Erst in Afrika habe ich die Möglichkeiten der Fotographie entdeckt. Früher fand ich es zwar schön, Fotos als Erinnerung von bestimmten Menschen oder Situationen zu haben, doch reichten mir wenige aus. Bislang war ich der Meinung, dass man durch Beschreibung eines Ortes oder einer Person anderen Menschen die eigen erlebte Situation so nahe bringen kann, dass sie sich die beschriebene Situation oder den Gegenstand vorstellen können. Erst meine Schilderungen über Tanzania bzw. Sansibar zeigten mir, dass meine Annahme ein Irrtum war. Meine ersten Erlebnisberichte an meine Eltern oder Freunde zeigten mir, wie schwierig es ist, ein realistisches Bild beim Gegenüber durch die Erzählung zu erzeugen. Der Reaktionen meiner Eltern und Bekannten auf die Beschreibung meines Zimmers oder mein Bericht über die Lehmbauweise zeigte die offensichtlichen Missverständnisse bzw. falsche Assoziationen. Lehmhüttenbau hat beispielsweise nichts mit Buschmenschenbehausung zu tun. Um der hiesigen Situation gerecht zu werden bzw. die Gegebenheiten würdig einschätzen zu können, muss dies im Zusammenhang mit den landesüblichen Gegebenheiten geschehen. Ein Vergleich mit deutschen oder gar europäischen Standards führt zu falschen Einschätzungen und wird zudem der Sache nicht gerecht. Da ich mich anfangs oft missverstanden fühlte, griff ich immer häufiger zur Kamera, natürlich auch, um meine Erinnerungen festzuhalten. Inzwischen möchte ich deutlich öfter als in Deutschalnd viele Momente, Landschaftseindrücke oder Menschen per Foto festhalten. Doch habe ich gelernt, dass hiesige Menschen gefragt werden wollen, wenn man sie fotografiert. Oft hört man ein „NEIN“ auf die Frage und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen. Manche möchten aus religiösen Gründen nicht abgelichtet werden, anderen ist es unangenehm, wenn körperliche „Mängel“ auf einem Foto zu sehen sind. In ländlichen Regionen reagieren die Leute grundsätzlich zurückhaltender; teilweise aus Angst, insbesondere dann, wenn sie ein Blitzlicht erschreckt. Andererseits habe ich beobachtet, dass Fotografien wesentlich genauer betrachtet und wertgeschätzt werden als in Deutschland. Gefallen sich die Personen auf dem Bild, wird es stolz umhergezeigt und kann als Geschenk große Freude bereiten. Die Schilderungen zeigen, dass Fotografieren bei der tanzanischen Bevölkerung noch nicht verbreitet ist und bislang hauptsächlich Touristen oder ausländischen Arbeitnehmern vorbehalten ist, die davon rege, bisweilen ohne Rücksicht auf kulturelle Begebenheiten, Gebrauch machen. Dies erklärt vielleicht auch die Unsitte, dass Einheimische, vor allem Kinder, Geld für das Fotografieren verlangen. Teilweise habe ich sogar Verständnis dafür. Schließlich würden wir ja auch nicht gerne im „Zoo“ sitzen und von vorbeifahrenden Touristen fotografiert werden. Bisweilen vermitteln die vorbeifahrenden klimatisierten Reisebusse mit den weißen Touristen ein Zoogefühl für die Einheimischen. Fotografiert wird ohne Rücksicht auf Menschenwürde. In Achtung vor der fremden Kultur empfehle ich jedem, das Einverständnis vor dem Foto abzufragen. Denn hat man das Vertrauen der Menschen gewonnen, posieren vor allem Kinder gerne vor der Kamera. Die Kinder meiner Gasteltern reagieren inzwischen immer freudig und ausgelassen, wenn ich meine Kamera auspacke. Sie posieren, schneiden Grimassen, tanzen und singen und erfreuen sich an den Fotos, die bei diesen Gelegenheiten entstehen. Gegenseitiges Vertrauen muss wachsen und braucht Zeit, insbesondere dann, wenn fremde Kulturen einander begegnen. Für mich ergibt sich daraus folgende Schlussfolgerung: Im achtsamen Austausch miteinander bekommt man das notwendige Gespür dafür, wann man einfach abdrücken kann oder wann man abwarten sollte, beispielsweise bis die Person sich ein Kopftuch übergeworfen hat. Auch ganz ungewöhnlich für uns Europäer ist, dass vorallem Erwachsene auf den Bildern oft nicht ächen möchten, besonders für Frauen ist es ehr unüblich. Da ich mich bis jetzt noch immer nicht ganz zurecht gefunden habe, was man problemlos fotographieren darf und was nicht, bin ich dazu übergegangen immer öfter meinem neunjährigen Gastbruder die Kamera zu überlassen. Er halt zum großen Teil Alltagsszenen fest die mich später-wenn ich zu Hause bin- an die Zeit erinnern werden. Jedoch fotographiert er auch ganz andere Dinge wie zum Beispiel sich bewegende Tiere oder Autos, wiel er es intressant findet wie diese auf Bildern wirken. Hier möchte ich nun zum Abschluss auch ein Bild zeigen, was mich mit den Kidern zeigt, wo wir die üblichen Grimassen ziehen. |