weltwärts Weltwärts für LehrämtlerInnen Lehramts-Blog Lehrerin sein auf Sansibar - Aller Anfang ist schwer
Lehrerin sein auf Sansibar - Aller Anfang ist schwer Drucken
Samstag, den 08. Mai 2010 um 11:41 Uhr

Rahel Heidkamp berichtet von ihren ersten Wochen an der Schule und im Dorf in Kizimkazi.

Da ich wenig Zeit hatte mich gedanklich auf die Zeit auf Sansibar und somit das Projekt vorzubereiten, bin ich noch ohne Pläne und Vorsätze hier angekommen. Auch die Ankunft und die ersten Schultage vergingen rasend und ich brauchte einige Tage um zu realisieren, dass ich die nächsten 8 Monate nun hier verbringen werde. Mein erstes Ziel war und ist möglichst schnell Kisuaheli zu sprechen. Da ich mich oft und gerne mitteile und mir dies zu Anfang sehr schwer fiel, hat das für mich höchste Priorität.
In diesem ersten Monat wollte ich vor allem die SchülerInnen und LehrerInnen kennen lernen und einen Tandem-Lehrer für das Projekt finden. Außerdem wollte ich schnell die Namen lernen und mich mit dem Unterrichtsstoff und der Art und Weise des Unterrichtens vertraut machen..

Ich habe bei verschiedenen Lehrern im Englisch-, Mathe- und Biologieunterricht hospitiert. Die restliche Zeit habe ich im Lehrerzimmer verbracht, die Schulbücher begutachtet, Kisuaheli gelernt und mit verschiedenen Lehrern über Schule und Unterricht gesprochen. Der Schultag ist sehr anstrengend und so ruhe ich mich nach der Arbeit vor dem Haus mit den anderen Frauen und den Kindern aus dem Dorf aus, bevor ich mit meinem Gastvater esse.
An vielen Nachmittagen dieses Monats bin ich nach Kizimkazi Mkongoni gefahren, um mich mit Urs zu treffen und mit ihm über die Situation in der Schule auszutauschen, zu schwimmen und/oder Vokabeln zu lernen.

lehrerin_sein_sansibar

Vor Sonnenuntergang komme ich dann wieder zurück ins Dorf, um dort gemeinsam mit den Dorfbewohner/innen den Abend ausklingen zu lassen. Da es in diesem Monat weder Strom noch fließend Wasser gab, hole ich vor dem Abendessen Wasser von einer Wasserstelle mitten im Dorf. Ich habe nun auch meine ersten Versuche gestartet, die Wassereimer auf dem Kopf zutragen. Leider ging das bisher beim Absetzen noch schief, aber das Üben nehme ich mir weiterhin vor.
Ein Wochenende haben Urs und ich in Stone Town verbracht, dort haben wir unsere nötige Erledigungen gemacht und uns den Founi-Markt angesehen. Außerdem waren wir auf einem Musik-Festival, was sehr schön war.
Ich habe bereits einige Stunden Biologie und Englisch unterrichtet. Die Schüler sind sehr zurückhaltend und haben große Probleme mit der Unterrichtssprache Englisch. So ist es sehr schwierig, Inhalte zu vermitteln. Ich versuche Gruppenarbeit einzuführen, die die Schüler nicht gewöhnt sind. Vor allem im Englischunterricht muss versucht werden, eine Grundlage zu schaffen und das „Selbst-Sprechen" zu üben. Kleine Erfolg hatte ich schon durch meinen Unterricht. Auch wenn es nicht immer einwandfrei läuft, macht es mir Spaß, und ich glaube dass ich mit der Zeit hier immer weitere Fortschritte erzielen kann.

Wie gesagt, ist die Sprache anfangs noch ein großes Problem. Nach einer Kopfverletzung habe ich mehrere Tage nur im Dorf verbracht und somit Fortschritte in Kisuaheli gemacht.
Ein riesiges Problem ist für mich die Gewalt in der Schule. Ich sehe jeden Tag, wie die Schüler geschlagen werden. Auch das Gras-Rupfen als Strafmaßnahme und das sehr autoritäre Verhalten der Lehrer machen mir hier zu schaffen. Ich habe zwar schon einige Gespräche mit den Lehrern zu diesem Thema geführt, stoße da aber auf Unverständnis.
Ein weiteres Problem ist für mich die Rolle der Frau. Manchmal habe ich das Gefühl weniger Ernst genommen zu werden und ich wurde schon das ein oder andere Mal „mchumba„ genannt, weil ich mit dem Fahrrad fahre oder mich mit Urs treffe ohne dass wir verheiratet sind. Aber es fühlt sich so an, als würde das mit der Zeit weniger werden oder ich gewöhne mich daran.

In diesem Monat war jeder Tag besonders und eindrucksvoll. Das Klima, das hellblaue Meer, die Palmen, der Sonnenuntergang, der wunderschöne Sternenhimmel und vor allem das Leben im Dorf. Ohne Strom und fließend Wasser auszukommen und zu erfahren mit wenigen Dingen auszukommen. Das Zusammenleben, der Zusammenhalt auch durch die Familienkonstellationen, das Tauschen von Arbeit und Lebensmitteln, die vielen Kinder und der Umgang mit ihnen. Außerdem Stone Town, ich finde es ist eine wunderschöne Stadt und ich gehe wahnsinnig gerne durch die kleinen verwinkelten Gassen, auch wenn ich mich verlaufe. Meine Krankenhauserfahrung war auch etwas Besonderes in diesem Monat und ich hoffe, dass ich mich hier das erste und letzte Mal verletzt habe. Es ist alles gut verlaufen, aber ich hatte schon ein mulmiges Gefühl, in einem wirklich bescheiden ausgestatteten Krankenzimmer von einer Ärztin behandelt zu werden, die man nicht ganz versteht und mit einer Rasierklinge die Haare um die Wunde entfernt zu bekommen. Ich habe Massais tanzen gesehen, war auf einem Fest und habe mit den Frauen hier getanzt und vieles mehr.

 

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