Kizimkazi Dimbani ist mit ca. 2000 Einwohnern ein kleines Fischerdorf am Indischen Ozean im Süden Sansibars. Das Dorf schließt direkt an den Strand an, der mit Palmen gesäumt ist und der Arbeitsplatz der Fischer ist. Das Dorf lebt von der Fischerei und den Delfintouren, für die die Touristen Sansibars nach Kizimkazi kommen. Das Dorf hat im Jahr 1998, ermöglicht durch Spenden, seine eigene Schule erbaut. Es gibt eine Klasse pro Jahrgang, in der ca. 40 Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden. Alle Schüler tragen eine Schuluniform und die Mädchen und Lehrerinnen ein Kopftuch. Sansibar ist zu 99 % muslimisch geprägt und im Dorf glauben alle Bewohner an den Islam und gehen regelmäßig in die Moschee. Nach der Schule gehen die Schüler in die Koranschule. Dort wird der Koran vorgelesen und von den Schülern von 15:00 bis 17:00 Uhr nachgesprochen. Donnerstag und Freitag sind die einzigen freien Nachmittage, die den Schülern bleiben. Die Schule hat ca. 550 Schüler und 20 Lehrer. Der Schultag beginnt um 7:15 Uhr, mit dem Saubermachen des Schulgeländes und einer darauffolgenden Versammlung, bei der gemeinsam gesungen wird. (Die Lehrer bestehen darauf, dass ich sage, dass gemeinsam gesprochen wird, da sie Zeilen aus dem Islam wiedergeben und im Islam Musik nicht gestattet ist. Es klingt aber wie Gesang.) Die acht Schulstunden pro Tag werden meistens in Doppelstunden unterrichtet, die hier 80 Minuten lang sind. Um 10:20 Uhr gibt es eine Frühstückspause, in der die Lehrer gemeinsam im Lehrerzimmer Tee trinken und Brot essen und die Schüler nach Hause gehen. Hier habe ich in den letzten drei Monaten vieles erlebt, erfahren und gelernt. In der Schule übernehme ich den Englisch- und Biologieunterricht in Form 1 und den Biologieunterricht in Form 2, was der 8. und 9. Klasse entspricht. Leider habe ich bis heute Schwierigkeiten in meinem Unterricht. Die viel zu schwierigen Themen sind schwer zu vermitteln, da die Schüler und auch alle anderen Dorfbewohner kein Englisch beherrschen und ich mich nur sehr schwer verständlich machen kann. Das Bildungsministerium Tansanias schreibt vor, dass ab der 8. Klasse (Form 1) alle Unterrichtsfächer auf Englisch unterrichtet werden. Damit sind Lehrer und Schüler, vor allem in einer Dorfschule wie hier in Kizimkazi, überfordert. Hinzu kommt, dass in Standard 7, Form 2 und Form 4 im Oktober die “national examinations” geschrieben werden. Diese sind sehr anspruchsvoll und bei dem Oxford-Englisch verbringe auch ich einige Zeit vor dem Wörterbuch, bevor ich verstehe und die Fragen beantworten könnte. Wer die Tests nicht besteht, darf nicht wiederholen. Die Schulzeit ist vorbei und es geht ins Dorf. Oft ohne Aussicht auf Arbeit. Die Probleme der Schüler im Englischen rühren daher, dass sie zwar ab der ersten Klasse Englisch haben, dort aber nicht zum Selber- Sprechen und -Denken kommen. Frontalunterricht und Im-Chor-sprechen sind hier, vor allem in der Primary School, die gängigen Unterrichtsmethoden. Strafmaßnahmen sind der Stock und Graspflücken auf dem Schulgelände. Die Lehrer bauen hier sehr stark auf Autorität und jeder Lehrer geht mit einem Stock in die Klasse. Die Englischstunden werden von Lehrerinnen gegeben, die große Lücken im Englischen haben, sodass auch die Schüler in den höheren Klassen nicht in der Lage sind, sich vorzustellen oder eine Frage zu stellen. Insofern gestaltet sich mein Unterricht sehr schwer, aber ich mache kleine, sehr kleine, Fortschritte. Mittlerweile unterrichte ich auf einem Kisuaheli-Englisch-Mischmasch. Zu dem Sprachproblem kommen die, unter anderem auch armutsbedingten, Lebensumstände, die das Unterrichten hier völlig anders gestalten, als ich es gewohnt bin. Es sind an die vierzig Schüler in einer Klasse, die sich auf die engen, harten und unbeweglichen Holzbänke drängen und bei 35 Grad versuchen Konzentration aufzubringen, auch wenn die Nachbarklasse (die mal wieder ohne Lehrer auskommen muss) Krach macht. Die Schule ist aus Stein, die Klassenzimmer sind offen, mit großen Fenstern, damit ein wenig Wind durchziehen kann, und es ist eigentlich immer laut. Nicht selten hat ein Vogel sein Nest unterm Dach gebaut oder ein Huhn, eine Eidechse oder eine Ratte kommt ins Klassenzimmer gestapft und lenkt vom Thema ab. Im letzten Monat hatte ich sogar eine kleine Schlange, die von einem Schüler mit dem Besen ausser Gefecht gesetzt wurde. Bis die Schüler von den Bänken runter kamen, waren 20 Minuten verstrichen. Die Arbeit hier ist jedenfalls immer für eine Überraschung gut. Es gibt einige Lehrer, die sehr engagiert sind. Sie kommen nachmittags in die Schule und geben Nachhilfe. Die Bereitschaft sich gegenseitig zu helfen ist hier sehr groß, und der starke soziale Zusammenhalt der Dorfbewohner sorgt dafür, dass eine fröhliche, freundliche und offene Atmosphäre herrscht. Es wird viel getauscht, selbst angebaut oder hergestellt und dann verkauft. Es gibt Bananen-, Papaya-, Palmen- und Cassava-Plantagen, außerdem wird Gemüse angebaut. Meine Gastmutter backt jeden Nachmittag bis zum Abend Mandasi (süße Brötchen), die sie dann bis zum späten Abend an die Nachbarn verkauft. So machen es viele andere Dorfbewohner mit Fisch, Obst und Gemüse. Es gibt nur drei kleine Läden, die einem Kiosk ähnlich sind. Die Kinder schlafen häufig noch bis ins Erwachsenenalter mit ihren Geschwistern in einem Bett, in einem kleinen Zimmer. Es gibt viele Lehmhäuser und einige Häuser aus Stein. Bei den Spielzeugen, mit denen die Kinder groß werden, handelt es sich um selbst gebaute Autos, selbst zusammen gebaut und mit einem Stock, um es vor sich herzuschieben. Ansonsten haben die Kinder keine eigenen Besitztümer, wie es in Deutschland der Fall ist. Alle Familienmitglieder helfen im Haushalt mit. Die Jungen gehen mit fischen, die jungen Frauen fegen und kochen gemeinsam mit der Mutter, und die Mädchen werden beim Wasserholen, Geschirr- und Wäschewaschen eingebunden. Es gibt in einigen Häusern Strom, aber seitdem ich hier bin, kein fließendes Wasser, da die Leitungen kaputt sind. Das Wasser wird in Eimern, die auf dem Kopf getragen werden, von einer entfernten Wasserstelle oder den Brunnen im Dorf geholt. |