nebeneinkünfte (das Gehalt ist wirklich klein)oder eine andere Arbeit hat, es scheitert am Startkapital, auch bei seinem Gedanken zur Uni zu gehen und nochmal Wirtschaftswissenschaften zu studieren. Bei Khalphan überlegte ich wie ich ihm dabei helfen könnte, ob ich ihm Geld vorstrecken könnte und er es dann nach einem ganz genauen Plan wieder zurückzahlen würde (auch wenn es sich nicht um Unsummen handelt möchte ich kein Geld verschenken und zwar nicht aus Geiz). Allerdings ist das natürlich schwierig, da er das Geld erst im August, nach unserer Abreise braucht und dann natürlich nicht mehr zurückzahlen könnte. Im gleichen Moment kam mir der Gedanke eines Sparkontos, sodass ich Khalphan beim Sparen helfen kann. Denn ich glaube das ist sein größtes Problem, wenn man nicht viel Geld hat, dann fällt es noch schwerer zu sparen, man kauft sich dann doch lieber nochmal ein bisschen Guthaben fürs Handy, oder mal eine neue Musikanlage oder einen Fernseher (was natürlich schon größere Anschaffungen sind). Khalphan ist sicherlich absolut kein reicher Mann, aber er nagt auch nicht am Hungertuch, so sollte es für ihn eigentlich möglich sein zu sparen, aber ohne Bankkonto fällt das ganze natürlich noch schwerer, wohin also mit dem Geld, unter’s Kopfkissen? Deswegen kam mir die Idee, er könnte bei mir sparen. Noch leichter als Geld irgendwo an die Seite zu legen ist es allerdings Geld für eine Leistung die man erbringt gar nicht erst zu bekommen, sondern direkt zu sparen. Deswegen habe ich ihm den Vorschlag gemacht, dass Jan und Ich jetzt bis zu unserer Abfahrt „um sonst“ Chipsis essen und ihm am Ende die Gesamtsumme geben. Er fand die Idee direkt ziemlich gut, holte sein Handy raus und wir überschlugen wie viel dabei wohl zusammen kommen würde, wir kamen auf ca. 240.000 TSH (ca. 120 Euro er staunte nicht schlecht bei der Summe). Außerdem habe ich ihm den Vorschlag gemacht, dass er auch noch weiteres Geld bei mir sparen kann, er bekommt zwar keine Zinsen, hat das Geld aber außer direkter Reichweite und an einem sicheren Ort. Er war total begeistert von der Idee, also habe ich jetzt zwei Schulhefte gekauft, eines bekommt Khalphan, eines bekommen wir und dann wird immer aufgeschrieben wann wir Chipsi gegessen haben. Die zwei Hefte zum einen damit keiner einfach was hinzufügen oder streichen kann, aber das würden weder Khalphan noch wir machen, sondern eher falls eines mal verloren geht. Außerdem habe ich ihm noch gesagt, dass wenn er nach Dar es Salam geht und wenn er dann das Geld von uns bekommt, einen guten Plan haben müsste was er dort und damit machen möchte. Er meinte er fängt jetzt alles an vorzubereiten und wir müssten noch ganz oft Reden, damit wir gemeinsam Ideen entwickeln könnten. Khalphan ist wirklich ein sehr intelligenter junger Mann, er ist zwar schulisch nicht besonders gebildet (primary), aber ich habe den Eindruck, dass er Sinnvolles von nicht Sinnvollem sehr gut zu unterscheiden weiß und er scheint mir ein Meister des Lebens zu sein. Deswegen glaube ich, dass er das Geld nicht irgendwie zum Fenster rausschmeißen wird, sondern wirklich einen guten Plan entwickelt und dieses Startkapital sinnvoll einsetzen wird um seine Ziele zu erreichen. Vor allem ist es einfach sein Geld, was ihm zusteht, er spart selber für seine Zukunft und bekommt nicht einfach irgendetwas geschenkt; Khalphan ist nicht der einzige, der sich auf die beiden Listen in den Schulheften freut! |