weltwärts Rückkehrerarbeit
Rückkehrerarbeit Drucken

Gemeinsame Arbeit im ProjektAls ich Anfang August aus Tansania nach Deutschland zurückkehrte, wusste ich, jetzt kommt einer der wichtigsten Abschnitte des Freiwilligendienstes. Die Rückkehrerarbeit: Seminare, Vorträge, Bilderabende, lange Erklärungen - alles mit dem Ziel, verschiedenen Leuten ein Bild von Tansania und meiner Arbeit und Erfahrungen dort zu geben.

Die Pläne waren groß. Angefangen bei meiner Familie und Freunden wollte ich meinen Wirkradius zumindest erst einmal noch auf die verschiedenen Schulen ausweiten, die ich für meinen Schulabschluss im Laufe der Jahre so alle besuchte. Mit den Pfadfindern wollte ich ein Windrad bauen, um unter anderem unsere lokalen Nachrichten und Medien mehr in Richtung Erneuerbare Energien und damit verbunden auch mein Jahr in Tansania zu lenken.

Über Bilderzeigen im Familien - und im engeren Freundeskreis bin ich leider noch nicht weit gekommen mit meinen Plänen. Immerhin weiß jetzt jeder, dass Tansania nicht das einzige Land in Afrika ist bzw. dass es falsch ist, den ganzen Kontinent quasi als Land zu sehen. Zugegeben, die Idee mit den Schulen kam mir erst recht spät, doch dann wurde echt schon die Zeit knapp: Das Informatik – Studium stand vor der Tür. Und eh ich mich versah, war bzw. bin ich immatrikuliert und mittendrin.

Frei nach dem Motto „Gut Ding will Weile haben“ dauert das bei mir eben ein bisschen länger. Die Pfadfinder wissen um das Windrad und müssen schauen, ob sie Zeit finden, das als großes Projekt zu implementieren. Wird aber wahrscheinlich erst im kommenden Jahr der Fall sein. Wie das mit den Schulen ist, an denen ich war, muss ich wohl oder übel auf die vorlesungsfreie Zeit warten. Außerdem bin ich über meine Freundin (die zeitgleich mit mir in Kenia ihren Freiwilligendienst leistete) in die Planung für einen Vortrag für eine Kirchengemeinde in Bamberg mit hineingerutscht. Der Pastoralreferent dort ist sehr engagiert. Und Bilder und Geschichten für die Freunde wird es natürlich noch geben.

An meiner Uni (der TU Ilmenau) gibt es einen Verein, das Market-team. Da bin ich seit neuestem Mitglied. Es geht grob darum, eigene Projekte zu implementieren um damit bei potentiellen Arbeitgebern zu punkten. Diese sollen sehen, dass der Student sich über das notwendige Maß engagiert – ähnlich wie das bei einem Weltwärts Freiwilligendienst bei der DTP auch der Fall ist. Ich orientiere mich erst noch, als kompletter Neuling, doch schweben mir einige Projekte vor (z.B. mal einen Entwicklungshilfe – Experten an die Uni einladen und dann einen Vortrage von diesem hören bzw. diesen in einer Podiumsdiskussion gezielt befragen), die sich wunderbar mit meiner Rückkehrerarbeit verbinden lassen.

Möglichkeiten gibt es viele, wir müssen nur sehen, wie wir sie nutzen. Es ist mir vor Allem wichtig, dass ich das, was ich in Tansania erleben und erfahren durfte mit anderen Menschen teile (zumindest ausschnittsweise), um das gängige Bild vom „ rückständigen Afrika“ (ich schreibe hier bewusst „Afrika“) etwas auf die heutige Zeit anzupassen und Diskussionen über Sinn und UnSinn von „Hilfen“ und Spenden etc. zu starten und ggf. anzukurbeln. Ich habe besondere Erfahrungen gemacht und würde ich mich darüber ausschweigen, es wäre irgendwie egoistisch. Wie kann ich dann auf eine differenzierte Sicht über die sog. 3. Welt (was man ja inzwischen nicht mehr sagen darf) von meinem Umfeld hoffen? 

Wer rastet rostet und von daher ist es auch für mich und meine Reflexion letzten Endes gut über Erlebtes zu sprechen und Situationen zu interpretieren und zu diskutieren. In diesem Kontext versuche ich vor allem gegen Sätze wie „Afrika ist ein Fass ohne Boden“ von einigen selbsternannten „Afrika Experten“ gezielt vorzugehen. Solche Sätze nerven und schließen das Thema hoffnungslos ab. Denn wenn ich was in Tansania gelernt habe (von meinem Chef), dann ist das das Motto: „don’t hesitate to communicate“!

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 06. November 2011 um 13:19 Uhr
 

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