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Geschrieben von: Georg Graser   

Loliondo TasseDa das Thema schon seit ein paar Monaten in aller Munde ist, auch schon auf dem ein oder anderen Blog erschienen, ist es zwar schon ein bisschen alt, für viele Leute jedoch noch immer heiß. In Loliondo an der Grenze zu Kenia gibt es einen alten Mann (Babu), der zwar (noch) nicht die Formel für die Unsterblichkeit gefunden hat, durch Gotteserscheinung im Traum jedoch ein Rezept für eine Kräutermischung erhielt mit der sich jede Krankheit heilen lässt. Aids, Krebs, Diabetes etc. inklusive. Der Mann (Babu) heißt Ambilikile Mwaisapile, ist 76 Jahre alt und Pfarrer in Rente für eine evangelische Kirche.

„According to Rev. Mwaisapile, God instructed him through dreams since 1991 about the medication and that, it will heal people with chronic illnesses. He said the dream kept recurring to him several times since then and on August 26, last year; he decided to obey on the instructions and started the healing work.” (Daily News Online Edition)

 

Gottes Anweisung enthält außerdem, dass der Preis pro Tasse nicht höher sein soll als 500 Tsh, umgerechnet also grob 25Cent. Über die letzten Monate zog es Menschenmassen nach Loliondo. In Babus Glanzzeit warteten mehr als 50.000 Menschen auf ihre Behandlung. Babu kann allerdings pro Tag nur grob 1000 Leuten die Tasse verabreichen. Da viele Kranke Menschen auf einem Haufen in einem völlig überforderten Dorf/Stadt warten mussten, starben/sterben natürlich viele vor oder kurz nach der Behandlung. Die Behandlung ist ganz einfach. Man muss nur einmal eine Tasse vom Babu trinken und ist/wird geheilt. Der Gottesglaube darf nicht fehlen und man muss die Tasse von Babu erhalten, sonst wirkt es nicht. Für mich hat es die ganze Zeit den Eindruck gemacht, dass wer nur irgendwie an Gott glaubt, auch der Babu – Behandlung Glauben schenkt. Vereinzelte Kritiker natürlich mal ausgeschlossen. Mehrere Verwandte unserer Gastfamilie sind z.B. auch zum Babu „gepilgert“, in der Anfangsphase. Völlig unvorbereitet mussten sie sehen, wie viele Menschen dort sind und mussten 5 Tage lang warten, bis sie drankamen. Sie glauben jedoch an den Erfolg der Behandlung. Welche Krankheit sie vorher eigentlich hatten, ist mir allerdings unklar. Es ist/war ein unglaublicher Hype und es wollten etliche Menschen hin, einfach um die Tasse zu trinken. Quasi als Prophylaxe. Wenn ich in Arusha über den Busbahnhof gelaufen bin, kam von allen Seiten, ob ich nicht dahin will, worauf ich jedoch immer ganz gut den Babu zitieren konnte, die Medizin sei nicht zur Vorbeugung, sondern zur Behandlung. Ich aber bin gesund. Trotzdem, ein Geschäft witterten viele und natürlich sind einige Betrüger auch auf Wundermittel und Heilmethoden gestoßen, doch Babu bleibt Babu. Was sagt denn dann eigentlich die Regierung dazu? Also wie ich das mit Fernsehen und vereinzelt Zeitung mitbekommen habe, war die Regierung anfangs stark gegen den Babu und in einer Nachricht stand sogar sie wollen ihn festnehmen, doch haben sich dann die Bischöfe Tansanias starkgemacht und konnten diesen Schritt verhindern. Die Kirche hält eben zusammen. Der nächste Schritt war dann, dass die Regierung die Medizin überprüfen lies, sich also eine Probe mitnahm und im Labor anschaute. Das Ergebnis: Die Inhaltsstoffe sind schon traditionelle Heilpflanzen, aber es wurde kein Hinweis auf besondere Heilmöglichkeiten gefunden. Vielleicht ist die Technik aber einfach noch nicht so weit, die Verbindungen zu sehen? Die Nachricht war groß, die Reaktion war, dass die Medizin außerhalb Loliondos, nicht von Babu verabreicht, ohne genügend Gottesglauben, nicht funktioniert. Eigentlich unfair den anderen Religionen gegenüber, wo das ja nicht funktionieren kann. (Liebe deinen Nächsten wie du auch dich liebst usw. ist das damit eingehalten? Ist das Gottes Weg?). Naja, noch ist die Kikombe cha Babu (Tasse des Opas, so wird die Medizin auch genannt) nicht religionsübergreifend. Inzwischen hört man, es sollen auch einige Regierungsvertreter bis hoch zu Präsident Kikwete die Tasse trinken gegangen sein. Babu ist einfach Thema. Auch wenn wir mit KAKUTE irgendwelche Firmen besuchen gehen, es ist nicht ausgeschlossen, dass die Diskussion gegen Ende zu auf Babu kommt. Wobei er auf dem Level von Firmenchefs eher mit einem Lächeln betrachtet wird. Wie ich das so mitkriege. Ich meinte einmal zu einem Schulleiter, dass doch Babu mit Jesus ganz gut zu vergleichen sei. Zu ihm pilgern etliche Leute, einige aus anderen Ländern, teilweise von anderen Kontinenten; seine Worte werden 1000 mal rezitiert und allgemein wird er durch seine Kommunikation mit Gott auf ein anderes Level gehoben als der Durchschnittsmensch. Die Reaktion war ganz interessant. Natürlich verneinend nach kurzem Überlegen, doch meinte er, der Vergleich hackt, da Jesus Gott ist und somit jede seiner Aktionen göttlich ist, Babu jedoch nur von Gott für Gottes Zwecke benutzt wird. Gut, hätten wir das auch geklärt. Es gibt natürlich schon unzählige Geschichten von und über Babu. U.a. eine Komödie mit dem Titel „Kikombe cha Babu“ oder dass Amerikaner ihn fragten, ob er nicht nach Amerika kommen wolle, dort wäre er gebraucht. Seine Reaktion schloss die Reise nicht aus, aber er will nicht über das Meer. Wenn er mit einem Bus rüberfahren kann, ist er dabei. Wir haben letztens mit der Arbeit SIDO (Small Industries Developement Organisation) besucht und auf dem Gelände den Neuen Kochtopf + Ofen für Babu gesehen, den dieser sich bestellt hat. Ein hammerteil, ziemlich groß und funktioniert ressourcensparend mit Sägespänen (übrigens eine auch von uns empfohlene Technik). Jetzt neulich hat auch Kenia angefangen, mit-zu-hypen und schickt nach außen, dass wer zu Babu reisen will, am besten den Weg über Nairobi nimmt. Dass man noch nach Tansania immigrieren muss wird dann verschwiegen. Sensationsräuber.

altIch frage mich: kann ich das gutheißen? Oder: kann man das gutheißen? Ich finde, es hat schon etwas mit Respekt vor dem festen Glauben vieler Leute zu tun, da entgegen aller Logik nicht zu viel dagegen zusagen, da für viele eben das was dort passiert wohl so etwas wie Gottes Wille ist. Und können wir wissenschaftlich festlegen dass es Gott und dessen Wille gibt oder nicht? Ich bleibe vorsichtig bei solchen Themen, solchen Diskussionen. Das führt in der Regel nur dazu, ich glaube da dran und du glaubst da dran. Auch ist es ein gar nicht so schlechter Schritt, wenn mehr Leute mehr an traditionelle Heilmethoden glauben bzw. sich damit beschäftigen. Wir bei KAKUTE verkaufen einen Anti-Malaria Tee, der die Chinesen schon seit 2000 Jahren gegen Fieber/Fieberkrankheiten schützt und bei einer Malaria – Erkrankung hilfreich ist. Wir sagen nicht, dass man keine andere Medizin nehmen soll, das machen die Mitarbeiter hier auch nicht, aber wir sehen eben, dass viele Menschen v.a. in der unteren Liga nicht das Geld haben, den Arzt zu sehen und dann die Medizin zu kaufen und dann an den Krankheiten sterben. Das Geld für unseren Tee hat aber in der Regel jeder. Babu gibt seine Tasse Medizin sogar kostenlos an solche aus, die das Geld nicht haben, sie zu kaufen, heißt es. Er hilft uns quasi in der „awareness creation“. Auch wenn seine Medizin ohne den christlichen Gott nicht wirkt. Und doch kann es nicht ratsam sein, auf einen Todeszug nach Loliondo aufzuspringen und die teilweise wichtige Krankenhausbehandlung nicht mitzumachen. Krankheiten breiten sich unter kranken ja ganz gerne aus und so viele kranke auf einem Haufen rufen ja regelrecht nach Typhus oder anderen Unannehmlichkeiten, die dann Babu auszubaden hat. Vielen hat der „Zaubertrank“ übrigens auch gar nicht geholfen. Ob es nun fehlender Gottesglaube ist oder unwirksame Medizin, wenn Aids Aids bleibt dann ist das blöd.

Wenn der Ansturm nicht so übertrieben gewesen wäre und wenn sich die Medizin eher an die ärmere Bevölkerung gerichtet hätte, ich hätte es gut gefunden. Auch jetzt tue ich mir schwer, es nicht irgendwie gut zu finden, aber es kann nun mal nicht gut sein. Schluss damit.

 



 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 29. Juli 2011 um 13:18 Uhr
 

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