weltwärts Stellungnahmen nachhaltige Zusammenarbeit
Wie kann Zusammenarbeit in Tansania nachhaltig gestaltet werden? Drucken

Lohnt sich Entwicklungszusammenarbeit überhaupt noch? Mit dieser Frage sieht sich jede Entwicklungszusammenarbeitsorganisation ständig konfrontiert. Pessimistische Artikel darüber, wie Spendengelder in Schwarzgeldgebieten korrupter afrikanischer Staaten versacken oder die Tatsache, dass schon seit Jahrzehnten Entwicklungshilfe geleistet wird und viele afrikanische Staaten, besonders südlich der Sahara, im Vergleich zu allen anderen Staaten immer ärmer werden, lassen viele Menschen an der Sinnhaftigkeit von Entwicklungszusammenarbeit zweifeln.

Die Antwortsuche auf die Frage, warum Entwicklungsarbeit oft erfolglos bleibt, führt von Resignation über Verschwörungstheorien bis hin zu rassistischen Einschätzungen : „So sind die Afrikaner halt". Solche einfachen Reaktionen dienen als Rettungsanker, weil die Fragestellung zu komplex ist, um sie mit einer umfassenden Antwort verständlich machen zu können.

Wie macht man denn ein Projekt nachhaltig? Vielleicht erst einmal die leichter zu beantwortende Frage : Wie macht man ein Projekt NICHT nachhaltig? Man erfährt oder erlebt Mangelsituationen und versucht bestehende Probleme zu lösen, indem man das versammelte eigene Wissen oder einschlägige Materialien an den Problemort bringt, ungeachtet der Tatsache, ob sie sich in die bestehenden Strukturen einfügen und von den Menschen vor Ort langfristig und verläßlich handhabbar sind. Ein erfahrener, deutscher Experte geht für ein bis zwei Jahre oder manchmal auch sehr viel kürzer in ein Land und bringt all das Neue mit. Oft fehlt ihm die Landessprache Kisuaheli, um sich mit den Menschen verständigen zu können. Er schafft neue Strukturen und geht nach einem kurzen Zeitraum wieder fort.
All das kostet sehr viel Geld, denn die Experten müssen teuer bezahlt werden. Sie leben während ihrer Projektarbeiten in der Regel in europäischen Verhältnissen fern von den Menschen, deren Probleme sie zu lösen versuchen. Nach ihrer Abreise sinkt meist alles zurück in den vorherigen Zustand, weil die Menschen vor Ort ihre eigenen Vorstellungen von Problemlösung nicht genügend einbringen konnten. Trotzdem hat die Erfahrung der Ungleichheit von «schwarz» und «weiß» die Menschen vielleicht ärmer oder mutloser gemacht als sie es zuvor waren.

Wie macht man also ein Projekt nachhaltig? Das genaue Gegenteil? Man fährt mittellos und unstrukturiert nach Afrika und versucht, möglichst wenig zu beeinflussen? Im Prinzip wäre dies der richtige Ansatz, um Unabhängigkeit von europäischer Unterstützung zu schaffen und Nachhaltigkeit zu erreichen. In der Praxis verheißt er aber totale Wirkungslosigkeit.

Jede reflektierte Entwicklungszusammenarbeit bewegt sich im Spannungsfeld zwischen dirigieren, also schnell Ergebnisse erzielen und dabei in Kauf zu nehmen, Abhängigkeiten zu schaffen und zu akzeptieren, also den Gang der Dinge möglichst nicht zu beeinflussen und nur versteckt Entwicklungsanstöße zu geben, damit größtmögliche Unabhängigkeit erreicht wird.

In diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Deutsch-Tansanische Partnerschaft e.V. (DTP) . Die Freiwilligen sind nicht zum Erzielen von schnellen Ergebnissen entsandt. Ganz im Gegenteil sind sie, vor allem zu Beginn, sehr auf Hilfe angewiesen, können selbstständig nichts organisieren und müssen sich ganz auf das tansanische Leben einlassen.
Die «Weißen» werden vom gewohnten distanzierenden Geber und Lehrenden zum Lernenden. Hierdurch werden festgefahrene Verhaltensmuster zwischen Schwarz und Weiß aufgebrochen. Das Ziel ist, ein Gleichgewicht zwischen Deutschen, Tansaniern und Tansanierinnen zu schaffen, sodass am Ende beide selbstständig aus der Zusammenarbeit herausgehen. Das kann zweifellos auch schief gehen, wenn die Beteiligten falsche Vorstellungen voneinander haben.

Falsche Vorstellungen auf Seiten der deutschen Freiwilligen will die DTP möglichst noch bei der Vorbereitung in Deutschland ausräumen: Die Jugendlichen, die von der DTP entsandt werden, beschäftigen sich in ihrer Vorbereitungszeit und während der Begleitseminare sehr intensiv damit, ihre Arbeit zu hinterfragen, Wirkungen zu beobachten, ihre eigenen hinterlassenen Spuren zu suchen und auf diese Art und Weise eine unbeabsichtigte Fehlentwicklungszusammenarbeit zu verhindern.

Die hohen Ansprüche an sich selbst, die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen, führt manchmal auch zu zeitweiser Resignation. Eindeutige Antworten, was in der Zusammenarbeit förderlich und was hinderlich sein kann, sind schwer zu finden.
Was auf jeden Fall gewonnen wird, ist ein breites Spektrum von Verhaltens- und Projektanalysen und Vorstellungen, wie gute Projekte laufen könnten. Dieses breite Bild beeinflusst die Arbeit der DTP unmittelbar, indem die Erfahrungen der Freiwilligen immer neu in die Projektarbeiten einfließen.

Ein zentrales Problem für die Freiwilligen ist wohl die häufige Wahrnehmung einer Nehmermentalität. Sie rührt zum einen aus den über Jahrhunderte gewachsenen Vorstellungen vom reichen «Weißen» und zum Anderen aus der Gewohnheit einer auf Solidarität angewiesenen Gesellschaft.
Der Reiche hilft dem Armen – das ist die Voraussetzung für das Überleben einer Gesellschaft ohne Sozialsystem. Übertragen heißt dies aber auch: Wer etwas geschenkt bekommt, seien es Brunnen oder Solaranlagen, wird den Wert nicht ermessen können und fühlt sich demnach auch nicht dafür verantwortlich das Geschenk zu pflegen und erhalten. Darum achtet die DTP darauf keine materiellen Geschenke zu machen, sondern vor allem Ideen und Ausbildung zu fördern. Dabei sollen die Projektideen gemeinsam entwickelt und entstehende Kosten gemeinsam getragen werden – aber zumindestens 50% von der tansanischen Seite.

Was den Freiwilligen außerdem immer wieder auffällt, ist eine Haltung, die als „geistige Nehmermentalität" bezeichnet werden kann. Sie entsteht dadurch, dass jemand seine Idee unterbreitet und empfiehlt, man solle sie durchführen ohne zuvor auch nach anderen Ideen gefragt zu haben. Es fehlt dann der originäre Beitrag der Betroffenen, der für eine Identifikation mit neuen Entwicklungen notwendig ist. Freude und Motivation an selbst Erdachtem werden einseitig ausgeklammert. Vielleicht werden die empfohlenen Ideen gewissenhaft ausgeführt – aber der Mut, sie selbständig weiter zu entwickeln wurde nicht gestärkt. Für die DTP ist ein wichtiger Baustein von gemeinsamer Entwicklung, tansanischen Kollegen und Freunden die Möglichkeit zu geben, eigene Ideen zu entwickeln und einzubringen, Probleme selbst zu analysieren, Lösungen zu finden und sie gemeinsam umzusetzen sowie dazu zu ermutigen, aktiv und eigenständig zu sein und Fehler zuzulassen.
Das Angebot der Jugendlichen liegt in der Erfahrung der Möglichkeiten einer technisierten Welt und dem Wissen um ökologische Zusammenhänge. Wie weit sich aus diesen Erfahrungen «Problemlösungen» entwickeln lassen, hängt mit der Intensität des Austauschs von Ideen und Möglichkeiten, wie sie sich vor Ort erschließen, zusammen. Dabei ist der schöpferische Prozess des «richtigen» sich Einbringens eine große Herausforderung, die immer wieder auch von Enttäuschungen begleitet wird.

Auch mit dem tief verwurzelten Bild vom omnipotenten „Weißen" werden die Freiwilligen immer wieder konfrontiert: In Tansania ist, befördert durch Kolonialismus, politische Bevormundung, Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit über lange Zeit ein ganz bestimmtes Bild vom Weißen entstanden. Mit Weißen wird Geld und Intelligenz assoziiert und egal, wo ein Weißer auftritt, wird er sofort als Autorität behandelt. Die DTP begegnet auf der Suche nach echter partnerschaftlicher Zusammenarbeit immer wieder der Gefahr, in der gewohnten Rolle einseitiger und nicht nachhaltigen Projektentwicklung gedrängt zu werden. Durch den Ansatz, Jugendliche als Lernende in die bestehenden Verhältnisse zu integrieren sowie durch ihre bewusste Eingliederung in den normalen Lebensalltag wird immer neu der Versuch unternommen, an dem unrealistischen Bild des Weißen zu rütteln.

Auch wenn die DTP nur einen kleinen Teil zum partnerschafltichem Miteinander beitragen kann, halten wir es doch für wichtig, dass wir Schritte auf einem Weg gehen, von dem wir sagen können, dass er alle Möglichkeiten nachhaltiger Entwicklung für beide Seiten bereit hält. Hierüber zu diskutieren ist uns jederzeit ein Bedürfnis.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. März 2012 um 21:37 Uhr
 

DTP Newsletter

Einkaufen und Spenden

Unterstütze uns mit
jedem Online-Kauf
ohne Extrakosten
mehr erfahren...

Jetzt spenden!

100% für Projekte!