weltwärts Mit dem Fahrrad zur Arbeit
Mit dem Fahrrad zur Arbeit Drucken

Nach kürzester Zeit schon haben wir uns hier in Mwanza dazu entschlossen, den täglichen Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad zurückzulegen. Es ist eigentlich nicht das Geringste gegen die Daladala, die für Tansania so typischen Sammelbusse, hier in Mwanza einzuwenden, doch trieb uns der sportliche Ehrgeiz und der morgens zum Aufwachen recht gut geeignete Fahrtwind auf unsere Fahrräder.

Somit strampeln wir jeden Morgen und jeden Abend ca. 7 – 8 Kilometer zur Arbeit, oder nach Hause. Und diese Entscheidung war eine der interessantesten Entscheidungen, die wir bisher getroffen haben. Erst einmal ging es natürlich daran, Fahrräder zu kaufen. Da man aber allein als Weißer oftmals sehr aufpassen muss, dass man nicht überhöhte Preise zahlt, haben wir uns zusammen mit einem Shopmitarbeiter von Zara Solar auf den Weg gemacht und einmal ausgekundschaftet, was so ein Drahtesel denn kosten soll. Wir waren jetzt auch nicht auf etwas Besonderes aus, das Fahrrad sollte einfach seinen Zweck erfüllen und funktionieren. Dass gerade darin das Problem bestand, stellte sich schon recht schnell heraus. Na gut, wir kauften also zwei Fahrräder, für umgerechnet ca. 50 Euro pro Stück und machten uns motiviert auf den Weg.

tn_wawili.jpgAuch dass bereits nach gerade einmal einer Woche fast alles vom Fahrrad schon einmal abgefallen war, das Licht nicht funktionierte, meine Kette bereits 2 mal gerissen war und mein rechtes Pedal abgebrochen, sollte die Motivation nicht schmälern. Wir hatten zwar neue Fahrräder gekauft, aber die Qualität war nicht sonderlich gut. Um die Tansanier allerdings vor falschen Vermutungen zu schützen, muss ich hinzufügen, dass die Fahrräder aus Indien und China kommen.

Für all diese Schwierigkeiten mit unseren Fahrrädern entschädigt allerdings jeder Weg, den wir mit ihnen zurücklegen, vielfach. Denn es ist einfach traumhaft, die verschiedensten Straßen entlang zu fahren und seinen Blick schweifen zu lassen, der so viele verschiedene bunte und aufregende Dinge einfängt.

Nach dem Start an unserem Haus müssen wir erst einmal ein kleines Stück einer Nebenstraße zurücklegen, wobei die Bezeichnung Straße aus unserer Sicht fraglich erscheint: eine Anreihung von Schlaglöchern, Steinen und Unebenheiten. Und sobald es regnet, bilden sich Pfützen, in denen die Enten herum schwimmen. Also ein kleiner Hindernisparcours und ich versuche den Steinen und den Löchern auszuweichen, um mein Fahrrad zu schonen und nicht allzu sehr durchgeschüttelt zu werden. Die Hauptstraße nach Mwanza ist dann aber geteert und auch breit genug für Autos, Fußgänger und Fahrradfahrer zusammen. Als nächstes kommen wir am Markt vorbei und es wird bunt. Viele aus Holz zusammengezimmerte Buden, in denen die Frauen ihre Waren anbieten. Frisches Obst, Kokosnüsse, alle Sorten von Mehl, Milch und Säften, Gemüse, Stände mit aufregend duftenden orientalischen Gewürzen und viele Dinge, deren Namen wir gar nicht kennen. Und immer mehr Menschen kommen und tragen scheinbar mühelos ihre schweren Güter auf den Köpfen zum Markt, um sie dort nach hitzigen, aber immer freundlichen Preisdiskussionen zu verkaufen.

Als nächstes kommt eine richtige Aufgabe, denn wir müssen uns mit unseren Fahrrädern einen schönen Berg hinauf quälen und da die Fahrräder auch nur einen Gang haben, wird es ab einem bestimmten Punkt ziemlich anstrengend. Auf dieser Wegstrecke verfolgen einen die meisten Blicke (denen man hier als Mensch mit hellerer Haut nie ganz entrinnen kann ), denn viele haben noch nie einen Weißen auf einem Fahrrad gesehen, der sich einen Berg hoch kämpft. Und man ist auch über die ganze Strecke hinweg vor den Rufen nicht gefeit, wenn es heißt: „Ah mzungu. Anaendesha baisikeli“ ( Ah der Weiße. Er fährt Fahrrad. ) Wir erwidern diese Rufe dann mit einem freundlichen Lächeln oder einem „Mambo vipi?“ (Frei übersetzt: Wie geht's?)

Nach dem Erklimmen des Gipfels geht es folglich der Fahrradfahrerweisheit „Was man hoch fährt, fährt man auch wieder hinunter“, ein richtig schön langes Stück bergab. Dabei lasse ich das Fahrrad rollen und mir den frischen Fahrtwind, der schon mit der ersten warmen Luft des Tages versetzt ist, um die Nase wehen. Dann machen sich auch die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut breit und ich genieße die Sonne in vollen Zügen. Auf gerader Strecke radeln wir dann so weiter vor uns hin, überholen einige Daladalas, deren Connector laut rufend versucht, weitere Fahrgäste anzulocken und es auch noch schafft, den letzten Fahrgast in sein Daladala zu laden, obwohl man denken könnte, es ist schon mindestens zweimal voll. Überholen ein anderes Fahrrad, das mit Bananen so voll beladen ist, dass man kaum noch erkennen kann, dass es überhaupt ein Fahrrad ist.

Auf dem vorletzten Wegstück lassen wir unseren Blick nach rechts schweifen und blicken auf den Viktoriasee ... dabei kneifen wir die Augen zusammen, wenn die steigende Sonne im Wasser hell glitzert und genießen den beruhigenden Blick auf das Wasser, das einen so herrlichen Kontrast zu der pulsierenden und sich immer bewegenden Stadt bietet.

Als Letztes biegen wir nach links auf die Nyerere Road ab und tauchen in den bunten Trubel von Mwanzas Stadtzentrum ein. Wieder viele bunte Läden, in denen man alles, aber auch nichts kaufen kann, laufende Bananen-, Mango- und Erdnussverkäufer, die ihre Waren auf den Köpfen zwischen den Menschen hindurch balancieren, rußende Lkws, die sich durch die Straßen schleppen, ein Musikverkäufer, der seinen kleinen Verkaufswagen durch die Straßen schiebt und die Luft mit Musik erfüllt. Unsere Augen wissen nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen und auch jetzt noch nach einiger Zeit gibt es immer wieder und jeden Tag etwas Neues, Aufregendes und Spannendes zu entdecken, wenn man in Tansania mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 09. Juni 2008 um 09:06 Uhr
 

DTP Newsletter

Einkaufen und Spenden

Unterstütze uns mit
jedem Online-Kauf
ohne Extrakosten
mehr erfahren...

Jetzt spenden!

100% für Projekte!